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Die Folgen der Corona-Pandemie sind für den Deutschen Behindertensportverband (DBS) mittlerweile so gravierend, dass Präsident Friedhelm Julius Beucher Alarm schlägt. Der Behindertensport befinde sich derzeit in einer "fürchterlichen Situation". Unterstützung erhält er von Para-Weltmeister Mathias Mester.

Bei DBS-Spitzenfunktionär Friedhelm Julius Beucher schrillen die Alarmglocken. "Es findet nirgends Breitensport im Behindertensport statt. Wir sind Pandemie-Opfer, denn wir haben einen enormen Mitgliederschwund", erklärte Beucher im Interview mit dem Deutschlandfunk. Erst kürzlich hatte der 74-Jährige beim Austausch mit Roger Lewentz, dem rheinland-pfälzischen Innenminister und Vorsitzenden der Sportministerkonferenz, betont, dass der Behindertensport "überproportional" an den Folgen der Pandemie leide.

Auch Mathias Mester, mehrfacher Para-Weltmeister im Speerwurf, sieht, dass für Para-Sportler "aktuell immer weniger möglich ist. Du musst die Leute erstmal motivieren und an die Vereine bringen. Aber es gibt gerade kaum ein Angebot", bestätige der Leichtathlet des 1. FC Kaiserslautern gegenüber SWR Sport. Die Corona-Pandemie erschwere den Behindertensportlern den Zugang. "Gerade bei uns ist der Weg durch Corona noch beschwerlicher."

Ungewissheit Paralympics

Sehr kritisch sieht Beucher auch die Ungewissheit um die bevorstehenden Paralympics in Tokio (24. August bis 5. September). Einerseits sei eine Austragung "extrem wichtig", um neue Mitglieder zu gewinnen und Menschen mit Behinderung zum Sport zu bringen. Andererseits dürfe dies nicht dazu führen, dass man mit den Spielen eine gesundheitliche Gefahr eingehe, führte der DBS-Präsident aus. Auch für Mester "steht die Gesundheit an erster Stelle. Aber bei uns im paralympischen Sport können wir uns nur alle vier Jahre zeigen und den Behindertensport bekannt machen.

Erhebliche Probleme auf dem Weg nach Tokio

Wenn das wegfallen würde, wäre das eine Katastrophe." Trotzdem sieht der 34-Jährige, der vor seinen vierten Teilnahme an den Paralympics steht, erhebliche Probleme auf dem Weg nach Tokio. "Aufgrund der Pandemie wird es natürlich schwieriger. Für neue Athleten können beispielsweise keine Wettkämpfe oder Klassifizierungen stattfinden", erklärt Mester.  Angesichts des schwierigen Zwiespalts sollten sich seiner Ansicht nach das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Internationale Paralympische Komitee (IPC) mit der finalen Entscheidung Zeit lassen. Es dürfe diesbezüglich keine Deadline geben.

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