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Kommentar von Christoph Ebner Unwürdiges Hick-Hack

Eine Kommission soll die Doping-Vergangenheit der Freiburger Sportmedizin aufklären. Nach Streit und Auflösung, Alleingänge Beteiligter. Unwürdig! – sagt SWR-Redakteur Christoph Ebner in seinem Kommentar.

Mann mit Bart und Brille

SWR-Redakteur Christoph Ebner

Was für ein Hick-Hack. Die Universität Freiburg ernennt eine Kommission, die Doping-Vergangenheit aufklären soll. Die Kommission zerstreitet sich. Die Mitglieder legen unabhängig voneinander Gutachten vor. Schlussendlich streiten sich Beteiligte noch darüber, wer das Ganze bezahlen soll. Am Wochenende nun hat der Sportwissenschaftler Andreas Singler seine Studie über den Doping-Arzt Josef Keul einfach ins Internet gestellt. Die Uni hat heute nachgezogen und dieses Gutachten auf der eigenen Webseite veröffentlicht – ohne Zustimmung des Autors. Noch einmal: Was für ein Hick-Hack! Das Verfahren ist der Universität vollständig entglitten.

Kollektives Wegsehen jahrelang bundesweit systematisch angesagt

Informationen kommen nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit. Unwürdig ist das, vor allem im Blick auf die Sportler, die in Freiburg unter dem Deckmantel der Wissenschaft zu Erfolgen gedopt wurden und die gesundheitlichen Folgen zu tragen haben. Um sie sollte es eigentlich gehen. Denn im bundesdeutschen Doping war kollektives Wegsehen, sich ruhig verhalten, keine Fragen stellen, oder einfach "Schnauze halten" angesagt, das über Jahre und Jahrzehnte. Systematisch. Und das System war so perfekt, weil es keine Spielverderber gab. Zu viele haben vom Doping profitiert, die Sportler, die Sportverbände und der Politikbetrieb, der Leistung sehen wollten – und die Universität selbst.

Enges Beziehungsgeflecht ohne Wille für wirksame Kontrolle

Das neue Gutachten und alle bisher vorliegenden Studien haben nämlich eines gemeinsam: sie zeigen auf, dass es ein enges Beziehungsgeflecht gab zwischen den Beteiligten und damit auch keinen Willen, für eine wirksame Kontrolle zu sorgen. Die jetzt neu vorgelegte Studie zeigt dieses Phänomen ganz besonders. Er legt offen, wie frei und ungeniert der ärztliche Direktor des sportwissenschaftlichen Instituts, Joseph Keul in Freiburg walten konnte. Gab es einmal einen Anschein von Widerspruch, drohte er damit, Freiburg zu verlassen und den Ruf als führende Sportmedizin in eine andere Hochschule zu tragen. Keul wurde nie belangt. Vielmehr ist ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen worden. Seine Unabhängigkeit war größer als die der Universität selbst, die wissenschaftliche Freiheit in Werte wie Transparenz und Objektivität einbetten müsste. Das hat in Freiburg gefehlt. Das wirft jetzt einen Schatten auf die Universität, den sie nicht mehr los wird. Der Streit um das Honorar für die Aufarbeitung der Vergangenheit, macht diesen Schatten noch länger.

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