Die Ulmer Basketballer in der Vorbereitung auf die Saison 20222023 (Foto: IMAGO, Eibner)

Basketball | Teamcheck

Ratiopharm Ulm: Die Wundertüte der Basketball-Bundesliga

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INTERVIEW
Jens Wolters
REDAKTEUR/IN
David Luding

Neuer Coach, neue Spieler - und dazu noch das Karriere-Ende von Vereins-Urgestein Per Günther: Ratiopharm UIm hat einen Sommer voller Veränderungen hinter sich. Der Teamcheck vor dem Saisonstart.

Ein fast komplett neugestalteter Kader und eine Veränderung auf der Trainer-Position: Bei Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm hat es in diesem Sommer einen großen Umbruch gegeben. Dennoch möchten die Schwaben mit dem neuen Personal auch in dieser Saison die Playoffs erreichen - wie in den vergangenen zehn Jahren.

So verlief die vergangene Saison

Die Ulmer waren mit hochkarätigen Neuzugängen in die abgelaufene Saison gestartet. Vor Beginn der Spielzeit 2021/22 hatten einige Experten die Schwaben als einen Herausforderer aus der zweiten Reihe gesehen, der den Top-Klubs Bayern München und Alba Berlin gefährlich werden könnte. Zumindest in der Hauptrunde wurden die Baden-Württemberger dem einigermaßen gerecht. Mit 22 Siegen in 34 Spielen wurde Ulm Fünfter und qualifizierte sich frühzeitig für die Playoffs.

Im Playoff-Viertelfinale unterlagen die Ulmer jedoch den MHP Riesen Ludwigsburg deutlich mit 0:3. Dabei waren die ersten beiden Partien in Ludwigsburg noch recht knapp, das dritte Spiel in Ulm gewannen die Gäste aus Ludwigsburg jedoch ungefährdet mit 18 Punkten Vorsprung.

Im BBL-Pokal schieden die Ulmer bereits in der ersten Runde nach einer knappen Niederlage in Chemnitz aus. International lief es besser, im Eurocup - dem vermeintlich zweitstärksten europäischen Vereinswettbewerb - erreichten die Schwaben das Viertelfinale und verloren dieses nur knapp beim späteren Sieger Virtus Bologna.

Wer geht?

In diesem Sommer standen die Zeichen bei Ratiopharm Ulm auf Abschied. Von 15 Spielern im Kader spielten lediglich fünf schon in der vergangenen Saison in Ulm. Vermissen werden die Ulmer Fans sicherlich Per Günther, der nach 14 Jahren und 500 BBL-Spielen in der Münsterstadt seine Karriere beendet hat. Neben dem Urgestein fehlen den Schwaben aber auch Leistungsträger der vergangenen Spielzeit. Mit Semaj Christon, Jaron Blossomgame, Sindarious Thornwell und Cristiano Felício sind die vier Spieler, die die meisten Punkte pro Spiel erzielten, nicht mehr im Kader. Christon war außerdem der beste Vorlagengeber (Assists) des Teams, Felício holte die meisten Rebounds für Ulm.

Wer kommt?

Mit dem US-Amerikaner Matt Mobley kommt der zweitbeste BBL-Scorer der Saison 2020/21 an die Donau. Vor zwei Jahren erzielte der vielseitige Aufbauspieler im Schnitt 20 Punkte pro Spiel für die Frankfurt Skyliners. Das 18-jährige spanische Talent Juan Nunez und der brasilianische Nationalspieler Yago Mateus dos Santos sind zwei weitere vielversprechende Neuzugänge für die kleinen Positionen. Sie bringen im Gegensatz zu Mobley aber noch keine BBL-Erfahrung mit. Nunez kommt vom europäischen Spitzenclub Real Madrid, möchte nun in Ulm Spielpraxis sammeln und den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen. Zuletzt wurde der 1,92 Meter große Guard zum wertvollsten Spieler der U20-EM gekürt und führte Spanien zum Titel.

