Fußballtrainer und ehemaliger Profifußballer Heiko Herrlich (Foto: imago images, Imago/Poolfoto)

Triumphe und Tränen

Heiko Herrlich: Mit Gottvertrauen durch Himmel und Hölle

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Er war Torschützenkönig der Bundesliga - und er schwebte wochenlang zwischen Leben und Tod. Heiko Herrlich hat in seiner Karriere alle Extreme erfahren. In Südbaden fing alles an.

Es ist der 24. Juni 1995. Heiko Herrlich ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Mit Borussia Mönchengladbach gewinnt er den DFB-Pokal. Im Finale besiegen die Gladbacher den VfL Bochum mit 3:0. Heiko Herrlich schießt ein Tor. Im gleichen Jahr wird der gebürtige Badener Torschützenkönig der Bundesliga und macht seine ersten fünf Spiele in der deutschen Nationalmannschaft.

Diagnose Hirntumor

Fünf Jahre später - im November 2000 - steht die Karriere vor dem Ende. Wegen anhaltender Sehstörungen lässt sich Herrlich untersuchen. Die Diagnose: Hirntumor, bösartig und nicht operabel. Seine einzige Chance - eine hochgefährliche Bestrahlungstherapie. Sechs Wochen lang schwebt Herrlich zwischen Leben und Tod. Eine riesige körperliche Belastung. Eine seelische Tortur mit ungewissem Ausgang. Der gläubige Christ Heiko Herrlich übersteht die Therapie. Vier Monate später steigt er ins Training ein. Knapp ein Jahr nach der Behandlung läuft er im Westfalenstadion wieder auf.

Karriere-Durchbruch bei Gladbach

Die Karriere von Heiko Herrlich ist geprägt von Höhen und Tiefen. Vom FC Kollnau in Südbaden geht es über Emmendingen in die Jugend des SC Freiburg. Schnell ist klar, dass er beim Zweitligisten nicht bleiben wird. Die großen Vereine reißen sich um das Sturmtalent. Leverkusen macht das Rennen. Glücklich wird der Lockenkopf bei Bayer aber nicht. Das Heimweh plagt ihn und die Konkurrenz ist groß. Der Durchbruch gelingt in Gladbach.

Heiko Herrlich (links) und Stefan Effenberg bejubeln Gladbachs DFB-Pokalsieg 1995.  (Foto: imago images, Imago/ Uwe Kraft)
Heiko Herrlich (links) und Stefan Effenberg bejubeln Gladbachs DFB-Pokalsieg 1995. Imago/ Uwe Kraft

Herrlich feiert Erfolge mit Dortmund

Am Ende gibt es aber auch hier Ärger. Herrlich will nach Dortmund, beruft sich auf eine mündliche Zusage. Es folgt ein hässlicher Prozess vor dem Arbeitsgericht. Für die Gladbacher Fans ist Herrlich ein Verräter. In Dortmund wird Herrlich zweimal Deutscher Meister, gewinnt die Champions League und wird Weltpokalsieger. Nach seiner Hirntumor Diagnose erreicht er seine sportliche Höchstleistung nicht mehr.

Trainerstationen nach Karriereende

2004 beendet er seine Karriere und beginnt eine Trainerausbildung. Sieben Trainerstationen hat Herrlich mittlerweile auf seinem Konto. Zweimal ist er aufgestiegen, aber drei Entlassungen hat er auch schon hinter sich. Heiko Herrlich - eine bewegende Karriere geprägt von großen Erfolgen, schweren Tiefschlägen und einem unerschütterlichen Gottvertrauen.

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