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Die Corona-Maßnahmen haben fast überall im Sport Einschränkungen zur Folge. Für Sportler mit Behinderung ist das oft besonders gravierend.

Bei aller Verschiedenheit der Corona-Regeln im Sport scheint eines ziemlich klar geregelt zu sein: Im Unterschied zum Amateurbereich können Spitzensportler ihrem Sport nachgehen. Für Mark Solomeyer gilt das aber nicht. Er ist einer der weltweit besten Special-Olympics-Athleten, in seiner Sportart Badminton war er zwischenzeitlich über einen Zeitraum von zehn Jahren ungeschlagen.

Special Olympics ist eine Sportbewegung für Menschen mit Mehrfachbehinderung oder geistiger Behinderung. In Deutschland zählt die Bewegung rund 40.000 Athleten, von denen ein großer Teil derzeit gar nicht oder nur zuhause trainieren kann. Ähnlich wie Solomeyer fällt das den meisten sehr schwer. Denn für Menschen mit Behinderung hat Sport oft einen besonders hohen Stellenwert.

"Ohne Sport wäre ich nie so fit geworden"

"Für viele bedeutet der Sport viel mehr als für Menschen ohne Beeinträchtigung, weil er für die Gesundheit der Sportler viel wichtiger ist, aber auch in Bezug auf soziale Kontakte", sagt Olaf Röttig, Geschäftsführer des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz. Die aktuellen Einschränkungen könnten deshalb durchaus unmittelbare gesundheitliche Folgen haben: "Bei jemandem mit verschiedenen Erkrankungen, der durch den Sport das Fortschreiten der Erkrankungen verlangsamen kann, führt das womöglich direkt zu gesundheitlichen Problemen."

Auch Mark Solomeyer, der sich momentan in der eigenen Wohnung in Bad Ems fithält, hat seine Lebensqualität durch das Badmintonspiel verbessert: "Ohne Sport wäre ich nie so fit geworden. Ich hatte früher eine geistige Beeinträchtigung, ich hatte einen Spitzfuß - das heißt ich bin nur auf Zehenspitzen gelaufen." Und auch seine Epilepsie hat er nun besser im Griff.

Derzeit hilft Solomeyer vor allem der Blick zurück auf bessere Zeiten, in denen er sich mit anderen Sportlern messen konnte. 2007 gewann er bei den Special Olympics World Games die Goldmedaille, momentan sind Vergleiche und Wettkämpfe leider undenkbar. Zu groß ist die Ansteckungsgefahr für die Sportler, von denen viele wie Solomeyer Risikopatienten sind.

"Da geht ein Stück Lebensfreude verloren"

"Das ist für uns ein sehr, sehr schwer auflösbares Dilemma", so Olaf Röttig vom BSV Rheinland-Pfalz. Denn um die körperliche und psychische Gesundheit zu fördern, ist Sport, vor allem auch zusammen mit anderen Menschen mit Beeinträchtigung, essenziell. "Die Sportler wissen natürlich, dass sie zur Risikogruppe gehören, wir empfehlen auch unseren Vereinen, die Sportangebote einzustellen", sagt Röttig. Allerdings haben viele "ohnehin insgesamt weniger soziale Kontakte und sind noch mehr auf die Kontakte im Sport angewiesen. Da geht dann schon ein Stück Lebensfreude verloren".

Hoffnung auf bessere Zeiten

Das sieht auch Mark Solomeyer so: "Das ist das, wo wir unsere Kraft hernehmen", sagt er über das gemeinsame Sporttreiben. Als Sprecher von Special Olympics Deutschland hat der 47-Jährige auch die anderen Athleten im Blick, insbesondere die schwerer Beeinträchtigten. Am schwierigsten sei es für die, "die überhaupt nicht rauskönnen, die das nicht verstehen können". Aber auch er selbst hofft, so bald wie möglich wieder Leidenschaft nachgehen und trainieren zu können. "In die Halle zu gehen und meinen Federball zu schlagen, vermisse ich wirklich."

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