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Marcel Goc musste seine Karriere früher als geplant beenden. Dem Profi der Adler Mannheim blieb wegen der Play-off-Absage die Chance auf einen weiteren Titel verwehrt.

Eigentlich wollte Marcel Goc mit den Adlern Mannheim noch einmal nach dem Meistertitel greifen. Doch statt dieser Tage ins Play-off-Viertelfinale zu starten, kümmert sich der Kapitän der Eishockey-Silberhelden um seine Familie - als Ersatzlehrer. "Ich habe mit meinem Sohn gerade zwei Stunden Mathe gemacht", so der 36-Jährige.

"Die Playoffs waren mir nicht vergönnt"

Die Corona-Pandemie hat die Karriere des Ex-Nationalspielers früher beendet als geplant. Das letzte Hauptrundenspiel am 8. März ausgerechnet gegen seinen Heimatverein Schwenningen war sein letztes als Eishockey-Profi. "Ich habe den Puck eingesteckt", berichtet Goc, "aber ich habe gedacht, dass es nochmal um die Wurst geht in den Playoffs. Das war mir nicht vergönnt."

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Nach 699 Partien in der NHL, 112 Länderspielen und 388 Begegnungen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist plötzlich Schluss, den Kampf um die 100. deutsche Meisterschaft sagte die DEL kurz nach der Punkterunde ab.

"Bei den Klubs läuft alles auf Notstrom"

"Aber ich kann gar nicht sauer oder traurig sein", sagt Goc, "weil anderes jetzt viel wichtiger als Eishockey ist." Die Absage der Play-offs sei "richtig und notwendig" gewesen. "Jeder hat seine Sachen gepackt, bei den Klubs läuft alles auf Notstrom."

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"An die Aufforderungen halten"

Zu Hause kümmert er sich nach der Schließung der Schulen und Kindergärten um seine beiden Kinder. Die rasant steigenden Ansteckungszahlen verfolgt er mit Sorge. "Keiner weiß, was noch kommt. Es ist im Moment wichtig, dass man sich an die Aufforderungen hält, um die besonders Gefährdeten zu schützen und die Entwicklung zu entschleunigen."

Schon vor fünf Wochen hatte der Stürmer sein Karriereende nach vielen Verletzungen in den vergangenen Jahren angekündigt. Bereits im vergangenen Sommer machte er den Trainerschein. Eine Aufgabe bei den Jungadlern in Mannheim als Nachwuchscoach strebt er an, geübt hat er für die neue Aufgabe schon: "Ich habe andere Coaches unterstützt, war aber nur zuständig für den Spaß der Kinder."

"Keiner weiß so recht, wie es weitergeht"

Die eigene Zukunft ist gesichert, doch vielen seiner langjährigen Kollegen geht es anders. "Keiner weiß so recht, wie es weitergeht", sagt Goc angesichts der finanziellen Probleme der Klubs nach dem vorzeitigen Saisonende: "Druck hast du die ganze Karriere lang, mit Leistung festigst du deine Existenz. Aber jetzt ist alles ungewiss. Selbst der, der noch einen Vertrag hat, kann nicht sicher sein, dass er nächste Saison noch bei seinem Verein spielen kann."

Auch wenn das Karriereende ein paar Wochen früher kam als geplant, fühlt es sich für Goc "richtig" an. Nach seiner Rückkehr aus Nordamerika 2015 wollte er in Mannheim "fünf Jahre Vollgas geben und zeigen, warum ich in der NHL gespielt habe." Doch der Körper machte ihm einen Strich durch die Rechnung: Bruch des Schienbeinkopfes, Kreuzbandriss, Kniescheibenbruch - schwere Verletzungen warfen ihn zurück, "ich musste mit einem Bein spielen."

Die größten Erfolge gelangen dennoch im Herbst der Karriere: der Meistertitel mit Mannheim im vergangenen Jahr und vor allem Olympia-Silber 2018 in Pyeongchang. "Da kriege ich immer noch Gänsehaut", sagt er: "Ich hoffe, das Gefühl wird nie weggehen."

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