Turnbeutel hängen an Kleiderhaken (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Inderlied/Kirchner-Media | Inderlied/Kirchner-Media)

Sport | Bildung

Schulsport in BW: Aktionswoche für Toleranz und Vielfalt

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AUTOR/IN
Martin Maibücher

Vom 19. bis 26. Juli findet in Baden-Württemberg die Schulsportaktionswoche statt. Rund 700 Schulen nehmen an der Aktion teil, vermittelt werden sollen vor allem Werte wie Toleranz und Fairness.

Was ist Sport? Diese auf den ersten Blick einfache Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ist Sport nur die reine körperliche Betätigung? Oder ist Sport mehr als Bewegung und Schwitzen? Prof. Dr. Claus Tiedemann, Sportwissenschaftler aus Hamburg, schlägt folgende Definition vor:

"Sport ist ein kulturelles Tätigkeitsfeld, in dem Menschen sich freiwillig in eine Beziehung zu anderen Menschen begeben, um ihre jeweiligen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Bewegungskunst zu vergleichen - nach selbst gesetzten oder übernommenen Regeln und auf Grundlage der gesellschaftlich akzeptierten ethischen Werte."

Laut dieses Vorschlags einer Definition sind das Miteinander und zwischenmenschliche Werte zentrale Bestandteile des Sports. Unter dem Motto "Für Verständigung und gegenseitige Toleranz - mach mit!" sollen in der Schulsportaktionswoche in Baden-Württemberg genau diese Aspekte an die Schülerinnen und Schüler vermittelt werden.

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Eine von rund 700: Die Heinz-Barth-Schule in Karlsruhe-Grünwettersbach

Rund 700 Schulen beteiligen sich an der Aktion, die über den Sport für Fairness, Toleranz und Verantwortung wirbt. Eine davon ist die Heinz-Barth-Schule in Karlsruhe-Grünwettersbach. Schulleiter Klaus Albrecht betont gegenüber SWR Sport die vielschichtige Bedeutung des Sports für die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. "Wir haben zweieinhalb Jahre Pandemie hinter uns. Natürlich ist Bewegung wichtig. Aber es geht nicht nur ums Schwitzen. Es geht um Vielfalt, um Toleranz und so viel mehr. Und schon in der Grundschule muss man lernen, Verantwortung zu übernehmen. Es geht nicht nur um einen selbst, sondern auch um die Mitmenschen."

Dass diese Werte bereits in jungen Jahren gelehrt werden, zahlt sich für die einzelnen Schülerinnen und Schüler sowie für die Gemeinschaft aus. Constantin Gerhardt, Schüler der 3b an der Grundschule in Grünwettersbach, sagt: "Sport heißt für mich auch, sich gegenseitig zu helfen. Auch damit andere besser werden können."

Projekte, Wettbewerbe, Turniere

Die teilnehmenden Schulen organisieren bewusst im Zeitraum zwischen dem 19. und 26. Juli kleine oder große Sportprojekte, Schulsportwettbewerbe oder Schulturniere, Schulsportfeste, Bundesjugendspiele, Sportabzeichenabnahmen oder Sportexkursionen.

Laut Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) werden mit der Aktionswoche circa 130.000 Kinder und Jugendliche erreicht. "Gerade nach Corona ist es wichtig, dass sich die Kinder wieder bewegen können und dürfen", sagt Schopper. Die Ministerin betont danach, dass es um mehr gehe als die reine Bewegung. "Die Werte, die im Sport gelebt werden, sind ein Stück weit das Klebemittel unserer Gesellschaft. Und der Sport lebt sie in beispielsloser Weise vor."

Prominente Botschafter: Toni Kroos, Frank Stäbler, Nico Müller

Die Aktionswoche, die vom Kultusministerium der baden-württembergischen Landesregierung initiiert wurde, erhält prominente Unterstützung. Per Videobotschaft hat sich unter anderem Fußballstar Toni Kroos von Real Madrid gemeldet. Der Weltmeister von 2014 sagt darin: "Werte waren für mich schon immer wichtig - sie zu lernen, sie weiterzugeben." Vor allem im Teamsport sei es wichtig, "sich unterordnen, sich akzeptieren und zusammenstehen" zu können. Deshalb glaube er, dass der Sport "ein super Vorbild für die Gesellschaft sein kann." Genau aus diesem Grund teile er "die Werte der Schulsportaktionswoche wie Vielfalt und Fairness" und er plädiere immer dafür, "dass die Kids und Jugendlichen rausgehen und Sport machen, anstatt drinnen zu sitzen."

Neben Toni Kroos äußerten sich auch der ehemalige Top-Ringer Frank Stäbler (Musberg) und Gewichtheber Nico Müller (Mosbach) zur Aktionswoche. "Alles was ich heute bin, habe ich dem Sport zu verdanken", erzählt Stäbler in seiner Videobotschaft. Er habe durch den Sport gelernt, mit Niederlagen umzugehen und seine Ängste kontrollieren zu können. So konnte er "die beste Version von ihm selbst werden", sagt Stäbler weiter, bevor er sich direkt an die junge Generation wendet: "Das wünsche ich euch auch: Durch den Sport den eigenen Champion tief in euch drin zu wecken."

Nico Müller, zweimaliger Europameister im Gewichtheben, sagt: "Sport kann jeder machen. Ob klein, groß, dick, dünn, mit Handicap oder ohne Handicap." Besonders wichtig sei ihm, dass man durch den Sport den "respektvollen Umgang" mit seinen Mitmenschen erlernen kann. Dieses Ziel verfolgt auch die Schulsportaktionswoche, die noch bis zum 26. Juli andauert.

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