Mathias Mester beim Speerwurf, seiner Lieblingsdiziplin (Foto: imago images, Imago/Beautiful Sports)

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Karriereende statt paralympischem Gold - Mathias Mester macht Schluss

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Das kam überraschend. Eigentlich hatte Mathias Mester eine Goldmedaille bei den Paralympics fest im Blick. Schließlich ist das der einzige Titel, der dem kleinwüchsigen Speerwerfer noch fehlt. Aber dazu wird es nicht mehr kommen. Am vergangenen Wochenende hat er bei der Para-EM im polnischen Bydgoszcz seinen vierten Europameister-Titel gefeiert und entschieden, dass er mit diesem goldenen Ergebnis abtritt.

Schon relativ schnell nach dem Wettkampf in Polen reift die Entscheidung: Mathias Mester beendet seine Karriere mit einem Titel – auch wenn es nicht der des Paralympics-Siegers ist: "Es ist wirklich etwas von mir abgefallen. Ich habe noch mal mein Karriereende vergolden können. An erster Stelle steht nun mal die Gesundheit. Deshalb war und ist es die richtige Entscheidung. Ich glaube, mein Körper wird es mir danken."

Jahrelange Probleme

16 Jahre Leistungssport – das hat auch beim 1,42 Meter großen Speerwerfer Spuren hinterlassen. 2010 muss er sich am Rücken operieren lassen; zu schlimm sind die Schmerzen und die Beeinträchtigung. Aber auch danach zwickt es, schmerzt, bremst ihn die lädierte Wirbelsäule aus. "Ich kann mir manchmal die Socken morgens nicht anziehen, ich habe mal einen guten Tag, dann wieder drei schlechte. So hat sich das die Jahre hingezogen." Keine guten Voraussetzungen, um bei den Paralympics erfolgreich abzuschneiden.

Karriere und Social Media Star

Sein Stern geht bei den Paralympics 2008 auf, als er im Kugelstoßen die Silbermedaille gewinnt. Die Lieblingsdisziplin des Athleten vom 1. FC Kaiserslautern ist aber der Speerwurf. Vier Mal kürt er sich zum Weltmeister (2006, 2007, 2009, 2013), gewinnt genauso oft die Europameisterschaft. 2007 ehrt in Angela Merkel als Behinderten-Sportler des Jahres. 2008 erhält er das Goldene Lorbeerblatt – die höchste Auszeichnung für Sportler in Deutschland. Darauf ist er zurecht stolz.

Aber nicht nur deshalb wird er zu einem der wenigen bekannten Gesichter des Parasports. Mathias Mester weiß sich zu vermarkten, kommt mit seiner positiven Art unglaublich gut an. Er kürt sich zum "Weltmester", kreiert Social Media Kampagnen.

Nach der Absage der Paralympics im vergangenen Jahr ruft er die "Parantänischen Spiele" in Leben. In kleinen Filmen probiert er sich mit einem zwinkernden Auge in diversen Sportarten aus – und erntet damit bundesweit Applaus. Egal ob im Springreiten auf einem aufgeblasenen Perd, beim Schwimm-Wettkampf in der Badewanne oder auf Skiern über die Rutsche – Mathias Mester ist sich für nichts zu schade. Er macht hunderttausenden, durch Corona gefrusteten Menschen wieder Mut, bringt sie zum Lachen.

Der gebürtige Niedersachse baut zudem Grenzen ab, zeigt, dass man mit behinderten Menschen auch ganz "normal" umgehen kann.

Offen für Neues

Dass er seinen Traum von paralympischem Gold nicht erfüllen kann, schmerzt Mathias Mester schon. Aber er gibt zu, dass ihm zuletzt "das Feuer gefehlt hat". Auch wenn der Sport für ihn immer im Fokus stand, haben ihn seine anderen Aktivitäten sehr gereizt. Und genau das will er jetzt ausbauen: Leute unterhalten, Comedy, Menschen mit seiner positiven Art begeistern. Ob im Internet oder im TV, das lässt der 34-Jährige erst mal offen. Erste Angebote soll es aber schon geben.

Was Mathias Mester aber jetzt schon freut: Er muss nicht mehr trainieren, ist froh, wenn er sagen kann: "Heute habe ich keinen Bock! Da habe ich mich wirklich drauf gefreut zu sagen: ich lege heute mal die Füße hoch und gehe nicht ins Training."

Verdient hat er es sich alle mal. Mit Mathias Mester geht dem Behindertensport ein Aushängeschild verloren. Den Menschen, die er mit seiner Art begeistert hat, wird er aber zum Glück auf irgendeine Art erhalten bleiben.

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