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Behindertensport | Paralympics

Paralympics in Peking: Schmiedt slidet zu seinen ersten Spielen

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AUTOR/IN
Dorothee Büttner

Der gebürtige Backnanger Christian Schmiedt wird im März an seinen ersten Paralympischen Spielen teilnehmen. Er tritt im Para-Snowboarden an und möchte möglichst viele Menschen begeistern.

Snowboarden - ein Sport, der vor allem Gleichgewichtssinn verlangt. Für den unterschenkelamputierten Christian Schmiedt der schönste Sport, den er sich vorstellen kann. Mit zehn Jahren ist er über Freunde dazu gekommen: "Das hat bei mir zum Teil besser geklappt als bei den Kindern ohne Behinderung. Das war meine Motivation." Ab nächster Woche wird er einer von rund 600 paralympischen Sportlern aus der ganzen Welt sein, die sich in 78 Wettbewerben messen.

Paralympisches Snowboarden

Para-Snowboarding zählt zu den jungen Sportarten der Paralympics und war erstmals bei den Winterspielen 2014 in Sotchi vertreten. Deutschland stellt erst seit den letzten Winterspielen 2018 in Pyongyang ein Team und geht dieses Jahr mit drei Fahrern aus Baden-Württemberg an den Start. Neben Christian Schmied sind das Manuel Ness aus Ochsenhausen und Matthias Keller aus Sigmaringen. "Dass wir Deutschland im Para-Snowboarding repräsentieren dürfen, ist eine große Sache. Wenn ich daran denke, bekomme ich Gänsehaut", sagt Schmiedt.

Die beiden Disziplinen im Para-Snowboarden

Im Para-Snowboarden gibt es zwei Disziplinen: den Snowboardcross und den Banked Slalom. Eine Mischung aus Abfahrtsrennen und Hindernisparkour ist der Snowboardcross. Auf einer 500 bis 1000 Meter langen Strecke treten vier Sportler gegeneinander an und überwinden Schanzen, Kurven und Absätze. Die beiden schnellsten Fahrer qualifizieren sich für das Finale. Der Wettbewerb im Snowboardcross wird am 7. März um 4:30 Uhr deutscher Zeit stattfinden. Beim Banked Slalom durchlaufen die Sportler einzeln vorgefräste Rinnen mit Steilkurven. Dabei haben die Fahrer drei Versuche, um sich für das Finale zu qualifizieren. In Peking ist dieser Wettbewerb für den 12. März (5 Uhr MEZ) eingeplant.

Behinderung, Beeinträchtigung oder wie?

Sportlerinnen und Sportler treten im Para-Snowboarden mit unterschiedlichen körperlichen Behinderungen an Armen und Beinen wie beispielsweise Fehlbildungen, Querschnittslähmung oder Amputationen an. Um einen möglichst fairen Vergleich bei den individuellen Beeinträchtigungen zu gewährleisten, wird in drei Klassifizierungen gefahren. Christian Schmiedt fehlen beide Unterschenkel, und deshalb startet er in der Klasse LL1. „Da ich doppelseitig Prothesen trage, habe ich kein Sprunggelenk. Beim Snowboardfahren braucht man aber sehr stark das Sprunggelenk, deshalb muss ich es anders machen als die normalen Snowboarder. Das heißt, ich muss alles aus den Oberschenkeln machen und versuchen, das Gleichgewicht zu halten. Das ist die größte Herausforderung für mich", erklärt er.

Bezeichnungen sind nicht entscheidend

Mit Begriffen wie behindert und normal hat Christian Schmiedt überhaupt kein Problem. Spaßhaft bezeichnet er nicht-behinderte Menschen als Komplettis und sich selbst eben als einen Nicht-Kompletti.

Ich weiß, es gibt Leute, die politisch sehr korrekt unterwegs sind. Wir nicht, wir sind die Snowboarder. Wir sind locker. Man kann sagen, dass wir Menschen mit einer Behinderung oder einem Handicap sind. Oder eben ein Nicht-Kompletti.

Viel Eigeninitiative erforderlich

Das sportliche Ziel von Christian Schmied ist das Erreichen der Top Zehn: "Platz acht wäre der Wahnsinn!" Dass Schmied es überhaupt bis zu den Paralympischen Spielen geschafft hat, ist nicht selbstverständlich. Anfangs musste er sich den Sport komplett selbst finanzieren, die Reisen zu Wettkämpfen und auch das Equipment bezahlen. "In anderen Ländern, zum Beispiel in den USA, können Para-Snowboarder ihren Sport professionell betreiben und davon leben, weil sie Sponsoren haben. Das haben wir in Deutschland nicht".

Para-Snowboarder dringend gesucht

Viel wichtiger ist Schmiedt aber, dass er Sportler für das Para-Snowboarding begeistern kann. "Meine Kollegen und ich können erst abtreten, wenn Nachfolger gefunden wurden. Am liebsten wäre es uns, dass da ein paar junge Leute kommen, die uns in Grund und Boden fahren. Das heißt aber nicht, dass die nächsten Spiele in Mailand 2026 kein Ziel für uns sind".

Vater, Betriebsprüfer und nebenbei Parasportler

Der 33-Jährige Snowboarder Schmiedt ist aber auch Ehemann, Vater des anderthalbjährigen Max und neben der Piste auch noch hauptberuflich Betriebsprüfer bei der Rentenversicherung. Seine Frau Nadine unterstützt ihn bei seiner Sportlerkarriere von Anfang an: "Sie hat mich so kennengelernt. Aber momentan ist es schon krass. Das Trainingspensum müssen wir nach den Spielen etwas runterschrauben, sonst werden unsere Frauen sauer." Doch bevor das passiert, hat Christian Schmied noch eine Mission: sein Slide zu den Paralympics in Peking.

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