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Das Thermometer zeigt knapp über null Grad, an den Ufern liegt Schnee. Trotzdem geht Ricarda Funk mit ihrem Boot aufs eiskalte Wasser und trainiert. "Die Medaillen liegen im Schnee vergraben", sagt die 28-Jährige und lacht. Heißt: Wer im Sommer Erfolg haben will, muss jetzt hart arbeiten. Oder wie es die deutsche Meisterin im Kanuslalom formuliert: "Man muss sich durch den Winter durchwühlen."

Leistungszentrum Augsburg, ein sonnig-kalter Januar-Tag. Es ist exakt 13:30 Uhr. Auf die Minute genau beginnt für Ricarda Funk eine eminent wichtige Standortbestimmung: der 6-Stufen-Test. "Das sind sechs Durchgänge im Boot auf flachem Wasser, jeder Lauf so um die fünf Minuten lang", beschreibt die Sportsoldatin der Bundeswehr ihren bevorstehenden Einsatz.

Es ist ein Steigerungs-Test: vom ersten Durchgang im Warmfahr-Modus bis hin zum letzten Lauf mit Maximalbelastung. "Wir messen dabei immer wieder das Blutlaktat, das heißt wir messen die aerobe Ausdauer und sehen, wie gut die Athletinnen und Athleten aus den letzten Wochen rausgekommen sind", schildert Chef-Bundestrainer Klaus Pohlen, während er von der Brücke über dem Kanal aus Ricarda Funk weiter beobachtet. Nach jedem Lauf steht der Pieks an ihrem Ohrläppchen an, ein Dutzend Mal wird an diesem Tag Blut entnommen.

Das Aushängeschild des KSV Bad Kreuznach

Besonders wichtig: der letzte Durchgang. Hier geht das Aushängeschild des KSV Bad Kreuznach bis an ihre Grenzen - und darüber hinaus. Viereinhalb Minuten Vollgas, über 400 Paddelschläge, Puls um die 200. "Das ist mörderanstrengend", keucht Ricarda Funk im Ziel: "Jetzt bin ich am Arsch." Und sie lacht erneut.

Der Traum von Olympia lebt

Leiden für den Erfolg - das gehört für die Wildwasser-Spezialistin dazu. Denn ihr Ziel heißt: endlich bei Olympia an den Start gehen. "Ja, das ist mein Traum. Der Traum ist immer noch der gleiche wie 2020." Dass sie 2016 die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpatzte, hat sie abgehakt. "Das war eine große Enttäuschung, ja. Aber hinfallen gehört dazu. Ich hoffe, ich habe daraus gelernt", blickt die 28-Jährige kurz zurück - und gleich wieder nach vorne, zu den um ein Jahr verschobenen Sommerspielen. "Ich muss jetzt noch ein paar Monate drauf warten. Aber die Monate schaff ich jetzt auch noch."

Schuften für das große Ziel

Für ihr großes Ziel schuftet sie in bis zu 17 Trainings-Einheiten pro Woche - mal mit, mal ohne Boot. Natürlich gehören Kraftraum und Stabilisations-Übungen zum Standardprogramm. Denn Kanu-Slalom, diese hochkomplexe Mischung aus Kraft und Technik, erfordert eine Ganzkörper-Fitness. "Wir übertragen unsere Kraft ja über Arme und Rumpf aufs Boot", erklärt sie.

Eigentlich wollte sie zum täglichen Training auch noch den Master in Medienkommunikation draufpacken. Den Bachelor hat sie bereits in der Tasche. "Doch durch die Verschiebung der Olympischen Spiele hat sich auch das Studium erstmal verschoben", erzählt Ricarda Funk - wohlwissend, dass auf dem Weg nach Tokio der Sport im Mittelpunkt stehen muss, nicht die Universität. Die kann warten.

Bei Deutschen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften hat sie schon Medaillen gewonnen. Fehlt also nur noch der olympische Glanz in ihrer Trophäen-Sammlung. Deshalb geht es wieder raus für Ricarda Funk, aufs kalte Wasser, zur nächsten Einheit. Der Blick ans Ufer erinnert erneut an ihren treffenden Satz: "Die Medaillen liegen im Schnee vergraben."

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