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Erneut ist Mannheims Verteidiger Thomas Larkin auffällig geworden. Vor gut zwei Jahren ein übler Check, jetzt ein Frustschuss gegen den Hals eines Schiedsrichters. Die Folge: Neun Spiele Sperre und ein schlechter Ruf.

Es ist Freitag Abend, der 26. April 2019. Um 22:30 Uhr droht in der Mannheimer Arena, dem "Ufo", das Dach abzuheben. Verteidiger Thomas Larkin hatte seine Adler im fünften Playoff-Finalspiel gegen den EHC München in der Overtime zum Meister-Titel geschossen. Larkin, der in London geborene Italo-Amerikaner, wurde als Held von den 13.600 Zuschauern gefeiert.

Im Februar 2020 ist Larkin – wieder einmal – der gemeine Junge, der Bad Boy. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat den 1,96 m-Hünen für neun Spiele gesperrt. Der Grund: Beim Sieg der Adler bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven (4:3 n.P.) am 2. Februar war Larkin mit einer Abseitsentscheidung derart unzufrieden, dass er neun Sekunden vor Ende des zweiten Drittels nach dem Pfiff den Puck wegdrosch und Schiedsrichter Marian Rohatsch (Lindau) im Gesicht traf. Der Halbprofi-Schiedsrichter musste in der Kabine behandelt werden und konnte wegen einer Prellung am Hals die Partie nicht beenden. "Ich habe die Szene zunächst nicht mitbekommen. Das war aber von Thomas keine Absicht", erklärte Trainer Pavel Gross nach dem Spiel. Mittlerweile geht es dem Schiedsrichter nach Angaben der DEL wieder besser.

Der Disziplinarausschuss der DEL hat Thomas Larkin von @adlermannheim für neun Spiele gesperrt und eine Geldstrafe auferlegt. Der Verteidiger hatte im Spiel gegen die @FT_Pinguins den Schiedsrichter mit einem Schuss nach dem Pfiff verletzt. Mehr: 👉🏻 https://t.co/M5frEyuZ1B 👈🏻 https://t.co/xZsSLwfejc

DEL unterstellt Larkin keine Absicht

Mit neun Spielen Sperre sei Larkin für sein Vergehen noch gut davongekommen, sagte Gerhard Lichtnecker, Schiedsrichter-Obmann des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). "Wenn Larkin Absicht unterstellt worden wäre, hätte er eine deutlich höhere Strafe bekommen", erklärte er. Bis zu 32 Spiele hätten die Adler dann auf ihren Verteidiger verzichten müssen. Die DEL unterstellte Larkin allerdings keine Absicht beim Frust-Schuss Richtung Schiedsrichter und entschied auf eine mildere Strafe. Die Adler Mannheim und Larkin entschuldigten sich für den Vorfall.

Larkin trainiert in diesen Tagen ganz normal mit der Mannschaft. In den Playoffs soll er wieder zur Verfügung stehen. Für Trainer Pavel Gross scheint die Geschichte auch erledigt: "Fehler werden im Eishockey gemacht," sagt er zu SWR Sport. "Wir haben mit Thomas intern geredet und alles mit ihm aufgearbeitet." Gross weiß, dass Larkin selbst am meisten zu knabbern hat: "Thomas weiß, dass das nicht gut war."

In Schweden läuft ein Strafverfahren

Es war nicht der erste unrühmliche Vorfall, mit dem der Mannheimer Verteidiger für Schlagzeilen sorgt. Im November 2017 hatte Larkin in der Champions League Partie gegen den schwedischen Verein Brynäs IF den kanadischen Flügelspieler Daniel Paille derart heftig umgecheckt, dass dieser sich eine schwere Gehirnerschütterung zuzog. Im Sommer 2018 musste Paille seine Karriere aufgrund der Folgen des Fouls beenden.

Prozessbeginn verschoben

Larkins Angriff wurde der Polizei gemeldet. Ein Jahr später, im November 2018, wurde Larkin wegen Körperverletzung angeklagt. Einige Monate später reichte Paille einen Schadensersatzanspruch von mehr als fünf Mio. SEK (ca. 475.000 Euro) ein. Der Prozess sollte eigentlich Ende Januar 2020 vor dem Amtsgericht Gävle beginnen. Doch am 24. Januar wurde bekannt, dass der Prozess auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Der Grund: Das Amtsgericht wartet noch offenbar auf Übersetzungen, die es ermöglichen, amerikanische Zeugen per Videolink zu befragen. Im Falle einer Verurteilung drohen Larkin bis zu zwei Jahre Haft.

All dies kommt extrem ungelegen für den Eishockey-Profi. Larkin, der die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, soll schon vor längerer Zeit einen Einbürgerungsantrag in Deutschland gestellt haben. Der Spieler der Mannheimer Adler ist seit Sommer 2018 mit einer Hamburgerin verheiratet und soll mütterlicherseits deutsche Wurzeln haben. Sollte er in Schweden tatsächlich verurteilt werden, würde sein Antrag womöglich nicht positiv beschieden werden.

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