Rollstuhl-Sportlerin Merle Menje im Wettkampf (Foto: Imago, IMAGO / Beautiful Sports)

Paralympische Spiele in Tokio

Paralympics 2021: Wer holt die Medaillen in den Südwesten?

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Die Paralympics 2021 starten und mit dabei sind 21 deutsche Athletinnen und Athleten aus dem Südwesten. Wer geht als Gold-Favorit in die Spiele und wer könnte für eine Überraschung sorgen? Der Medaillen-Check.

Die Favoriten auf Gold

Mit einem größeren Favoritenstatus als Markus Rehm startet wohl kaum ein Athlet in die Paralympischen Spiele 2021. Der Göppinger tritt sowohl im Weitsprung als auch in der 4x100-Meter-Staffel an. Ein Blick auf seine Vita reicht, um seinen Status zu begründen: Von 2011 bis 2021 gewann er jede Welt- und Europameisterschaft im Weitsprung, zudem kommt er in dem Zeitraum auf disziplinübergreifend 18 Erstplatzierungen auf internationaler Ebene. Darunter Gold bei den Paralympischen Spielen 2012 und 2016. Mit einer Weite von 8,21 Metern hält der 33-Jährige zudem den Paralympics-Rekord im Weitsprung.

Denselben Anspruch hat Kugelstoßer Niko Kappel, der bereits 2016 Gold holte. Bitter aber für den 26-Jährigen vom VfB Stuttgart: Vergangenes Jahr befand er sich kurz vor dem ursprünglichen Termin der Paralympics noch auf dem Leistungs-Höhepunkt und stellte mit 14,30 Metern einen neuen Weltrekord auf - doch nun setzte ihn vor den Spielen 2021 eine Rückenverletzung sechs Wochen außer Gefecht. Am Favoritenstatus ändert das aber wenig. "Wenn ich einen 'Wünsch-Dir-Was-Zettel' hätte, dann würde da natürlich Gold draufstehen", sagte Kappel kurz vor seiner Abreise nach Tokio.

Ebenfalls als Favorit im Kugelstoßen gilt der Freiberger und Gold-Gewinner von 2016 Daniel Scheil, der in einer anderen Startklasse als Kappel antritt. Steffen Warias, Para-Radsportler aus Tübingen, ist einer der großen Favoriten im Straßenrennen. Als Weltranglisten-Erster im Para Judo komplettiert Nikolai Kornhaß von der Gundelfinger Turnerschaft das Favoriten-Quintett aus dem Südwesten.

Die Medaillen-Hoffnungen

Mit 17 Jahren ist Rennrollstuhl-Fahrerin Merle Menje vom StTV Singen die mit Abstand Jüngste im "Südwest-Paralympics-Kader". Dabei geht die deutsche Nachwuchs-Hoffnung zwischen 100 Metern und 5.000 Metern über fünf Distanzen an den Start. Aus diesem Grund hat sie ab dem 27. August fast täglich einen Wettkampf. Bei fünf Gelegenheiten auf Edelmetall könnte die erste Paralympics-Medaille für die Debütantin herausspringen. Erst kürzlich sorgte sie bei der EM 2021 für ein deutliches Ausrufezeichen, als sie den Titel über 400 Meter und 5.000 Meter holte und Zweite über 100 Meter und 800 Meter wurde.

Singen/Bydgoszcz

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Auch im Tischtennis stehen die Chancen auf eine deutsche Medaille gut. Besonders der sechsfache Europameister Thomas Brüchle (Tischtennis Frickenhausen) gilt als großer Medaillen-Kandidat. Aber auch Juliane Wolf (BSG Offenburg) macht sich nach einem unglücklichen vierten Platz 2016 Hoffnung auf Edelmetall in Tokio. Auch dem Rollstuhlbasketball-Team um Annabel Breuer und Catharina Jule Weiß ist nach Silber 2016 die nächste Medaille zuzutrauen.

Die Athletinnen und Athleten mit Außenseiter-Chancen

Yannis Fischer vom StTV Singen ist ein weiterer Kugelstoßer, der in Tokio für Schlagzeilen sorgen könnte. Der 19-Jährige gilt als großes Nachwuchstalent und möchte in die Fußstapfen von Vorbild Niko Kappel treten. Zu dessen Niveau fehlt im aktuell noch ein ganzes Stück, kürzlich zeigte er bei der EM 2021 aber, dass man ihn bei seinen ersten Paralympics schon zum erweiterten Kandidatenkreis auf eine Medaille zählen muss: Mit einer Weite von 9,55 Metern wurde er Dritter.

Ähnliche Vorzeichen hat auch Schwimmerin Marlene Endrolath. Die 20-jährige Göppingerin tritt in drei verschiedenen Wettbewerben an und könnte vor allem über 100 Meter Brust um die vorderen Plätze mitschwimmen. Auch sie holte vor wenigen Monaten den dritten Platz bei der EM.

Als Debütantinnen gehen auch Dressurreiterin Regine Mispelkamp und Ruderin Sylvia Pille-Steppat an den Start. In ihren Sportarten zählen sie zum erweiterten Kandidatenkreis auf eine Top-Platzierung.

Die Chancenlosen

Übrig sind sieben Paralympics-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die ohne große Chancen auf eine Medaille in Tokio starten. Das Sitzvolleyball-Quartett aus dem Südwesten - bestehend aus Francis Tonleu, Heiko Wiesenthal, Torben Schiewe und Martin Vogel - geht, nachdem bei der WM 2018 nur Platz zehn heraussprang, als Underdog in die mit starken Teams besetzte Vorrunde der Spiele.

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Die Debütanten Moritz Möbius (Para Sportschießen) und Maurice Schmidt (Rollstuhlfechten) gelten zwar als große Talente in ihren Sportarten, für eine Top-Platzierung dürfte Tokio aber noch zu früh kommen. Judoka Oliver Upmann ist mit zwei Paralympics-Teilnahmen schon wesentlich erfahrener, die vorderen Plätze wird er dieses Jahr aber voraussichtlich der Konkurrenz überlassen müssen.

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