Linn Kazmaier und ihr Guide Florian Baumann (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Paralympics | Wintersport

Linn Kazmaier: Zwischen ABBA und Metal(l)

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Fünfmal stand Linn Kazmaier auf dem Siegerpodest der Paralympics. Aber wer steckt hinter der 15-Jährigen Medaillenüberraschung? Ein Gespräch mit SWR Sport gibt Einblick in das (nicht ganz) normale Leben der Teenagerin.

20.000 Euro: Diese Summe erhält Linn Kazmaier für ihre Leistungen bei den Paralympics 2022. Sie könnte sich damit den Alltag versüßen, das Geld verprassen, Dinge tun, die 15-Jährige eben tun. Aber das passt nicht zu ihr. "Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt", sagt sie und fügt an "ich denke ich werde sparen". Kazmaier wirkt bodenständig und vernünftig. Ohnehin erfolgt eine Auszahlung erst nach einem Jahr in Monatsraten. Hoch im Kurs steht dann auch das Reisen. Neuseeland, Australien oder die Rocky Mountains in Colorado - die Liste ist lang. Hauptsache in der Natur und an der frischen Luft, denn dort fühlt sich die gebürtige Nürtingerin besonders wohl.

Und so verbringt die Schülerin ihre freie Zeit auch besonders gern draußen, fährt Einrad, wandert oder musiziert. Auf der Gitarre oder Ukulele spielt sie am liebsten Hits der 1970er bis 1990er Jahre. "Nothing Else Matters" von Metallica ist eines ihrer Paradestücke. Für die musikalische Unterhaltung in Peking sorgte dann eine eigene Paralympics-Playlist. Auch hier ist die 15-Jährige ihrem Musikgeschmack treu geblieben. Vor allem Pop- und Rockklassiker begleiteten sie durch die Spiele. Zu den Klängen von ABBA entspannte Linn Kazmaier vor Turniertagen, die lang werden konnten.

Lange Tage mit versöhnlichem Ende

Frühstück - Spaziergang - dann ab zum Wettkampf. Strecke begutachten - warmschießen - und los geht es. Nach dem Wettkampf folgten Medientermine, die Flower Ceremony und gegebenenfalls die Doping-Kontrolle. Abschließend Auslaufen - Physiotherapie und endlich Abendessen. Der krönende Abschluss dann die Siegerehrung. Wie schafft eine 15-Jährige all das? "Ich weiß es nicht, man hat da so seinen Tagesablauf", antwortet sie lachend. Linn Kazmaier liebt den Sport, das spürt man zu jedem Zeitpunkt des Gesprächs. "Es wäre für Linn stressiger, wenn sie das nicht machen könnte oder dürfte", ergänzt ihr Vater.

Für ihre Anstrengungen belohnte sich die sehbeeinträchtigte Para-Skiläuferin mit insgesamt fünf Medaillen. Entsprechend groß gefeiert wurden sie und ihr Begleiter Florian Baumann bei ihrer Ankunft am Frankfurter Flughafen: "Ich wurde mit La-Ola, Bannern und bedruckten T-Shirts empfangen", sagt Kazmaier. "Wir haben schon auch ein bisschen rumgegrölt", ergänzt ihr Vater lachend. Kein Wunder, gab es doch allen Grund zur Freude. Aus ihren ersten paralympischen Spielen ging Kazmaier als erfolgreichste deutsche Starterin hervor.

"Für mich waren die ganzen Spiele ein Highlight."

Diese kleine Sensation kam auch für Kazmaier überraschend. "Die Teilnahme war schon ein Riesenerfolg für mich", sagt sie. Das es so gut läuft, hätte sie nicht erwartet. Zweimal Biathlon-Silber, je eine Silber- und eine Bronzemedaille im Langlauf und den Paralympics-Sieg über 7,5 Kilometer durfte Linn Kazmaier bejubeln. Besondere Momente, die anfangs schwer zu glauben waren: "Man hat das Bild eines Simon Schempps oder anderer Olympiasieger im Kopf und dann steht man plötzlich selbst ganz oben. Das ist surreal", sagt sie im Interview mit SWR Sport.

Die Paralympics 2026 fest im Blick

Jetzt ist sie in gewisser Weise eine von ihnen. Als wir über ihr Lieblingsschulfach sprechen, kommt dann wieder der normale Teenager hervor: "Ferien!", antwortet Linn schlagfertig. Dennoch ist die Gymnasiastin schulisch auf einem guten Weg. "Dieses Jahr wäre ich aber auch mit einem nicht so guten Zeugnis zufrieden", gibt sie zu. Nicht so gut, das ist - typisch Kazmaier - tiefgestapelt. Ihr letztes Schulzeugnis im Januar wies einen Notendurchschnitt von 1,5 aus.

Auch sportlich will Linn Kazmaier weiter durchstarten: Ende September startet der Weltcup, 2026 möchte sie bei den paralympische Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo wieder angreifen. Dann ist sie 19 Jahre alt.

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