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FSV Mainz 05 | Kommentar Kann man einen Bundesligisten ehrenamtlich führen?

Nach knapp vier Stunden mit teilweise hitzigen Diskussionen der Mitglieder ging es am Ende ganz schnell. Stefan Hofmann gewann im ersten Wahlgang und ist nun der neue Vorstandvorsitzende bei Mainz 05.

Kann Präsident Stefan Hofmann den FSV Mainz 05 ehrenamtlich führen?

Kann Präsident Stefan Hofmann den FSV Mainz 05 ehrenamtlich führen?

Stefan Hofmann ist der neue Mann an der Spitze von Mainz 05. Ehrenamtlich! Genau da fängt das Problem schon an. Kann man einem Verein, also einem Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz, ehrenamtlich vorstehen? Ist das noch zeitgemäß? Ich denke: Nein.

Vorstandsvorsitzender bei einem Bundesligisten zu sein, ist ein Full-Time-Job. Nichts was man mal abends nach Feieraband macht. Der Antrag eines Mitglieds, dieses Ehrenamt in ein Hauptamt zu wandeln, also die Satzung zu ändern, wurde abgelehnt. Verbunden allerdings mit der Aufgabe an den Aufsichtsrat, eben so ein Model zeitnah zu entwickeln - und das ist auch gut so.

Die Rolle des Aufsichtsrats

Stichwort Aufsichtsrat: Seine Rolle wirkte auch am Sonntag bei der mit knapp 1.300 Mitgliedern bestens besuchten Versammlung befremdlich. Detlev Höhne - von manch einem "König von Mainz" genannt - führte souverän durch die Veranstaltung. Berechtigte Kritik an seinem Verhalten blockte er geschickt ab. Eine Wortmeldung, die klar gegen seine Person und sein Verhalten gerichtet war, beendete er fix: "Ich entziehe Ihnen das Wort, bitte setzen Sie sich hin". Höhne muss beweisen, dass er nicht der heimliche Präsident von Mainz 05 ist.

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Der Aufsichtsratsvorsitzende und sein Gremium haben viel Politik gemacht in den vergangen Monaten. Die am Ende gescheiterte Eva Maria Federhenn war ganz klar die gepushte Kandidatin von Höhne und seinen Mitstreitern. Das ist zwar satzungsgemäß, hat aber ein "Geschmäckle". Der Aufsichtsrat muss sich jetzt auf seine Aufgabe besinnen: Kontrollieren und dann gegebenenfalls agieren. Nicht umgekehrt.

Hofmann ist eine gute Wahl

SWR1 Moderator Achim Scheu

SWR-Sportreporter Achim Scheu

Stefan Hofmann ist die beste Wahl unter den Kandidaten gewesen. Er hat zwölf Jahre für den Verein gearbeitet, war Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, das er gemeinsam mit seinem Team zu einem der fünf besten Deutschlands machte. Dadurch kennt er jeden, hat, nach eigener Aussage, jeden Stein im Verein schon mal umgedreht. Sein erstes Ziel nach wenig ruhmreichen Monaten auf der Führungsebene: Ruhe einkehren lassen in den Verein.

Gemeinsam mit Sportvorstand Rouven Schröder und dem neuen kaufmännischen Leiter Jan Lehmann muss Mainz wieder das werden, was es in den letzten 25 Jahren größtenteils war: ein stabil geführter Verein, der es immer wieder schafft, die reicheren Clubs zu ärgern. Und vor allem die erste Liga zu halten, denn das ist in Mainz mittlerweile die Erwartungshaltung der Fans. Und das ist auch gut. Denn die Zeiten, in denen der lustige Karnevalsverein mal eben so ein bisschen im Konzert der Großen mitkickte, sind lange vorbei.

Von Achim Scheu