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Die Bundesländer planen, den Corona-Teil-Lockdown bis zum 20. Dezember bundesweit fortzuführen. Das gilt auch für den Breitensport. Für SWR-Sportredakteur Michael Bollenbacher ist nicht nachvollziehbar, wie wenig systemrelevant der Sport aktuell ist.

Keine Frage: Es gibt zur Zeit gibt Wichtigeres als Sport. Die Infektionszahlen sind weiter hoch, die Krise mutiert zum Dauerzustand - ohne wirkliche Aussicht auf Verbesserung. Denn es droht eine Verlängerung der Corona-Zwangspause bis mindestens zum 20. Dezember. Auch für den Sport.

Gesundheit, Wirtschaft und Bildung werden am Laufen gehalten. Klar ist das alles wichtig, aber was ist mit dem Sport für jedermann?  

Orte der Bewegung und des Zusammenkommens einfach weggebrochen

Es sind nicht nur die Probleme der großen Fußballbosse, die Angst vor abnehmendem Fan-Interesse äußern - das Dilemma geht durch alle Schichten, alle Generationen. Für mich nicht nachvollziehbar, dass der Sport nicht systemrelevant ist.

Sport als Ort des Zusammenkommens, der Bewegung, als Ventil - weggebrochen. Nur noch draußen, alleine, zu zweit oder mit Angehörigen - warum? Auch im Sport gibt’s doch wie in der Schule etwa Hygienekonzepte.

Ist der Stillstand nicht Motivationsbremse für Unentschlossene?

Die Beschlüsse sind für mich teils abstrus. Beispiel Tennis: Nur zu zweit, einverstanden, aber nur zwei Leute pro Tennishalle? Wo ist bei zehn, 15 oder 20 Metern Abstand bitte das Infektionsrisiko?

Und welchen langfristigen Preis zahlt der Sport? Was ist mit den Kindern, die nicht schon lange im Vereinsleben aktiv sind, sondern sich grade überlegen, mit Sport zu beginnen? Ist der Stillstand da nicht Motivationsbremse?

Die Triebfeder von Fröhlichkeit, Spaß und Bewegung einfach weg. Unterschätzt die Politik nicht die Folgen? Mir fehlt der Weitblick. Führt der oft zitierte Bewegungsmangel nicht zwangsläufig zu Faulheit und Übergewicht?

Bayern erwartet Verlust von 100.000 Sportverein-Mitgliedern

Und der Profisport? Zieht der den Nachwuchs nicht aus denjenigen, die aus Spaß an der Bewegung oder wegen Idolen mit Sport beginnen?

Auch Sportvereine haben doch etwa Regeln mit Abstand, Vorsicht und Rücksicht. Wie lange soll das so gehen?

Etablierte Strukturen, Zugang und Interesse am Sport könnten verloren gehen. Der Bayerische Landessport-Verband (BLSV) etwa schlägt nun Alarm: Er erwartet wegen Corona einen Verlust von 100.000 Mitgliedern in den bayerischen Sportvereinen.

Mehr Aufgeschlossenheit statt alles abschließen

Daher muss dem Sport mehr Relevanz beigemessen werden. Aufgeschlossenheit statt alles abschließen. Hoffnung besteht derzeit allerdings wenig, dass die Politik diesen Wunsch erhört.

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