Der TV Stammheim muss aus der Faustball-Bundesliga absteigen (Foto: Imago, Beautiful Sports)

Faustball | Frauen-Bundesliga Skandal beim Faustball: TV Stammheim prüft Betrugsvorwürfe

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Die Frauen-Mannschaft des TV Stammheim muss aus der Bundesliga Süd absteigen. Ein Verantwortlicher soll der Liga das Ergebnis von einem Spiel übermittelt haben, das nie stattgefunden hat. Der Verein prüft die Vorwürfe.

"Da fällt man wirklich vom Glauben ab." Ulrich Meiners, der Präsident der Deutschen Faustball-Liga (DFBL), ist im Gespräch mit SWR Sport immer noch entsetzt. Seit vielen Jahren ist der Mann in diesem Amt, aber so etwas hat er noch nicht erlebt im deutschen Faustball. "Es gibt nur Verlierer auf allen Seiten", ist Meiners überzeugt.

Eine obskure Idee

Was ist passiert? Für den 17. Februar 2019 war der letzte Hauptrunden-Spieltag in der Frauen-Bundesliga Süd angesetzt. Der gastgebende TV Stammheim hätte an diesem Dreier-Spieltag gegen die Konkurrenz aus Landshut und Eibach antreten sollen. Die TG Landshut hatte allerdings schon im Vorfeld mitgeteilt, dass sie verletzungs- und krankheitsbedingt kein Team stellen und deshalb nicht anreisen könne. Und da es für Stammheim (Tabellen-Siebter) und den TV Eibach (bereits für die DM-Endrunde qualifiziert) sportlich um nichts mehr ging, kamen die Verantwortlichen beider Teams auf eine obskure Idee: Man lasse das Spiel ausfallen. Diese Spielabsage teilte der TV Stammheim wenige Tage vor dem Spieltag auch öffentlich auf seiner Homepage mit. Mit dem Zusatz: "Auf einen neuen Spieltermin haben sich die beiden Vereine noch nicht geeinigt."

Heimliche Absprachen am Telefon

Nach SWR-Informationen sollen daraufhin mehrere Telefonate zwischen dem Trainer der Stammheimer Faustballerinnen und dem Coach des TV Eibach erfolgt sein. Dabei sollen sich die beiden Trainer aber nicht auf einen neuen Spieltermin, sondern auf folgenden Deal geeinigt haben: das Spiel findet überhaupt nicht statt, um den Franken Reisestrapazen und Reisekosten zu ersparen. Im Gegenzug solle die nicht stattfindende Partie mit 3:1 (11:9, 10:12, 11:8, 11:7) für Stammheim ausgehen. Dieses Ergebnis solle so an den Verband übermittelt werden.

Spielresultate in der Frauen-Bundesliga müssen spätestens 20 Minuten nach Spielende an das offizielle Ergebnis-Portal der DFBL gemeldet werden. Dies geschah dann auch am 17. Februar. Obwohl das Spiel nie stattgefunden hat, soll Stammheims Trainer das vereinbarte Ergebnis übermittelt haben. Ein Skandal. Erst durch eine Presseveröffentlichung wurde die DFBL auf diesen krassen Regelverstoß aufmerksam. Der Verband bat beide Teams um eine unverzügliche Stellungnahme. Der TV Stammheim antwortete mit einem vierseitigen Schreiben. Darin gestand man den Regelverstoß als Fehler ein, wies als Entschuldigung aber darauf hin, man habe dem TV Eibach einen Gefallen tun wollen.

Faustball-Präsident: "Ein Armutszeugnis"

Die DFBL zog jetzt die Konsequenzen aus diesem ungeheuerlichen Vorfall. Beiden Teams, dem TV Stammheim und dem TV Eibach, werden sämtliche Punkte aus dieser Saison abgezogen. Beide Vereine müssen somit in die 2. Bundesliga absteigen. Eibach nimmt folgerichtig auch nicht an der DM-Endrunde am 9./10. März teil. Strafrechtliche Konsequenzen wegen Betrugs wolle sich die Liga vorbehalten, heißt es.

Ulrich Meiners schüttelt immer noch den Kopf und versteht die Faustball-Welt nicht mehr. "Wir können doch nicht, nur weil das Ergebnis keinen Einfluss auf die Tabellensituation hat, uns einfach Spiele schenken. Das stellt für unseren Sport ein Armutszeugnis dar", sagt der DFBL-Präsident.

Welche Konsequenzen der TV Stammheim aus diesem Skandal zieht, ist unklar. Alwin Oberkersch, Mitglied der Abteilungleitung Faustball beim TV Stammheim, versicherte gegenüber SWRSport, dass man sich vereinsintern intensiv mit dem Vorfall beschäftige. "Wir haben das Urteil der DFBL erst am Mittwoch Nachmittag erhalten. Wir müssen uns zunächst einmal orientieren", sagte Oberkersch.

Der TV Stammheim kann gegen das Urteil der DFBL innerhalb von zehn Tagen Einspruch einlegen.

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