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Karlsruher SC | Meinung Was für ein Untergang!

Ganz oben und ganz unten sind im Fußball nah beieinander. Der Karlsruher SC hat mit seinem Weg vom Fast-Erstligisten zum Drittliga-Club neue Maßstäbe in Sachen Abstieg gesetzt, meint SWR-Sportreporter Jens Wolters.

Karlsruher SC

Im Juni 2015 fehlten nur Minuten zur Bundesliga - in der Saison 2017/18 muss der KSC in der 3. Liga ran

Der Fußball, das schnelllebige Geschäft. Innerhalb weniger Spieltage geht's schon mal für den ein oder anderen Verein zwischen Champions-League-Plätzen und Tabellenkeller hin und her. Solche Dinge sind bekannt. Aber vom Fast-Erstligisten zum Drittligaclub innerhalb von nicht einmal zwei Jahren – DAS hat wirklich Seltenheitswert. In diesen 23 Monaten ist beim Karlsruher SC jede Menge schief gelaufen. Allein auf der Trainerposition:

Während etwa beim Badischen Konkurrenten - dem SC Freiburg - innerhalb dieser Zeit durchgehend Christian Streich das Sagen hatte, waren es beim KSC die Herren Markus Kauczinski, Tomas Oral, Lukas Kwasniok, Mirko Slomka und Marc-Patrick Meister.

Neuanfang - ohne Wellenreuther und Kreuzer

Ob es da jetzt das richtige Zeichen ist, gerade mit dem erfolglosen Marc-Patrick Meister die Zukunft in der 3. Liga zu planen, wage ich zu bezweifeln. Vielmehr müsste in Karlsruhe einmal komplett der Stecker gezogen werden. Ein Neustart muss her. Mit frischen Gesichtern: Ohne Präsident Ingo Wellenreuther und ohne Sportdirektor Oliver Kreuzer. Sie haben nämlich die maximale Misere ganz klar mit zu verantworten. Haben hier und da zu lange zugeschaut oder falsch reagiert.

Jens Wolters

SWR-Sportreporter Jens Wolters

So ein Führungswechsel kann nämlich durchaus etwas bringen - etwas Positives. Auch, wenn die Karlsruher Fans gerade auf dieses Beispiel gut verzichten könnten: Aber der VfB Stuttgart hat gezeigt, dass es mit neuer Besatzung gleich wieder zurück auf die gute Seite ging. 

In Baden-Württembergs zweitgrößter Stadt gibt es keinen Zweitliga-Fußball mehr. Dafür allerdings ein erstklassiges Streitthema: der Stadion-Neubau. Eine Arena für mehr als 100 Millionen Euro. Und ein Club, der dann irgendwo in der Bedeutungslosigkeit spielt?

Großaspach statt München

Zu erklären ist das nicht. Genauso wie der rapide sportliche Absturz. Insofern würde es dann ja wieder passen. Statt Bayern, Dortmund oder Bremen, heißen Karlsruhes nächste Gegner Großaspach, Wiesbaden oder Lotte. Was für ein Untergang.

Und so schnelllebig das Fußball-Geschäft ja auch sonst gerne ist: Die Rückkehr in den echten Fan-Fokus wird eher schleppend und zäh werden. Da ist der Karlsruher SC sicher auch keine Ausnahme.

Von Jens Wolters