Phillipp Heyden macht einen Korbleger (Foto: imago images, IMAGO / Eibner)

Basketball I Bundesliga

Basketballmärchen Heidelberg: Endlich wieder erste Liga

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Aus dem Dornröschenschlaf erwacht, spielt Heidelberg nach 36 Jahren wieder in der Bundesliga. Mit alten Bekannten kämpft der Aufsteiger um den Klassenerhalt.

"Es war einmal…", so könnte Heidelbergs Basketball-Geschichte beginnen. Und auch enden. Denn an die Zeiten, als Heidelberg DIE Basketballhauptstadt Deutschlands war, können sich nur noch ältere Menschen erinnern. 1951 stellte das Team des Heidelberger Turnerbunds die gesamte Starting Five der Nationalmannschaft und holte die erste Meisterschaft nach Heidelberg. Vom Königstuhl gestoßen wurde der TBH vom Universitäts-Sportclub Heidelberg, der ab 1957 sechs Mal in Folge die Meisterschaft holte.

Die einsetzende Professionalisierung verschlang viele Heidelberger Basketballvereine. Am längsten überlebte der USC. Statt durch Sponsoren finanzierte sich der Club durch die Einnahmen einer Tennishalle. Als diese sanierungsbedürftig wurde, bröckelte auch die Leistung des Teams. Nach dem letzten Titel 1977 verkümmerte der Rekordmeister zur Fahrstuhl- und sogar Regionalligamannschaft. Dort zitterte der USC um den Klassenerhalt und schließlich sogar um das Überleben.

"Und wenn sie nicht gestorben sind..."

Mit einem lokalen Versicherungskonzern, ab 1999 als Hauptsponsor und seit 2012 auch als Namensgeber, fanden die Heidelberger einen Goldesel, der für finanzielle Planungssicherheit sorgte. So konnten sie sich wieder in der zweiten Liga stabilisieren.

Dort küssten sie auf der Suche nach einem passenden Trainer viele Frösche, bis sie ihren Prinzen fanden: Mit Branislav Ignjatovic an der Seitenlinie ging es ab 2014 stetig bergauf.

"Das Erfolgsrezept ist ganz klar Kontinuität", meint Kapitän Phillipp Heyden, der seit 2018 Teil des Heidelberger Aufschwungs ist. "Wir konnten den Kern zusammenhalten und mit tollen Spielern ergänzen. Das Team hat sich stetig weiterentwickelt. Diese Entwicklung wurde mit der Meisterschaft und dem Aufstieg belohnt."

Heidelberg punktet mit Wohlfühlfaktor

Diesen verdanken die Kurpfälzer auch ihren Rückkehrern Phillipp Heyden und Shyron Ely. Nach Engagements bei anderen Vereinen zog es sie zurück. "Die Natur ist großartig, dort fühlen sich meine Familie und ich wohl. Das war ausschlaggebend für meine Rückkehr", sagt Phillipp Heyden.

Ely und Heyden sind das Gerüst des Teams. Ergänzt mit jüngeren Spielern wie Point Guard Niklas Würzner, Sohn des Heidelberger Oberbürgermeisters, oder Jordan Geist, der mit durchschnittlich 15,4 Punkten pro Spiel bester Heidelberger Schütze in der vergangenen Saison war, startet eine eingespielte Mannschaft in die Bundesliga.

Vorbereitung und Vorfreude

Neu dabei ist Ex-Ulmer Maximilian Ugrai. Mit ihm stoßen 2,04 Meter Bundesliga-Erfahrung mit über 100 BBL-Spielen zum Team. Neuzugang Courtney Stockard musste Heidelberg noch vor Saisonstart ersetzen. Der US-Spieler fällt aufgrund einer Herzerkrankung langfristig aus. Für ihn kam mit Kelvin Martin ein weiterer alter Bekannter an den Neckar, der zuletzt in der italienischen ersten Liga spielte.

Mit dieser Mannschaft soll die "Mission Klassenerhalt" gelingen. "Die Vorfreude ist riesig", schwärmt Phillipp Heyden. "Wenn wir dann auf dem Parkett stehen, das BBL-Jingle ertönt und du weißt, das ist jetzt BBL - den Moment kann ich kaum erwarten."

Heidelberg ist bereit für die erste Liga

Und nicht nur er ist heiß auf den Start: "Die Stadt brennt. Die Leute können es kaum erwarten", merkt Phillipp Heyden. Zum ersten Heimspiel in der Bundesliga seit 36 Jahren dürfen unter 3G-Auflagen wieder Fans in die Halle. Doch anders als damals pilgern sie dafür nicht zur traditionsreichen OSP Halle, sondern in den neuen "MLP Dome". Die moderne Arena - die rechtzeitig zum Aufstieg fertig wurde - bietet erstligareife 5.000 Plätz und symbolisiert eine neue Ära.

Die Seiten, auf denen die frühere Erfolgsgeschichte des USC Heidelberg festgehalten ist, sind längst vergilbt. Das Buch modert im Antiquariat. Doch die MLP Academics haben den Staub weggepustet. Und ihre Gegner gleich mit. Jetzt schreiben sie ein neues Kapitel.

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