Muhammad Ali (Foto: Imago, imago/Horstmüller)

Boxen | Karl Mildenberger Der Mann, der Ali ärgerte, ist tot

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Für Muhammad Ali war Karl Mildenberger "der zweitschnellste Schwergewichtler der Welt". Die Box-Legende aus Kaiserslautern ist am Freitag im Alter von 80 Jahren gestorben.

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Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

"Nach einer Minute und dreißig Sekunden geht Mildenberger in der 12. Runde stehend K.o.", reportiert der nüchterne Kommentator am 10. September 1966 in sein Mikrofon. Muhammad Ali reißt die Arme hoch. Sichtlich erleichtert. "Mildenberger aber hat sein Versprechen gehalten", tönt es aus dem Fernseher. "Er hat den größten Kampf seines Lebens geliefert."

Es gibt Helden-Geschichten, die fußen auf einer Niederlage. Die Geschichte des Kaiserslauterer Boxers Karl Mildenberger ist so eine. Sechsmal verteidigte Mildenberger zwischen den Jahren 1965 und 1967 seinen Europameistertitel, den er am 17. Oktober 1964 gewonnen hatte. 53 Mal ging er als Sieger aus dem Ring - und dennoch gilt eine Niederlage bis heute als der größte Erfolg seiner Karriere.

"Karl, der Flache"

Als Karl Mildenberger im September 1966 im Frankfurter Waldstadion in den Ring steigt, ist er 10:1-Außenseiter. Sein Gegenüber ist Schwergewichtsweltmeister, in 25 Kämpfen ungeschlagen. "The greatest", "Der Größte" wird sein Kontrahent Muhammad Ali bereits genannt. Karl Mildenberger hat ebenfalls einen Spitznamen. Als "Karl, der Flache", wird der 28-Jährige in Deutschland belächelt. Flach, weil er vier Jahre zuvor in seinem Kampf um den EM-Titel "flach lag", schon in der ersten Runde durch K.o. verloren hatte. Mildenberger rappelt sich auf, holt sich den EM-Titel zwei Jahre später - doch seinen Spitznamen wird er vorerst nicht los.

Der Europameister gegen den Weltmeister - doch Chancen rechnet man dem Deutschen nicht aus. Mildenberger selbst sagt vor dem Kampf lächelnd: "Das wird der größte Kampf meines Lebens."

Zwölf Runden später ist dieser größte Kampf vorbei. Muhammad Ali behält seinen Weltmeistergürtel, schickt Karl Mildenberger im Verlauf des Kampfes dreimal zu Boden, bevor der Ringrichter drei Runden vor Schluss den Kampf abbricht. Nach einer beeindruckenden Kombination von Ali hat der Referee genug gesehen. Mildenbergers Augen sind zugeschwollen, das Gesicht blutüberströmt. Doch er steht.

"Karl, der Große"

Vier Runden werten die Kampfrichter bis zu diesem Moment als Unentschieden, zwei kann Mildenberger sogar für sich entscheiden. Weit mehr, als ihm irgendwer zugetraut hätte. "Es war der schwerste Kampf meiner Karriere", gibt Ali nach dem Duell zu. Seit dem Titelkampf gegen Sonny Liston habe ihn niemand mehr so gefordert. "Mildenberger ist der zweitschnellste Mann im Schwergewicht - und der am besten aussehende weiße Boxer", fügt er in typischer Manier hinzu.

Mildenberger kehrt einen Tag später in seine Heimat nach Kaiserslautern zurück. Empfangen wird er von 30.000 Fans - Volksfeststimmung in der Pfalz. Von "Karl, dem Flachen" möchte an diesem Tag niemand mehr etwas wissen.

Als "Karl, der Große" steigt Karl Mildenberger in der Folge noch siebenmal in den Ring und verteidigt seinen Europameistertitel noch weitere zweimal. 1968 beendet er seine Karriere nach einer Niederlage gegen Henry Cooper - der neue Spitzname aber bleibt.

Der "Milde" Bademeister

Dem Sport bleibt Karl Mildenberger auch nach dem Profi-Boxen treu. "Milde" arbeitet bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2002 als Bademeister im Freibad Erfenbach und dem städtischen Hallenbad, kümmert sich ehrenamtlich um den Kaiserslauterer Box-Nachwuchs und ist gern gesehener Gast bei Boxveranstaltungen. "Starallüren sind ihm fremd", werden Weggefährten gerne und oft zitiert.

Mildenberger (Foto: Imago, imago/Baering)
Imago imago/Baering

Mitte der 2000er Jahre wird es langsam ruhig um ihn. Gemeinsam mit seiner 16 Jahre jüngeren Frau Miriam zieht Mildenberger sich aus der Öffentlichkeit zurück, leidet an einer Demenzerkrankung. Kurz vor seinem 81. Geburtstag verstirbt Karl Mildenberger im Krankenhaus. Seinen Beinamen "Karl, der Große" hat er zeitlebens behalten.

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