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Jahrzehntelang strömten die Radsport-Fans am 1. Mai nach Frankfurt und in den Taunus, um die Profis bei "Rund um den Henninger-Turm" zu bewundern – mittlerweile umbenannt in Eschborn-Frankfurt. Doch Corona-bedingt musste der deutsche Eintages-Klassiker verschoben werden. Der Tag der Arbeit erlebte dennoch Spitzen-Radsport: die besten Jungprofis Deutschlands trafen sich zum virtuellen Bundesliga-Auftakt. Mit dabei: ein neues Talent vom Koblenzer Rennstall Lotto-Kern Haus.

Doppelte Premiere für 18-Jährigen

Der Gegenwind kommt diesmal nur von den Ventilatoren. Sie sorgen für etwas Abkühlung im rustikalen Fabrikhallen-Ambiente mitten in Frankfurt. Denn das Rennen, das hier gerade läuft, lässt den Schweiß in Strömen fließen. Acht junge Rennfahrer haben sich hier eingefunden und sind über die digitale Trainings-Plattform Rouvy mit weiteren 100 Startern bundesweit verbunden. Für Moritz Czasa ist es gleich eine doppelte Premiere: zum ersten Mal am 1. Mai ist der 18-Jährige nicht auf dem Asphalt aktiv – und gleichzeitig bestreitet er seine erste Saison für den Nachwuchs-Rennstall Lotto-Kern Haus aus Koblenz.

400 Watt und 200 Puls

Das E-Race bedeutet Wettkampf der etwas anderen Art. "Wenn man ein richtiges Radrennen fährt, hat man ja Gegner direkt um sich herum", sagt Moritz Czasa. "Hier hat man halt nur auf dem Bildschirm welche um sich drumherum. Man hat halt nicht das Gefühl wie im Rennen." Trotzdem gibt es ständig Positionskämpfe. Auf dem Bildschirm seines an die stationäre Rolle angeschlossenen Laptops bekommt der Koblenzer Neuzugang ständig seine Position im Feld angezeigt. Zu Beginn des Rennens hält der DM-Dritte im Einzelzeitfahren der Junioren Anschluss an die Spitzengruppe. "Das Rennen ist superschnell losgegangen", keucht der 18-Jährige schon kurz nach dem Start. Kein Wunder: um vorne mitzufahren im virtuellen Kräftemessen müssen bis zu 400 Watt getreten werden – über fast eine Stunde lang. Puls: immer an die 200 pro Minute. Kein Wunder, dass Mama Elke mehr als einmal mit dem Handtuch-reichen im Einsatz ist.

Virtuell mit Original-Strecke

Die 40 Kilometer als virtueller Auftakt der Nachwuchs-Bundesliga 2021 klingen wenig, haben es aber in sich. Gefahren wird auf Teilen der Originalstrecke vom 1.Mai-Klassiker, selbst Anstiege im Vordertaunus werden simuliert und erhöhen die Belastung.Nicht nur bei Moritz Czasa läuft der Schweiß in Strömen: "Es ist echt super anstrengend." Da tut die Anfeuerung seines Teamchefs besonders gut. Florian Monreal nutzt die positive Seite des Auf-der-Stelle-treten: er kann direkt neben seinem Schützling stehen. Normalerweise dirigiert er als Sportlicher Leiter sein Team aus dem Mannschaftswagen heraus – hinter dem Feld.

Lotto-Kern Haus gut aufgestellt

Im Vergleich zu manch anderen Teams kann der Gründer und Macher des Koblenzer Rennstall beruhigt in die Zukunft blicken. "Wir sind Gottseidank dieses Jahr sehr gefestigt.Alle Sponsoren haben uns die Treue gehalten", sagt Florian Monreal. "Wir haben sogar zwei Sponsoren dazu erhalten in dieser Corona-Krise. Deshalb sind wir sehr glücklich!" Schon sechsmal haben seine Jungs in den markanten schwarz-gelben Trikots die Bundesliga-Gesamtwertung gewonnen. An diesem Wochenende sind sie an zwei Fronten unterwegs: digital beim E-Race und "richtig" bei einem Rennen in Österreich. Die größte Herausforderung derzeit? "Rechtzeitig mit negativen Testergebnissen über die Grenzen zu kommen", lacht Monreal. Und wird aber gleich wieder ernst: "Das ist echt ein logistisches Problem. Wenn zum Beispiel ein Fahrer kurzfristig krank wird, kann man kaum rechtzeitig Ersatz benennen." Doch alle sind froh, dass überhaupt Rennen stattfinden. Monreal: "Wir sind seit Anfang April im vollen Renn-Modus." Auf Asphalt allerdings nur im Ausland…

Nach dem Abitur Profi-Laufbahn?

Derweil kämpft sich Moritz Czasa mit letzter Energie ins virtuelle Ziel. Rang 27 springt für ihn raus – für einen 18-Jährigen Neuling in der Erwachsenen-Klasse vollauf in Ordnung. Sein Traum? "Klar träumt träumt man von einer Profikarriere wenn man die Tour de France sieht", erzählt der Gymnasiast, der in diesen Tagen sein schriftliches Abitur ablegt. Doch er bleibt bescheiden: "Erstmal schauen, wie die Entwicklung weiter geht." Die Premiere beim E-Race habe ihm viel gebracht: "Man ist intensiver gefahren als wenn man zuhause trainiert. Denn es ist ja schon ein gewisses Rennen: man will mit den anderen mitkommen und sie schlagen." Der 1. Mai also dann doch ein besonderer Renn-Tag für Moritz Czasa: auf der Stelle treten um vorwärts zu kommen….

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