Pavel Gross stinksauer (Foto: Imago, imago images / Zink)

Eishockey | Adler Mannheim Adler Mannheim: Große Erwartung, kleiner Ertrag

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Es ist Deutschland-Cup-Pause in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Eine Auszeit, die bei den Adler Mannheim nach zuletzt drei Niederlagen in Folge bitter nötig ist.

Pavel Gross war stinksauer. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Aber nach der dritten Niederlage in Folge platzte dem Adler-Trainer dann doch fast der Kragen: "Wir lernen aus den vorangegangenen Spielen nichts dazu." Der Meistertrainer ließ dabei auch direkt seinen Frust über die Vielzahl der Gegentore raus. Zwei Heimspiele, zwei Klatschen: Dem 5:7 gegen Iserlohn folgte das 3:6 gegen Krefeld: "Es ist nicht akzeptabel, dass wir zu Hause sieben und sechs Gegentore bekommen und uns derart auskontern lassen", so der Trainer deutlich. Zusammen mit dem 1:2 nach Overtime in Köln macht das drei Niederlagen in Folge und schlechte Laune, nicht nur bei Pavel Gross.

"Wo ist die Realität?"

Anfang Oktober hatte Gross bereits das Mannheimer Umfeld kritisiert. In seinem verbalen Rundumschlag hatte er die seiner Meinung nach zu hohen Ansprüche von Außen aber auch den mangelnden Respekt im Team angeprangert: "Glauben wir, dass wir jeden Gegner mit 7:1 aus der Halle schießen? Wo haben wir Respekt vorm Gegner, wo ist die Realität?" Die Realität sieht so aus: Der deutsche Meister 2019 steht mit neun Siegen und acht Niederlagen deutlich hinter den Ansprüchen zurück: den eigenen und denen von Außen.

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Zahlen lügen nicht?!

Keines der Top-Ten-Teams hat so viele Gegentore (54) wie die Mannheimer kassiert - Spitzenreiter München z.B. nur 32. Auch gegen Krefeld war die Abwehr mal wieder viel zu oft zu passiv und machte es dem Gegner mal wieder viel zu oft zu einfach und ließ den Torwart mal wieder viel zu oft allein. Das viel gelobte, neu zusammengestellte und angeblich beste Torhüterduo der Liga, Dennis Endras und Johan Gustafsson, kann einem da schon leidtun. Ihre Fangquote (etwas über 85 Prozent) spricht Bände. Dustin Strahlmeier von Schlusslicht Schwenningen z.B. kommt auf über 90 Prozent.

Dazu kommt das Unterzahlspiel: ausgerechnet eine DER Stärken in der Meistersaison, ist es jetzt eine große Schwäche. Eine Effizienz von 71,93 Prozent ist für ein Spitzenteam fast schon indiskutabel. Tabellenführer München ist fast 13 Prozentpunkte besser. Zu den Schwächen auf dem Eis, kommt die Unruhe bei den Fans. Die Kritik an der Kaderplanung wächst. Gefeierte Helden wie der langjährige Kapitän Marcus Kink wurden nicht gehalten. Torwart Gustafsson oder Nationalspieler Björn Krupp sind noch nicht die erhofften Verstärkungen in der Defensive. Talent Tim Stützle ist die große Ausnahme und gehört mit seinen gerade mal 17 Jahren zu den Topscorern der Adler.

Alles nicht gerade Fakten, die die Laune des Pavel Gross verbessern dürften. Aber immerhin bietet der Deutschland-Cup die Möglichkeit, in Ruhe diese (Leistungs-)Delle auszubeulen. Wenn denn auch in Mannheim in der Ruhe die Kraft liegt.

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