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Der gerade einmal 1,75 Meter große dos Santos nahm bereits 2019 für Brasilien an der WM teil und war mit seinem Verein Clube De Regatas Do Flamengo in Südamerika bereits sehr erfolgreich. Für den Aufbauspieler ist Ulm die erste Station in Europa. Sportdirektor Thorsten Leibenath verrät im Interview mit SWR Sport, dass er eine Menge vom 23-Jährigen erwartet. "Er kann der Spieler sein, der die Mannschaft führt", meint Leibenath. "Allein schon aufgrund seiner Position, aber auch aufgrund seiner Persönlichkeit und seiner Spielweise."

Für die großen Positionen wurden unter anderem der malische Nationalspieler Sagaba Konate und der US-Amerikaner Joshua Hawley verpflichtet. Konate gilt mit 115 Kilogramm auf 2,03 Meter Körpergröße als Kraftpaket und soll den Ulmern vor allem beim Rebounding helfen. Zuletzt spielte der 25-Jährige in der italienischen Liga bei Triest. Hawley ist ebenfalls 2,03 Meter groß, aber 20 Kilogramm leichter als Konate. Er soll die Rolle des abgewanderten Blossomgame einnehmen. Der deutsche Kern um Karim Jallow, Phillipp Herkenhoff und Nicolas Bretzel ist ebenso weiter im Kader wie der Österreicher Thomas Klepeisz und der Montenegriner Fedor Zugic.

Der Trainer

Auf der Trainerbank gab es in diesem Sommer einen Wechsel: Anton Gavel folgt auf Jaka Lakovic, der eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag zog und nun Cheftrainer beim spanischen Top-Team BC Gran Canaria ist. Der 37-jährige Gavel war als Spieler selbst mehrfacher Deutscher Meister und Pokalsieger. In den vergangenen drei Jahren betreute er die zweite Mannschaft der Ulmer und führte sie in der vergangenen Saison überraschend in das Playoff-Halbfinale in der dritthöchsten Liga ProB.

Gavel erhält in Ulm einen Zweijahresvertrag und sei laut Sportdirektor Leibenath "von Anfang an erste Wahl gewesen". Leibenath hebt die Rolle des Coaches für das neu zusammengestellte Team hervor: "Für unsere junge Mannschaft gibt es kein besseres Vorbild als ihn. Er lebt Basketball, er ist unglaublich ehrgeizig, er ist unglaublich leidenschaftlich." Gavel lebe als Trainer das vor, was er von den Spielern erwarte. "Das ist genau der richtige Charakter, um eine junge Mannschaft zu führen", fügt der Sportdirektor noch hinzu. Co-Trainer bleibt Tyron McCoy, der bereits seit 2018 in dieser Rolle für die Ulmer tätig ist.

Erwartungen an die neue Saison

Für die kommende Saison sieht Ulms Sportdirektor Leibenath vor allem die Mannschaft in der Pflicht: "Wir müssen Team-Basketball spielen." Durch den Weggang von vielen Leistungsträgern könne man sich nicht auf diesen einen Spieler verlassen, der die Kohlen aus dem Feuer holt. "Wir wollen, dass auch unsere jungen Spieler frühzeitig Verantwortung übernehmen für die Mannschaft - aber im Sinne eines Team-Plays, nicht eines Ego-Plays", fordert Leibenath.

Einen genauen Tabellenplatz will der sportliche Leiter im SWR-Interview auf die Frage nach dem Saisonziel nicht vorgeben. Es sei legitim, dass man in Ulm vom Erreichen der Playoffs spreche. "Bei so einer jungen Mannschaft, die eine holprige Vorbereitung durchlitten hat, ist das kein Selbstläufer", gibt er zwar zu bedenken. Er traue der Mannschaft aber zu, dass sie sich "mit einer jugendlichen Unbekümmertheit und Naivität" in einen Rausch spielen kann.

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