Mehmet Topyürek läuft Marathon mit einem Baumstamm auf der Schulter. (Foto: SWR)

Extremsport | Porträt

Der Baumstamm-Läufer Mehmet Topyürek

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Mehmet Topyürek läuft Marathon. Mit einem Baumstamm. Auf der Schulter. Und dabei lächelt er auch noch.

Mehmet Topyürek lächelt. Er läuft und lächelt. Der 20-Kilogramm-Baumstamm, den er auf der Schulter mit sich herumschleppt, scheint ihm dabei nichts auszumachen. "Das ist mein Talent", sagt der Mann, der in Camlica in der Türkei geboren ist und mittlerweile in Böckingen bei Heilbronn lebt. "Jeder rennt heute mit Gewichten. Aber unter so vielen Schmerzen zu lachen und positiv zu bleiben, das ist mein Talent."

Topyürek kam 2000 nach Deutschland, kämpfte sich durch einen Sprachkurs und anschließend durch eine Lehre als Schlosserfachwerker. "Diese habe ich trotz meines gebrochenen Deutsch geschafft, das hat mir wiederum gezeigt, dass man alles schaffen kann mit meiner eigenen Willenskraft und mit meinem Ehrgeiz." Seitdem stellt er sich immer neuen Herausforderungen, um immer wieder neue Grenzen zu überschreiten. Mit diesem Antrieb hat er den Metallbau-Meister gemacht. Auch die Sprache hat er gemeistert und spricht mittlerweile wie ein Wasserfall.

Topyürek läuft Marathon - weil er es kann

Parallel zur Ausbildung begann er mit dem Fitness-Training. Weil ihm das auf Dauer zu wenig war, begann er mit dem Kampfsport - und wurde 2011 Deutscher Muay-Thai-Meister im Mittelgewicht (71 bis 75 Kilogramm). Weil er auf dem Weg zum Training die Plakate zum Heilbronner Marathon sah und sich einigermaßen fit fühlte, lief er den auch noch. Aus einer ähnlichen Laune heraus hat der Thaiboxer 2012 einen WM-Kampf zugesagt. "Ich habe diesen Kampf verloren und das war auch mein letzter Kampf."

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Er brauchte eine neue Herausforderung. Und was soll nach einem WM-Kampf im Kampfsport noch kommen? Also ließ er das Boxen sein und widmete sich dem Laufen. Erst Halb-Marathon, dann Marathon, dann Hindernis - erst auf der Straße, später im Gelände, manchmal sogar barfuß. Und weil er auch in dieser Kategorie alles erreicht hatte, was man als Breitensportler holen kann, sattelte er irgendwann den Baumstamm drauf - erst nur auf den letzten Meilen, dann für die gesamte Strecke. "Bei einem Lauf habe ich gemerkt, dass die Leute, die gekommen sind, um uns zu unterstützen, nur gucken und klatschen, wenn ein Läufer vorbei kommt. Da habe ich gedacht: Da muss auch was für die Zuschauer dabei sein." Darum gibt Topyürek den Entertainer.

Marathon mit 20 Kilogramm auf der Schulter

Der 20 Kilogramm schwere Baumstamm ist zu Topyüreks Markenzeichen geworden. Und damit er auf den ultralangen Distanzen, wie beim Stuttgarter Megamarsch im September 2019, nicht auf sein Equipment verzichten muss, hat er seinen Baumstamm ausgehölt. Weil das ausgeschabte Holz jedoch deutlich schwerer war als sein Equipment, hat er den ausgehöhlten Baumstamm mit einer Kette beschwert, "sonst komme ich nicht auf meine 20 Kilogramm". Die Schmerzen, die damit einhergehen, erträgt er einfach: "Ich tue mir selber weh, damit ich weiß, dass ich noch ein Mensch bin." Und dabei immer positiv bleiben.

Topyürek ist mittlerweile weit über Heilbronn hinaus bekannt. Er hat auch an TV-Shows wie der deutschen Ausgabe von "Ninja Warrior" oder "Das Supertalent" teilgenommen. Seine Popularität nutzt er, um Spenden zu sammeln - zuletzt für die Opfer der Flut-Katastrophe im Ahrtal.

Schreien und Lächeln

Der New-York-Marathon steht noch auf seiner Bucket-List. Die von Berlin, Istanbul und London auch - natürlich mit Baumstamm. Für 2025 hat Topyürek sich noch ein Großprojekt vorgenommen: Die etwa 3.200 Kilometer von Heilbronn nach Pazarcık im Südosten der Türkei. Wenn er das geschafft hat, lässt er bestimmt wieder seinen obligatorischen Urschrei los. Wie nach jeder gemeisterten Herausforderung. "Ich muss einfach raushauen, was ich am Tag erlebe." Und dann lächelt er wieder.

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