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Die Corona-Zwangspause hat viele Sportvereine in ernste finanzielle Nöte getrieben, zum Teil drohte der Kollaps. Mit einem millionenschweren Hilfsfonds sprang das Land Rheinland-Pfalz den Klubs zur Seite.

Nach bürokratischen Neujustierungen ist die Anzahl der Anträge gestiegen. Allerdings: bislang wurden nach Informationen von SWR Sport mehr Anträge abgelehnt als bewilligt. "Wir haben mittlerweile den dritten Antrag gestellt", erzählt Stephan Vielmuth mit einem süffisanten Lächeln. Der Vorsitzende des Ringer-Bundesligisten SV Alemannia Nackenheim kämpft seit Wochen mit den Feinheiten des Förder-Prozederes. "Es ist sehr zeitaufwändig. Und spannend. Wir hoffen jetzt auf eine baldige Zusage der finanziellen Hilfe." Fest steht: die Mitarbeiter der Sportbünde, die vom Land Rheinland-Pfalz für die Prüfung der Anträge eingesetzt wurden, haben alle Hände voll zu tun. Manch ein Antrag kann erst nach mehreren Gesprächen und Korrekturen als formal richtig eingestuft und danach bearbeitet werden.

89 Anträge wurden gestellt, 18 davon bisher bewilligt

Jo Friedsam, der Geschäftsführer des Sportbundes Rheinhessen, kennt die Nöte - auf beiden Seiten. Und er bestätigt, dass - Stand diese Woche - mehr Anträge abgelehnt wurden als bewilligt. "Das liegt zum Beispiel daran, dass viele Vereine ihre Einnahme-Ausfälle bis zum Ende des Jahres berechnen, aber der Schutzschild ist so reguliert, dass es nur um eine Insolvenz-Situation im Zeitraum von drei Monaten geht", erklärt Friedsam. Das heißt: die finanzielle Gefährdungslage muss tatsächlich akut sein und kann nicht aufs Jahr vorausberechnet sein. Die aktuellen Zahlen sind eindeutig: bislang sind in Rheinland-Pfalz 89 Anträge im Rahmen des Schutzschildes gestellt worden. 40 davon sind durch den zeitaufwändigen Prüfungsprozess noch in Bearbeitung, 18 wurden bewilligt, 31 abgelehnt.

Ein Problem: die Vereine müssen ihre Rücklagen offenlegen - und im Normalfall auch erst einmal aufbrauchen, bevor sie finanzielle Hilfen erwarten können. Ein Punkt, den der engagierte Sport-Funktionär Friedsam für nicht glücklich hält: "Das ist für uns ein großes Problem. Denn wenn die Vereine ihre Rücklagen jetzt verbrauchen, dann haben sie im nächsten Jahr vielleicht die Situation der Insolvenz-Gefahr. Das heißt, wir verschieben die Problematik nur in die Zukunft - und keiner weiß, ob es dann noch einen Schutzschild geben wird."

FC Lauretta Frauenberg erhielt bereits Hilfsmittel

Einige Vereine profitieren aber auch jetzt bereits von den Hilfsmitteln des Landes. Wie etwa der FC Lauretta Frauenberg bei Idar-Oberstein. "Wir haben bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz 2000 Euro beantragt und die haben wir auch bekommen", schildert Tobias Schwarz, der sich im Kassenausschuss seit Wochen um die angespannte Finanzlage des kleinen Vereins kümmert. Doch auch diese bewilligte Fördersumme deckt nur einen kleinen Teil des Problems ab. Denn der FC Lauretta Frauenberg ist doppelt gekniffen: zum einen von der Corona-Zwangspause und den dadurch entstandenen Einnahmeausfällen, zum anderen durch eine Wildschwein-Attacke, die bereits im Vorjahr den Sportplatz verwüstete und einen fünfstelligen Schaden anrichtete. "Und da würden wir uns wünschen, dass auch ein solches Projekt bezuschusst würde, damit wir aus dem Gröbsten rauskämen", ergänzt Andreas Schwarz, der Vereins-Vorsitzende.

Die Unsicherheit bleibt

Fest steht: die gebeutelten Vereine kämpfen mit ungeheurem ehrenamtlichem Engagement für die Bewältigung der finanziellen Situation. Und die Sportbünde stehen ihnen mit fachlichem Rat zur Seite. Trotzdem warten viele Fragezeichen noch auf Antworten. Beim SV Alemannia Nackenheim zum Beispiel die nach wie vor ungelöste Frage, wann die Bundesliga wieder starten wird - und ob sich der Traditionsverein überhaupt eine Teilnahme leisten kann. Stephan Vielmuth: "Es bleibt spannend." Und der Vorsitzende lacht - obwohl die Situation alles andere als lustig ist.

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