Moritz Seider kann auch bei der Eishockey-WM in der Slowakei überzeugen (Foto: Imago, imago images / ActionPictures)

Eishockey | WM in der Slowakei Adler-Talent Moritz Seider überzeugt auch bei der Eishockey-WM

Moritz Seider gilt als eines der größten Talente im deutschen Eishockey. Der 18-Jährige wurde mit den Adlern Mannheim Deutscher Meister. Auch bei der WM spielt er eine gute Rolle.

Moritz Seider steht seinen Mann. Nicht nur in den Playoffs mit den Adlern Mannheim. Auch bei der Eishockey-WM gehört er zu den Leistungsträgern des DEB-Teams. Er spielt mit den NHL-Cracks Leon Draisaitl, Korbinian Holzer und Dominik Kahun auf Augenhöhe. Gegen Frankreich hat der Verteidiger bereits sein zweites WM-Tor erzielt und damit auch seinen Trainer begeistert: "Wir sollten alle sein Spiel genießen", sagte Toni Söderholm nach dem 4:1 am Dienstagabend. Und Seider genießt es: "Es ist eine Riesenbühne, auf der ich mich präsentieren kann."

Der 18-jährige Verteidiger der Adler Mannheim gilt als eines der vielversprechendsten Talente im deutschen Eishockey. Seider spielte bereits als 12-Jähriger in der U16 seines Ausbildungsvereins EHC Erfurt. Mit 14 Jahren wechselte er zu den Jungadlern nach Mannheim und überzeugte auch dort. 2018 wurde er zum zweiten Mal nacheinander Deutscher Nachwuchsmeister und beendete die Saison mit vier Einsätzen bei den Profis.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Seider glänzt in seiner Debüt-Saison bei den Adlern

In seiner ersten kompletten Saison erzielte Seider in 29 Spielen zwei Tore und legte vier weitere auf. Zur Belohnung wurde er Rookie des Jahres gewählt. "Wenn man mit so erfahrenen Leuten zusammenspielen kann, fällt einem das ziemlich leicht, gut auszusehen; man hat viel mehr Selbstvertrauen. Wir spielen einfach super zusammen, und das ist der Schlüssel zum Erfolg", meint Seider. Bei der Nationalmannschaft waren einige überrascht, wie routiniert Seider zu Werke geht: "Er ist vom Kopf her weiter entwickelt als viele andere in seinem Alter", lobte Söderholm. "Er spielt abgezockt wie ein 35-Jähriger", meinte NHL-Verteidiger Korbinian Holzer.

Zu Beginn seiner Profi-Karriere musste Seider noch mit dem ungeliebten Helm-Gitter spielen. Denn der in Zell an der Mosel geborene Verteidiger feierte erst während der Halbfinal-Serie gegen die Kölner Haie seinen 18. Geburtstag. Seitdem spielt er mit dem bei den Profis üblichen Halbvisier aus Plexiglas.

Adler-Mannheim-Verteidiger musste zu Beginn der Saison noch mit dem bei Eishockey-Profis unbeliebten Gitter spielen (Foto: Imago, imago/Pius Koller)
Adler-Mannheim-Verteidiger musste zu Beginn der Saison noch mit dem bei Eishockey-Profis unbeliebten Gitter spielen Imago imago/Pius Koller

Seider überzeugt auch in den DEL-Playoffs

Auch in den Playoffs setzte Adler-Trainer Pavel Gross auf den 1,92-Meter-Mann. Und der zahlte das Vertrauen mit guten Leistungen zurück. Seider steuerte in den Playoffs fünf Assists zum Titel-Gewinn der Adler Mannheim bei. "Ich habe supertolle Mannschaftskameraden, die mich ziemlich unterstützen und immer ein offenes Ohr haben. Daher fällt es einem ziemlich leicht." Seine internationale Reifeprüfung im Eishockey besteht der Teenager gerade in Kosice mit Bestnoten, für das Abitur im nächsten Jahr muss er dagegen noch lernen. Möglicherweise sogar in Nordamerika. "Es geht auch über Onlinekurse", erzählte Seider, "meine Schule ist sehr kooperativ."

Die Scouts aus der Nordamerikanischen Hockey-Liga (NHL) sind schon auf Moritz Seider aufmerksam geworden und waren bereits zu Gast in Mannheim und sitzen auch in Kosice auf der Tribüne. Adler-Geschäftsführer Daniel Hopp möchte das Talent jedoch gerne noch einige Zeit in der Kurpfalz halten: "Wir würden ihn ungern hergeben, aber die Regeln sind wie sie sind. Natürlich legt man einem Spieler keine Steine in den Weg, wenn er die Möglichkeit hat, nach Nordamerika zu gehen. Das sind aber Themen für die Zeit nach der Saison", sagte er bei Magenta-Sport.

Erst Abitur, dann NHL

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Auch der Zwölftklässler will gerne noch ein weiteres Jahr in Deutschland bleiben, "weil ich körperlich noch stärker und mein Antritt noch schneller werden muss." Doch Trainer Pavel Gross ist überzeugt, dass Seider seine Zukunft nicht in der DEL hat. Dennoch müsse er dafür noch hart an sich arbeiten und einiges verbessern.

Olympia 2022 als Ziel

Doch vor dem NHL Entry Draft 2019, bei dem am 21. Juni in Vancouver junge Talente für die Nordamerikanische Profiliga gesichtet werden und bei dem Seider zu einem der aussichtsreichsten Kandidaten aus Europa zählt, will er mit der deutschen Nationalmannschaft ins WM-Viertelfinale und sich damit als eines der besten acht Team der IIHF-Weltrangliste für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking qualifizieren. Im Sommer allerdings, wenn alles vorbei ist, will er ein ganz normaler 18-Jähriger sein, "abends draußen sitzen und mit meinen Kumpels darüber reden, was eigentlich passiert ist".

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