Tennisplatz HTC Bad Neuenahr (Foto: SWR)

84 Tage nach der Flut

Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal: Wie geht es für die Sportvereine weiter?

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In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli änderte sich für die Menschen in der Eifel und im Ahrtal schlagartig alles. Die Flut kostete Menschenleben, vernichtete Existenzen. Auch viele Sportvereine standen vor dem Nichts: Plätze wurden weg gespült, Vereinsheime zerstört. Wie geht es dort jetzt weiter?

Es sind erschreckende Zahlen, die der Sportbund Rheinland und der Landessportbund Rheinland-Pfalz Mitte September veröffentlichen: 90 Vereine an der Ahr und in der Eifel sind direkt von der Flutkatastrophe betroffen. Die Schäden an den Sportanlagen belaufen sich auf 25 Millionen Euro, ein Wiederaufbau wird wohl noch teurer werden, "da die Anlagen vor allem im Ahrtal häufig total zerstört sind und somit höhere Kosten als bei einer regulären Sanierung anfallen", meint die Präsidentin des Sportbundes Rheinland, Monika Sauer.

HTC Bad Neuenahr steht vor dem Nichts

Einer dieser 90 Vereine ist der HTC Bad Neuenahr. Der drittgrößte Tennisverein in Rheinland-Pfalz hat keine Plätze mehr - alle 13 sind zerstört. Der Schaden belaufe sich auf 1,3 bis 1,5 Millionen Euro, für den Verein sei diese Summe in Eigenleistung nicht stemmbar, sagt der Vorsitzende des HTC, Karl-Horst Gödtel. "Wir sind sowieso wegen der Renovierung der Plätze verschuldet und im Prinzip zahlen wir jetzt Zinsen für nichts, weil alles zerstört ist."

Verein erhält viel Unterstützung

Der HTC ist auf Spenden und Hilfsaktionen angewiesen und er erhält diese Unterstützung auch. "Ich bin total begeistert, was Vereine und Privatleute an Hilfe leisten", sagt Irmtraud Gödtel vom Förderverein für Jugend und Sport beim HTC, "man hat keine Worte dafür". Aber nicht nur materiell gibt es Support - viele freiwillige Helfer sind im Einsatz, um aufzubauen und aufzuräumen. Der Verein hat ein Ziel: Im nächsten Jahr, wie in so vielen Jahren zuvor, wieder die Deutschen Meisterschaften der Senioren auszurichten.

Vereine helfen Vereinen

Auch der SC Bad Bodendorf erhält Unterstützung von Freiwilligen. Die Flutkatastrophe im Juli hat den Verein schwer getroffen: Der fast fertige, in viel Eigenleistung neu geschaffene Kunstrasenplatz wurde zerstört, das Vereinsheim überflutet. "Wir waren sechs Wochen vor der Fertigstellung", erzählt Lutz Baumann, der 1. Vorsitzende von Bad Bodendorf, "und dann kam die Nacht vom 14. auf den 15. Juli und hat alles kaputt gemacht." Alles soll so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden - Hilfe erhalten sie dabei von einem anderen Verein: dem SV Beltheim. 30 Beltheimer, darunter viele Handwerker, unterstützen den Verein mit Muskelkraft, Expertise und Werkzeug. In Bad Bodendorf ist man von so viel Hilfsbereitschaft berührt: "Mir fehlen die Worte, mir fehlen die richtigen Worte", sagt Jörg Baltes, Jugendleiter bei Bad Bodendorf.

Schneller Wiederaufbau elementar

Die Vereine in der Region stehen zusammen, denn alle wissen: Sport ist wichtig, jetzt vielleicht wichtiger denn je. Die Sportstätten seien ein bedeutender Faktor für den sozialen Zusammenhalt, sagt Karl-Horst Gödtel, die Leute müssten eine Anlaufstelle haben. Dieser Ansicht ist man auch beim Sportbund Rheinland und möchte dafür sorgen, dass eine schneller Wiederaufbau der Sportanlagen erfolgt. "Die Corona-Krise hat uns gezeigt, welche dramatischen Folgen Bewegungsmangel (...) haben kann", sagt Geschäftsführer Martin Weinitschke vom Sportbund Rheinland, "das darf sich in den von der Flutkatastrophe betroffenen Regionen nicht wiederholen".

Nach der Flutkatastrophe Wenn Fußballvereine keinen Platz mehr haben

Entwurzelte Bäume, Schutt und Trümmer - alles Dinge, die man nicht auf einem Sportplatz vermutet, die aber nach der Flut dort zu finden waren. Viele Plätze im Ahrtal sind unbespielbar und das noch für unbestimmte Zeit. Wie geht es für die Vereine jetzt weiter?  mehr...

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