Tigers-Trainer feiert mit Fans (Foto: SWR)

Basketball | Tigers Tübingen Georg Kämpf blickt auf abwechslungsreiche Jahre bei den Tigers Tübingen zurück

Georg Kämpf ist bereits zum dritten Mal als Trainer in Tübingen aktiv. Der Ex-Profi feierte schon historische Siege in der Universitätsstadt - ein Rückblick.

Georg Kämpf hat sich seit seinem ersten Aufstieg in die Basketball-Bundesliga - 1992 mit Tübingen - kaum verändert. Beim Verein aus der Universitätsstadt ist dagegen inzwischen vieles neu. Die Spieler, die Halle, die Geschäftsführung. Kämpf scheint die einzige Konstante zu sein. Er ist immer noch oder besser gesagt schon wieder beim Basketball-Verein aus Tübingen.

Der 63-Jährige ist die Ruhe in Person. Ein Trainer der seine Erfahrungen im Abstiegskampf, aber auch im Kampf um die Meisterschaft gesammelt hat. Kämpf wollte sich aber dennoch, ein letztes Mal der Herausforderung stellen. Deswegen ließ er sich von der Tübinger Geschäftsführung Mitte Januar dazu überreden, die Tigers für die zweite Saisonhälfte zu übernehmen. Ein letztes Abenteuer bevor es in den Ruhestand geht.

Rückblick auf 1992

Vor dem letzten Spieltag 1992 haben sich die Basketballer des SV 03 Tübingen eine realistische Chance auf den Bundesligaaufstieg gesichert. Der Verein ist seit Jahren in der 2. Liga etabliert, hat aber noch nie den Aufstieg in die höchste Spielklasse geschafft.

Seine Heimspiele trägt der SV damals noch in der Uhlandhalle, einer Schulsporthalle, aus. Dass bedeutete häufig, dass man die Halle erst spät für die Heimspiele präparieren konnte. Die Klasse 8C musste ihren Sportunterrichtin der Halle in der achten Stunde erst beenden. Im Aufstiegskampf saßen die Zuschauer regelmäßig dicht gedrängt auf den ausfahrbaren Rängen der Halle, einige auch direkt am Spielfeld auf dem Boden.

„Heute würde das gegen jede Feuerschutzverordnung verstoßen, aber die Atmosphäre war großartig."

Martin Schall

Damals durfte in der 2. Bundesliga Süd nur ein Ausländer pro Mannschaft auf dem Feld stehen. Heute gilt die 6+6 Regel. Sie schreibt vor, dass jeder Kader aus mindestens sechs Deutschen bestehen muss. Die einzigen Ausländer des SV 03 waren 1992 die Rumänen Robert Reisenbüchler und Roman Opsitaru. Opsitaru war einige Jahre zuvor in den Westen geflohen. Er nutzte als Nationalspieler ein Auswärtsspiel in Deutschland, um auf die andere Seite des eisernen Vorhangs zu gelangen.

Geld stand damals nicht im Vordergrund

Geld spielte damals nur eine kleine Rolle. Die Gehälter fielen im Vergleich zu heute deutlich niedriger aus. Die meisten Spieler arbeiteten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Oder sie studierten. Das spielerische Niveau war insgesamt geringer. Dafür war der Bezug zum Verein und zur Region umso größer.

Beim entscheidenden Aufstiegsspiel gegen Karlsruhe ging es dann lange hin und her. Kurz vor Schluss stand es 60:60. Tübingens Martin Schall versenkte praktisch mit der Schlusssirene den Ball im Korb und sicherte dem SV dadurch 1992 den Aufstieg.

In der darauffolgenden Saison 1992/93 verpasste der Verein den Klassenerhalt. Durch den sehr begrenzten Etat stand der Bundesligaverbleib von Anfang an auf wackeligen Beinen. Im Sommer verließ Kämpf Tübingen. Der Deutsche Basketball Bund unterbreitete ihm ein verlockendes Jobangebot. Er wurde Assistent bei der Herren Nationalmannschaft und Trainer der U18-Juniorenauswahl.

2004

Nach seiner Rückkehr nach Tübingen gelang ihm 2004 erneut der Bundesligaaufstieg. Diesmal war der Verein wesentlich besser auf das Abenteuer Bundesliga vorbereitet. Trotzdem entschloss sich Kämpf aus familiären Gründen gegen den Verbleib in Tübingen und wechselte zum damaligen Drittligisten Bayern München.

2019

Im Januar kam dann das Angebot von Robert Wintermantel, dem Geschäftsführer der Tigers Tübingen. Und diesem Angebot konnte Georg Kämpf einfach nicht widerstehen.

Doch die Ausgangslage war diesmal eine ganz andere. Der Wundertrainer der beiden Aufstiege ist als Feuerwehrmann in der 2. Basketball-Bundesliga eingesprungen. Als Kämpf die Tigers nach der Winterpause von Aleksandar Nadjfeji übernahm, waren diese nur knapp von den Abstiegsplätzen entfernt. Trotz der sportlich prekären Situation bemerkt der gebürtige Bayreuther heute viele positive Veränderungen im Umfeld des Vereins.

Mit starken sechs Siegen aus acht Spielen schaffte es der ehemalige Nationalspieler, sein Team deutlich von den Abstiegsplätzen zu entfernen. Dadurch verschaffte er der Tübinger Vereinsführung Luft, um sich in Ruhe auf die Trainersuche für die kommende Saison zu machen. Von der Rückkehr in die Erstklassigkeit ist zwar schon lange nicht mehr die Rede, eine kleine Chance auf einen Playoff-Platz besteht aber noch. Für Kämpf, der nun wesentlich entspannter coacht, wären die Playoffs ein versöhnliches Ende zum Abschluss seiner Trainerkarriere.

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