Grafik mit Aufschrift "Unsere Sporthelden" (Foto: SWR)

Andere wieder mobil machen

Rollstuhl-Basketballerin Svenja Mayer - dem Schicksal die Stirn geboten

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AUTOR/IN
Claus-Peter Hufer

Mit 19 Jahren hatte Svenja Mayer einen Fahrradunfall mit einem LKW. Seit diesem Tag sitzt die heute 30-Jährige im Rollstuhl und meistert ihr Leben auf beeindruckende Weise.

54 Operationen retteten ihr Leben

Als die gelernte Friseurin Svenja Mayer 2011 morgens im bayrischen Amberg auf dem Weg zur Arbeit war, wurde sie von einem LKW-Fahrer übersehen. Der Lastwagen rollte über die Hüfte der damals 19-Jährigen, die daraufhin wochenlang um ihr Leben kämpfte.

Am Ende waren es 54 Operationen, die ihr Leben retteten. Ein Leben, das nach dem Unfall fast von vorne begann. Ein ganzes Jahr lag sie im Krankenhaus, musste viele Sachen, fast wie ein Kind, neu lernen. Doch durch ihren unbändigen Willen schaffte es Svenja Mayer so ins Leben zurückzukehren, dass sie gut zehn Jahre später als starke, selbständige und erfolgreiche Frau ihr Leben meistert.

Sie hasste Ballsport

Ihre große Liebe galt schon immer den Pferden, doch nach ihrem Unfall war es schwer, mit dem Reitsport weiterzumachen. In der Reha hatte man ihr mal Rollstuhl-Basketball vorgeschlagen, doch sie hasste Basketball, überhaupt Ballsport! Umso erstaunlicher, dass sie heute Mitglied der Rollstuhl-Basketball-Nationalmannschaft ist!

Der Liebe wegen in Heidelberg

Durch den Basketballsport fand sie ihre heutige Liebe. Der gebürtige Heidelberger Andre Hopp studierte damals in Heidelberg und spielte in der zweiten Bundesliga Rollstuhl-Basketball, und dies, obwohl er ein sogenannter "Fußgänger" ist. In diesem Sport dürfen Gehbehinderte und "Fußgänger" genauso zusammenspielen wie Frauen und Männer. Nur international gelten andere Regeln.

Ein Jahr lang, so sagt heute Andre Hopp augenzwinkernd, sei er Svenja hinterhergerannt, ein Jahr lang erhielt er nur Körbe. Inzwischen sind die beiden seit Ende 2015 zusammen, bauen gerade ein gemeinsames Haus und planen ihre Zukunft. Auch die Hochzeit scheint nicht in allzu weiter Ferne.

In Heidelberg reifte Svenja Mayer zur Basketball-Nationalspielerin. Am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar gehörte sie ab 2017 dem Team Tokio an. Beste Vorbereitung also auf die paralympischen Spiele 2020 in Tokio, die durch die Pandemie erst diesen August stattfinden konnten.

Am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar gereift

Svenja Mayer wurmt das Abschneiden ihrer Mannschaft in Tokio noch heute. Im Spiel um Platz drei unterlag das deutsche Team den USA. Die verpasste Medaille war ärgerlich, aber Ansporn zugleich. In drei Jahren in Paris soll es ein Platz auf dem Treppchen werden, der Traum vom paralympischen Edelmetall ist noch lange nicht ausgeträumt.

Inzwischen wohnt sie in Wiesbaden und spielt dort, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, in der ersten Bundesliga bei den Rhine River Rhinos. Ein Angebot, dass sie nicht absagen konnte.

Die gute Seele der BG Unfallklinik

Ihre Woche ist mit mehreren Trainingseinheiten sowie mit Physio-Terminen streng durchgetaktet, doch über den Olympiastützpunkt in Heidelberg kam sie vor nicht allzu langer Zeit an ein Ehrenamt, das sie von ganzem Herzen gerne macht. Einmal die Woche fährt Svenja Mayer nach Ludwigshafen. Dort hilft sie in der Unfallklinik verletzten Patientinnen und Patienten mit ihrer neuen Situation besser umzugehen. Sie ist psychische Stütze für viele, die nach ihrem Unfall nicht mehr gehen können, aber steht ihnen auch in allen anderen Lebensfragen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

In dieser Klinik ist sie zum einen die gute Seele für viele frisch Verunfallte. Aber sie steht auch durch ihr eigenes Schicksal als Vorbild da, als positives Beispiel, das zeigt, was aus einem Leben, das mit 19 Jahren quasi von vorne begann, alles werden kann.

Svenja Mayers unglaublicher Lebensmut, ihre positive Art und der Drang, alle Steine aus dem Weg zu räumen, ist beeindruckend. Sie erleichtert Ärzten, Physio-Ergotherapeuten in der Klinik die tägliche Arbeit und schenkt Patientinnen und Patienten Mut, wo gerade keiner vorhanden ist. Svenja Mayer ist eine Rollstuhl-Basketball-Nationalspielerin, die den Titel "Sportheldin" absolut verdient!

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