Niko Kappel: "Ich bin auf einem superguten Niveau." (Foto: SWR, SWR)

Behindertensport | Leichtathletik-WM Niko Kappel übt Kritik am WM-Austragungsort Dubai

Sportlich ist die Para-WM der Leichtathleten in Dubai eine wichtige Standortbestimmung für die Paralympics 2020. Und die deutschen Athleten waren in diesem Jahr hervorragend in Form. Ort und Zeitpunkt der WM sorgen aber für teilweise heftige Kritik.

Am falschen Ort und zur falschen Zeit starten am Freitag die Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Para-Athleten. So sehen es zumindest Sportler und Funktionäre. Viele von ihnen kritisieren sowohl die Wahl des Ausrichters Dubai als auch die durch ihn nötig gewordene Verschiebung in den November. Auch die Rückkehr der seit 2016 gesperrten russischen Athleten zur wichtigen Standort- Bestimmung neun Monate vor Beginn der Paralympics in Tokio ruft Kritik hervor.

Beucher: "Golfstaaten sind ungeeignet für Sport-Freiluftveranstaltungen"

Als besonders unpassend erachtet Friedhelm Julius Beucher aber die Tatsache, dass die WM in Dubai stattfindet. "Es gibt einen großen Drang der Golfstaaten nach Reputation. Die Sportverbände folgen diesem bereitwillig und nehmen schlechte Wettkampf-Bedingungen in Kauf", sagte der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS): "Ich halte die Golfstaaten für ungeeignet für Sport-Freiluftveranstaltungen. Deshalb habe ich die IPC-Entscheidung ebenso mit Kopfschütteln kommentiert wie die Vergabe der Fußball-WM an Katar."

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Niko Kappel sorgt sich um die Zuschauer-Resonanz

Auch Sportler kritisieren die Wahl des Ausrichters. "Vor zwei Jahren in London hatten wir in einer Woche 400.000 Zuschauer. Jetzt sind wir froh, wenn wir über die ganze Strecke 400 haben werden", sagte Niko Kappel, Titelverteidiger im Kugelstoßen und neben Weitspringer Markus Rehm das Aushängeschild der deutschen Para-Leichtathletik. "Neulich in Biberach auf dem Marktplatz haben wir vor 2000 Zuschauern gestoßen. Und dann fährt man zur WM und das Stadion wird leer sein", befürchtet Kappel. "Die WM wird sicher top organisiert sein, aber es fehlt mir dort an Sportkultur", so der 24-Jährige im Gespräch mit SWR Sport.

Deshalb könne er "nicht nachvollziehen, dass man Weltmeisterschaften in einer aufstrebenden Sportart in so ein Land vergibt", sagte Kappel: "Zumal wir 2015 in Katar waren und damit auch schon in dieser Region. Deshalb frage ich mich: Warum müssen wir schon wieder da hingehen?"

Auch die Saison-Verschiebung ist ein Problem

Die durch die Hitze nötige Verschiebung vom üblichen Termin im August mache zudem "die gesamte nächste Saisonplanung sehr schwierig", so Kappel: "Und das im Paralympics-Jahr. Und wenn man nach der WM verletzt ist, läuft einem von der ersten Sekunde an die Zeit davon."

Der DBS hat reagiert und die WM als Ort für die Normerfüllung aufgenommen. Zudem bedeuten vierte Plätze bei der WM einen Quotenplatz für Tokio.

Doch mit vierten Plätzen will sich der DBS nicht zufrieden geben. "Eine Vorgabe gibt es wie immer nicht. Aber wir fahren dahin, um zu gewinnen", sagte Beucher, der aus finanziellen Gründen nicht vor Ort sein wird: "Die Kontinuität bei der Aufstellung von Weltrekorden dokumentiert die hohe Klasse unserer Para-Leichtathleten."

Neben Kappel hatten in diesem Jahr auch Weitspringer Leon Schäfer und die Sprinter Irmgard Bensusan und Johannes Floors Weltrekorde aufgestellt. 2017 holte der DBS mit 21 Athleten 22 Medaillen. Diesmal meldete er 29 Sportler, darunter zwölf Debütanten.

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