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In Baden-Württemberg darf seit dem 8. März in Hallen wieder Tennis gespielt werden. Im Nachbarland Rheinland-Pfalz bleiben die Tennisschläger dagegen weiter in der Ecke stehen. Die Geduld geht dort allmählich zu Ende.

Nach drei Monate war die Zwangspause endlich vorbei. Seit dem 8. März dürfen in Baden-Württemberg wenigstens zwei Haushalte mit bis zu fünf Personen in einer Tennishalle trainieren. Das Kuriose dabei: Durch eine Verordnung der Politik gilt nicht mehr ein einzelner Tennisplatz als Sportstätte, sondern eine ganze Halle. Dadurch können die Vereine nur einen Court nutzen, auch wenn in einer großen Halle fünf weitere Plätze zur Verfügung stehen.

Druck auf die Politik ausüben

Dennoch ist die Lockerung für Thomas Bürkle ein Zeichen in die richtige Richtung. Bereits Mitte letzten Jahres hatte der Geschäftsführer des TEC Waldau in Stuttgart eine Initiative gestartet und den Kontakt zu anderen Vereinen in der Region gesucht. Die zentrale Forderung: Tennis von anderen Sportarten abgrenzen und unter Einhaltung von Hygienekonzepten auch in der Halle ermöglichen. Insgesamt schlossen sich 35 Vereine zusammen, um gemeinsam Druck auf die Landesregierung auszuüben. Bürkle ist überzeugt, dass die ständigen Bemühungen ein Grund für die aktuellen Lockerungen sind: "Das ständige Aufmerksammachen hat dazu geführt, dass man seit dem 8. März zu dieser Regelung zurückgekehrt ist."

Auch der Württembergische Tennis-Bund (WTB) hatte in den vergangenen Monaten die unverhältnismäßigen Auflagen kritisiert. Präsident Stefan Hofherr sagte dem SWR, dass er zu Beginn mit den zuständigen Ministerien "in sehr guten Gesprächen" gewesen sei. Doch das habe sich in der zweiten Jahreshälfte stark ins Negative verändert.

Dadurch sah sich der Verband gezwungen, rechtliche Schritte einzuleiten. Gemeinsam mit dem Badischen Tennis-Verband (BTV) wurde beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim ein Eilantrag eingereicht. Die Forderung: Die umgehende Öffnung der Tennishallen. Der Antrag wurde jedoch mit dem Verweis auf bundeseinheitliche Regelungen abgelehnt. Für Hofherr kein überzeugendes Argument.  

"Es wurde auf bundeseinheitliche Regelungen verwiesen, die es im Tennis schlichtweg nicht gibt.“

Stefan Hofherr, WTB-Präsident

Tennis in Rheinland-Pfalz nicht möglich

In Rheinland-Pfalz dagegen bleiben die Türen der Tennishallen bis heute verschlossen. Jan Hanelt, Präsident des Tennisverbands Rheinland-Pfalz, fehlt dafür jegliches Verständnis. Denn die Inzidenzwerte sind in einigen Regionen seines Landes im Vergleich zu den angrenzenden Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen (auch dort darf gespielt werden) deutlich geringer. Hanelt wartet also sehnsüchtig auf ein Signal aus der Politik. Bisher vergeblich.

Verbot der Kontaktaufnahme durch Ministerium

Dabei weiß auch er von einem "richtig guten Austausch mit den Ministerien" zu Beginn der Pandemie zu berichten. Doch auch in Rheinland-Pfalz sei dieser irgendwann nicht mehr möglich gewesen. Die Meinungsverschiedenheiten mündeten letztlich sogar in einem Verbot der Kontaktaufnahme durch das Ministerium des Innern und für Sport.

Warum Sonderregelungen für den Tennissport ausbleiben, konnte das zuständige Ministerium auf SWR-Anfrage nicht schlüssig erklären. In einer schriftlichen Antwort heißt es lediglich: "Die Regelung ist grundsätzlich: Sport ist im Innenbereich nicht zulässig und orientiert sich an den Bund-Länder-Beschlüssen."

Effekt ist verpufft

Die ausgesetzte Hallen-Saison trifft die Tennisvereine hart. Weil andere Sportarten nicht ausgeübt werden durften, hatten sich viele Tennisclubs zuletzt über einen Mitgliederzuwachs freuen können. Nach dem zuvor jahrelang andauerndem Mitgliederschwund waren laut Hanelt "einige wieder zurückgekommen, die es zu halten gilt und für den Sport zu begeistern." Doch dieser Effekt ist durch die aktuellen Maßnahmen – zumindest in Rheinland-Pfalz – wieder verpufft.

Mainz/Stuttgart

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