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Seit Mitte März ruht der Spielbetrieb in der Basketball-Bundesliga. Das Gros der Vereine hofft auf eine Fortsetzung der Saison. Fünf Fragen an Alexander Reil, Liga-Präsident und erster Vorsitzender der MHP Riesen Ludwigsburg.

Ihr Ziel ist es die Saison zu Ende zu spielen. Warum?

Alexander Reil: Zunächst einmal möchte ich an der Stelle erwähnen, dass wir als Liga sehen, dass die Gesundheit der Bevölkerung absolute Priorität genießt. Auf der anderen Seite haben wir uns die Chance offengelassen, möglicherweise ab Mai nochmal Spiele durchführen zu können. Allerdings nur ohne Zuschauer. Diese Chance wollten wir uns offenlassen, weil wir uns auch in der Pflicht sehen gegenüber Fans und Sponsoren. Ich glaube, dass es für die Menschen allgemein sehr wichtig sein wird in einer so schwierigen Phase – auch wenn es nur zu Hause über Fernseher möglich ist – wieder Sportveranstaltungen miterleben zu können.

Sind Geisterspiele wirklich eine Chance, wohlwissend, dass ohne Publikum wichtige Einnahmen ausbleiben?

Alexander Reil: Wir reden zurzeit über Lösungen nach dem Motto: Was ist die am wenigsten schlechteste Lösung? Es gibt in der jetzigen Zeit keine optimale Lösung. Wenn es möglich wäre Geisterspiele ausführen, dann ist das keine optimale Lösung, weil wir von Zuschauern, Fans und der Atmosphäre in den Arenen leben. Aber es ist eine bessere Lösung als gar keine Spiele mehr anzubieten.

Die Hauptrunde in der Basketball-Bundesliga ist noch nicht zu Ende gespielt (22 von 34 Spieltagen sind absolviert). Wäre es ein Szenario, nach der Hauptrunde einen Cut zu machen, also ohne Playoffs?

Alexander Reil: Das wäre eine Option. Wir haben aber auch jetzt schon Notfall-Spielpläne erarbeitet, bei denen der Abschluss der Hauptrunde möglich wäre und möglicherweise auch eine modifizierte Art von Playoffs. Da müssen wir jetzt erstmal abwarten. 

Alle sieben US-Amerikaner im Team der Riesen Ludwigsburg sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Wie haben Sie das vertraglich geregelt?

Alexander Reil: Wir haben die Verträge ausgesetzt und die sind dann wieder wirksam, wenn der Spielbetrieb hier wieder fortgesetzt werden sollte. Mit allen Unwägbarkeiten: Wir müssen dann natürlich schauen, ist es möglich, dass die Spieler entsprechend wieder zurückkommen, was gibt es möglicherweise für Quarantäne-Vorschriften. Wir werden sicherlich eine Reihe von Mannschaften haben, die nicht mehr zu hundert Prozent über die Spieler verfügt, die sie noch vor wenigen Wochen hatten. Aber: Es ist auch eine Verpflichtung von uns, wenn eine Möglichkeit besteht Spiele auszutragen, diese dann auch auszutragen. Diese Chance wollen wir uns einfach offenhalten, auch wenn dann der sportliche Wert sicherlich anders ist als vor ein paar Wochen.

Wie groß ist denn der Schaden, wenn die Saison abgebrochen wird? Ist das in Ludwigsburg existenzgefährdend?

Alexander Reil: Das hängt natürlich in Ludwigsburg und auch bei den anderen Klubs davon ab, wie sich Partner, Sponsoren und auch die Fans verhalten werden. Gibt es entsprechend hohe Rückforderungsansprüche oder verzichten Partner, Sponsoren und Fans darauf und tun dem Verein etwas Gutes. Immer im Zusammenhang natürlich damit, dass auch die Vereine gefordert sind, attraktive Angebote umgekehrt zu machen. Ich persönlich glaube, dass die meisten Klubs durchaus in der Lage sind die ‚jetzt noch laufende Saison‘ auch irgendwie zu überbrücken. Wenn ich ganz offen bin, dann mache ich mir mehr Sorgen um die kommende Spielzeit, weil wir ja jetzt überhaupt nicht wissen, ob ab Ende September ein normaler Spielbetrieb mit Zuschauern wieder möglich ist. Und dann glaube ich wird’s noch viel schwieriger als jetzt zweieinhalb Monate zu überbrücken.

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