TSG Bretzenheim Futsal gegen 1. FC Penzberg Futsal (Foto: Foto: Philipp Quint)

Futsal | Bundesliga

Dynamisch und emotional: Die TSG 1846 Mainz kickt in der Futsal-Bundesliga

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Die Futsal-Mannschaft der TSG 1846 Mainz war lange Zeit nur Mitläufer der Fußballabteilung. Seit drei Jahren haben sie nun ihre eigene Abteilung und gehen in der neu gegründeten Bundesliga an den Start.

In der japanischen Metropole Tokio wird Futsal auf Hochhausdächern gespielt, Superstars wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi begannen ihre Karriere in dieser fußballähnlichen Sportart. In Deutschland startete jetzt die Bundesliga in ihre erste Saison - und die Mannschaft aus Mainz-Bretzenheim ist mit dabei.

Eine Sportart, die in Deutschland so langsam ankommt

Die Futsal-Kultur in Deutschland muss sich noch entwickeln. Doch durch die Einführung der Bundesliga ab der Saison 2021/22 ist ein großer Schritt in die richtige Richtung getan. Die Vereine wollten schon lange eine 1. Liga und der Deutsche Fußball Bund (DFB) hat nun auch endlich zugestimmt.

Der Mainzer Spielertrainer und Torwart Christian Wölfelschneider ist Pionier in der Szene, kam 2010 das erste Mal mit der Sportart in Berührung und brachte sie nach Mainz. Bei der Studenten-Weltmeisterschaft, die 2016 in Brasilien stattfand, wurde das Feuer in ihm dann richtig entfacht. "Da habe ich dann auch wirklich erstmal gesehen und mir eingebildet zu verstehen, was Futsal dort bedeutet", berichtet der 32-Jährige SWR Sport. Nationen wie Brasilien, Portugal, Argentinien oder die asiatischen Länder leben eine Futsal-Kultur, die es in Deutschland nicht gibt. Kinder spielen dort bis zu ihrem zwölften Lebensjahr diese Sportart und entscheiden sich dann für Fußball oder eben Futsal.

Euphorie soll entfacht werden

2014 bestritt die Mannschaft der TSG 1846 Mainz ihr erstes Futsal-Spiel bei den Kreismeisterschaften und belegte direkt den dritten Platz. In den darauffolgenden Jahren wurde sie Zweiter und Erster. Nach diesen Erfolgen und dem Wunsch nach mehr Spielen traten die Bretzenheimer der Hessenliga bei, denn in Rheinland-Pfalz gab es zu dem Zeitpunkt noch keine Spielrunde.

Inzwischen konnte sich die Mannschaft von den klassischen Fußballern organisatorisch trennen und ist eine eigene Abteilung beim Sportverein in Bretzenheim. Dieses Jahr geht die Bundesliga in ihre erste Runde. Als Gründungsmitglied und Meister der Regionalliga sind die Mainzer dort eine von zehn Mannschaften.

Ziel: die EM- und WM-Qualifikation

Vom Sport leben können die Jungs nicht. Christian Wölfelschneider selbst ist Lehrer. Doch das geht nicht allen Mannschaften der Liga so, einige Kicker können mit ihrem Sport ihr Leben finanzieren. So hat der Stuttgarter Futsal Club unter anderem den Nationaltorwart aus Serbien verpflichtet - und der ist gerade bei der WM in Litauen. Die Deutsche Nationalmannschaft der Herren ist vom 12. September bis 03. Oktober nicht dabei, sie konnten sich bisher noch nie für eine EM oder WM qualifizieren. Eine Nationalmannschaft für Frauen soll erst dieses Jahr auf dem Bundestag des DFB verabschiedet werden. Bisher gab es nur Lehrgänge und Sichtungen. In Mainz fehlen die Kapazitäten und Hallenzeiten, um noch weitere Teams zu gründen. Da müssen sich neben den Frauen auch die Jugend-Futsaler gedulden.

Eine rasant wachsende Sportart

Die Sportart wächst stetig und die Gründung der Bundesliga bringt Futsal in Deutschland einen großen Schritt weiter. Zehn Mannschaften treten gegeneinander an und die Karten wurden komplett neu gemischt. Neuverpflichtungen und Professionalisierung sorgen bei jedem Spieltag für Überraschungen. So konnte Rekordmeister HSV-Panthers in den zwei Spielen bisher noch keine Punkte sammeln. Der TSV Weilimdorf sowie die Stuttgarter sind heiße Kandidaten auf die Meisterschaft.

Das Saisonziel der Mainzer ist klar definiert. Neben dem Klassenerhalt soll die Distanz zu den Top-Mannschaften verringert werden. Es geht auch darum, den Sport bekannter zu machen. "Letztendlich geht's darum, Leute für den Sport zu gewinnen und zu begeistern und einfach hier in Mainz eine gewisse Euphorie zu entfachen", erklärt Wölfelschneider. Schon am ersten Spieltag war die Halle ausverkauft - inklusive Gänsehautgarantie bei den Zuschauerinnen und Zuschauern. "So ein 0:2 im Fußball ist schon wie eine Vorentscheidung. Im Futsal bedeutet das halt eigentlich noch gar nichts", sagt Christian Wölfelschneider. Die Sportart hat so kurze Wege und Distanzen und es kann schnell etwas passieren. "Das macht, glaube ich, die Faszination für die Zuschauer auch aus."

Was genau ist Futsal?

Futsal verbindet Eigenschaften aus Handball, Basketball und Fußball. Das Handballfeld ist die Begrenzung, einige Linien kommen noch dazu. Gespielt wird mit den Füßen auf Handballtore. Gewisse Taktiken und Lösungsmöglichkeiten erinnern ebenfalls an Handball. Einige Freilaufbewegungen und individualtaktische Elemente kommen aus dem Basketball. Ein Team darf außerdem insgesamt fünf Mannschaftsfouls sammeln, bevor die Gegner einen Strafstoß aus zehn Metern bekommen. "Das macht den Sport relativ fair und ist an Basketball angeknüpft", erklärt Wölfelschneider im SWR-Interview.

Einige Unterschiede gibt es aber doch. So ist der Ball zum Beispiel kleiner als der Fußball und springt weniger auf. Das kommt dem Direktspiel zu Gute und der Ball lässt sich am Boden besser kontrollieren. Wechsel in den insgesamt 40 Minuten Spielzeit sind unbegrenzt möglich und bei Unterbrechungen wird die Zeit angehalten.

Futsal mit Freunden

Mit den Worten "Freundschaft, Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit" beschreibt der Bretzenheimer Spielertrainer Christian Wölfelschneider seine Futsal-Mannschaft. Der Kader besteht aus 20 Spielern und hat einen Altersdurchschnitt von 31 Jahren. Durch die Nähe zur Mainzer Universität kommen und gehen viele Spieler, aber der Kern ist immer noch im Team und tiefe Freundschaften sind entstanden. "Zwei Spieler würde ich als meine besten Freunde bezeichnen", freut sich Wölfelschneider. Die nächsten Wochen gibt es auch beim Futsal eine Länderspielpause. Danach geht es wieder heiß her. Auf dem Programm unter anderem: das Südwest-Derby gegen Stuttgart.

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