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Das Corona-Virus sorgt auch bei kleinen Profi-Klubs vor allem für eines: Angst um die eigene Existenz. Doch gleichzeitig entwickeln sich Kampfgeist und Solidaritätsdenken, wie das Beispiel der Gladiators in Trier zeigt.

André Ewertz kann den Blick in die leere Halle kaum ertragen. "Es ist absolut schrecklich. Es tut sehr weh", sagt der Geschäftsführer der Gladiators Trier. Zusammen mit seinem Geschäftsführer-Partner Achim Schmitz steht er einsam im Mittelkreis der Arena Trier - genau dort also, wo zur gleichen Zeit nach dem letzten Heimspiel der regulären Saison die große Final-Party steigen sollte. Doch in diesem Augenblick: nur Stille.

"Existenz des Vereins ist massiv gefährdet"

Normalerweise würden jetzt zwischen 3.000 und 4.000 Fans für Gänsehaut-Momente sorgen. "Wir standen von heute auf morgen ohne Einnahmen da", schildert Schmitz, noch immer sichtlich betroffen vom abrupten Saison-Ende: "Aber unsere laufenden Kosten, wie Spielergehälter, gehen ja weiter. Die Existenz des Vereins ist massiv gefährdet."

Die Folge: Kurzarbeit für die Spieler, Betreuer und Geschäftsstellen-Mitarbeiter. Dazu intensive Gespräche mit Sponsoren und potenten Unterstützern.

Eine Solidaritätswelle unter den Trierer Basketball-Anhängern

Beeindruckend ist vor allem aber eine enorme Solidaritätswelle unter den Trierer Basketball-Anhängern. "Stand jetzt haben die Fans bereits über 75.000 Euro beigesteuert", sagt Schmitz. Das Ziel der Geschäftsführung mit der Aktion "standasone30" sind 120.000 Euro als eines der drei Rettungs-Säulen für ein Fortbestehen in der 2. Bundesliga ProA. In zehn Tagen sollen in jedem Fall die ersten Unterlagen für eine neue Lizenz eingereicht werden - wann immer die neue Saison beginnen wird.

Kaderplanung ist derzeit kaum möglich

Fest steht: Eine Kaderplanung ist derzeit kaum möglich. "Wir müssen erstmal abwarten, wie sich der Markt verhält", verrät der für den Sport zuständige Geschäftsführer Ewertz. Er weiß, dass es noch viele Fragezeichen gibt derzeit. "Steigen die Spielergehälter oder fallen sie? Kriegt man überhaupt im Sommer schon Akteure? Kann man mit Spielern aus dem Ausland verhandeln, zum Beispiel aus den USA?"

"Uns geht es darum, wie wir die ProA erhalten können"

Klar ist für ihn, dass die Kaderplanung weit nach hinten rutschen wird - und vielleicht erst kurz vor Liga-Start überhaupt abgeschlossen werden kann. Ewertz denkt aber nicht nur an den eigenen Verein: "Wir sind im regen Austausch mit den anderen Klubs und mit der Liga. Uns geht es darum, wie wir die ProA erhalten können und dass möglichst alle Vereine wieder dabei sein können."

Auch Chris Schmidt trommelt für ein Weiterbestehen der Gladiators. Der engagierte Hallensprecher und Basketball-Kommentator agiert derzeit aber nicht lautstark in der Arena, sondern etwas verhaltener im eigenen Wohnzimmer: per facebook live. Für die Aktion "standasone30" geht er an 30 Tagen hintereinander jeden Abend um 18:30 Uhr digital auf Sendung, interviewt Basketballer, aber auch Menschen, die sich rund um Trier in der derzeitigen Ausnahmesituation sozial engagieren.

"Es gibt in diesen Zeiten sehr, sehr viele Menschen, die nicht gut dran sind und die man auch unterstützen kann", erläutert Schmidt: "Hier bei mir kommen sie jeden Abend zu Wort."

Verhaltener Optimismus

Einig sind sich in Trier alle, dass es weiterhin hochwertigen Basketball an der Mosel geben soll. "Ich freue mich, wenn die schönste Nebensache der Welt, der Basketball, erhalten bleibt, sagt Schmidt. Ewertz meint indes: "Mit den Trainern werden wir jetzt schauen, welche Spielertypen passen zu uns, welche können überhaupt gehalten werden." Und Schmitz zeigt sich optimistisch: "Ich gehe fest davon aus, dass der Basketball mit der Unterstützung unsrer Fans hier in Trier eine Zukunft hat." Und der Blick geht sehnsüchtig erneut zu den Stuhlreihen, die darauf warten, neu gefüllt zu werden.

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