Grafik mit Aufschrift "Unsere Sporthelden" (Foto: SWR)

Trainieren trotz Corona

Philipp Rießle - ein Trainer mit Herz für Kinder

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Philipp Rießle bringt Kinder zum Fliegen - als Trainer bei der Nachwuchsgruppe Running Dragons. Bis die Corona-Pandemie den Betrieb ausbremste. Aber Rießle und sein Team organisierten sich neu, um den Kindern weiter Bewegung möglich zu machen.

Er sei immer da, wenn man ihn braucht,  wenn etwas nicht klappt, dann helfe er immer! Der elfjährige Nick ist sich ganz sicher, er hat den besten Trainer der Welt: Philipp Rießle von der Skizunft Breitnau!

Zweimal pro Woche treffen sich der 36-jährige Trainer und rund 30 Kinder an der Schanze in Breitnau im Schwarzwald - und sofort spürt man die Begeisterung von Rießle und allen zukünftigen Weitenjägern zwischen 5 und 14 Jahren für ihre gemeinsame große Leidenschaft: Skispringen!

Rießle gründete die Nachwuchsgruppe Running Dragons

Der Vater von drei Kindern und Grundschullehrer in der Zwergschule Waldau gründete in der Zeit der größten Nachwuchs-Sorgen die sogenannten Running Dragons, eine Trainingsgemeinschaft verschiedener Vereine. Damit sorgte Rießle für einen regen Betrieb an den Schanzen im Schwarzwald. Bis zu 60 Kinder aus elf Vereinen waren dabei, insgesamt 17 Trainerinnen und Trainer kümmerten sich mit Rießle um den Nachwuchs und um alles, was sonst noch zum Skispringen und zum Langlauf dazugehört: ein Material-Pool für die teure Ausrüstung, regelmäßiges gutes Training und die Begeisterung für Wintersport, alles klappte perfekt.

Corona-Pandemie als große Hürde

Doch dann bremste vor anderthalb Jahren die Corona-Pandemie mit Lockdown und Trainingsverbot die Running Dragons schmerzhaft aus - allerdings nicht komplett!

Denn sofort reagierte Rießle und bot den Kids ein virtuelles Training an: Turnen im Wohnzimmer. Zweimal in der Woche begrüßte der Trainer 30 bis 40 Kinder per Smartphone und organisierte ein "Doodle"-Training mit Stretchen, Dehnen, Hüpfen und allem, was auf einer Gymnastik-Matte funktioniert.

Einzeltraining statt Gruppentraining

Aber er machte noch mehr, denn in der Corona-Pandemie waren zeitweise nicht nur Spielplätze komplett gesperrt, sondern auch das gemeinsame Training auf der Schanze war für Kinder streng verboten. Prompt kümmerte sich Philipp Rießle um Einzeltraining für seine Schützlinge und verbrachte jede freie Minute an der Schanze, war stundenlang draußen in Breitnau beschäftigt.

Ihm persönlich war es wichtig, dass die Kids einigermaßen psychisch gesund durch die Corona-Zeit kommen, durch dieses Training wollte er ihnen eine Art Alltag bieten. Für jedes Kind also eine halbe Stunde Training, bevor das erste Kind kam, musste Rießle natürlich vorher noch die Schanze, den Anlauf und den Aufsprunghang präparieren.

Familienleben musste hintenan stehen

Seine Familie hat ihn in dieser Zeit selten gesehen. Seine Frau Antje erzählt, er habe zum Teil zehn Stunden bei Minusgraden an der Schanze gestanden. Hätte mittags schon angerufen, um sich ein bisschen trösten zu lassen, weil Füße und Hände nicht mehr zu spüren waren.

Sohn Finn, auch ein Skisprung-Freak, vergleicht die Vorteile vom Einzeltraining (man müsse nie am Lift oder am Absprungbalken anstehen) mit den Nachteilen (keiner sei da zum erzählen, anfeuern, vergleichen). Und so sind Finn und alle weiteren Skisprung-Kids happy, dass wieder normal mit der ganzen Gruppe trainiert werden darf.

Falls es jedoch nochmal einen Lockdown oder ein Trainingsverbot gibt, sind Rießle und sein Team gerüstet. Lust und Laune der motivierten Nachwuchs-Sportler sind gesichert.

Voller Einsatz an der Schanze belohnt

Diese Arbeit für das Nachwuchsteam Running Dragons hat auch der Deutsche Skiverband (DSV) als "wegweisende Basisarbeit" erkannt - der handfeste Praktiker Philipp Rießle bekam in diesem Oktober die Auszeichnung als "Trainer des Jahres".

Ihm sind Auszeichnungen und Ehrungen ein bisschen peinlich. Als er hörte, dass er als Kandidat für den "SWR Sportheld 2021" vorgeschlagen wurde, sei er erstmal von den Socken gewesen. Er betont, das sei eine große Ehre, aber er stehe nur als Stellvertreter für sein ganzes Team da.

Für die Kinder ist er sowieso schon ein Held. Egal, welches Kind man fragt, immer wieder hört man, Philipp sei immer für sie da, erkläre alles richtig gut, sonst könnten sie ja gar nicht so gut Skispringen. Ganz klar, für die Running Dragons ist er der "beste, coolste, geilste Trainer der Welt".

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