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Um die Faszienrolle hat sich längst ein Hype entwickelt: Sie soll das Bindegewebe stärken, chronische Schmerzen heilen und einen sogar jünger machen. Doch was ist dran am Hype um die Hartschaumrolle?

Wie die Faszienrolle funktioniert

Faszien sind die Hüllschichten unserer Muskulatur. Man kann sie sich vorstellen wie eine zweite Haut, die unser Muskelsystem verpackt. Eine Art Netz, das unseren Körper umspannt. Wenn diese Schichten verkleben oder nicht richtig arbeiten, verursachen sie Schmerzen. Die Faszienrollen sollen diese Verklebungen wieder glätten und damit den aufwendigen Weg zu einem Physiotherapeuten ersetzen. Die Hartschaumrolle ist längst kein Geheimtipp mehr. Sie hat ihren festen Platz in der Behandlung von muskulären Problemen eingenommen. Gerade in Corona-Zeiten scheuen viele den Weg in eine Praxis und greifen auf solche Selbsthilfe-Maßnahmen zurück.

Wissenschaftlich ist die Funktionsweise der Faszienrolle umstritten. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich die Flexiblität der Gelenke kurzfristig erhöht. Auch Muskelkater- und Rückenbeschwerden können subjektiv verringert werden. Wie genau die Rolle diese Effekte aber erzielt, ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Eine weitere Theorie ist die Schmerz-Überlagerung: Durch den Reiz, den die Faszienrolle auf das Gewebe ausübt, wird der Ursprungs-Schmerz überdeckt.

Die richtige Anwendung ist entscheidend

Dauer, Druck und Geschwindigkeit sind entscheidend, wenn man die Rolle im Einsatz hat. Hier gilt: Weniger ist mehr. Mit moderatem Gewicht und langsamer Geschwindigkeit arbeitet man Schritt für Schritt die betroffene Muskulatur ab. Nur so ist der Abtransport von Gewebeflüssigkeit möglich. Wem der Druck auf die Muskulatur zu schwach ist, kann das Gewicht auf die Rolle mit Auflegen des zweiten Beins oder Arms erhöht werden. An verspannten Stellen sollte man länger verharren, an lockeren Partien kann man gleichmäßig weiterrollen.

Wichtig ist es, sich auf Muskulatur und Weichteile zu konzentrieren. Knochen, Sehnen und Bänder sollte man weitestgehend aussparen. Die Faszienrollen gibt es mittlerweile in verschiedenen Varianten, oft auch mit Aussparungen für die Knochen und Sehnen. Darüber hinaus darf die Rolle nicht zu hart sein, sondern sollte eine kleine Pufferzone beinhalten. Grundsätzlich gilt: Niemals im schmerzhaften Bereich mit der Rolle arbeiten.

Auch für den Rücken kann die Rolle angewendet werden, solange die Rückenmuskulatur ausgeprägt genug ist, dass die Wirbelsäule nicht traktiert wird. Hier kann es zu Beginn hilfreich sein, an einer Wand mit moderatem Druck anzufangen. Durch die Neigung kann die Intensität individuell bestimmt werden. Falls die Wirbelsäule zu viel Druck abbekommt, sollte eine Variante mit einer Aussparung in der Mitte verwendet werden, um sich nicht zu verletzen.

Das muss beachtet werden

Akute Verletzungen, Gelenke und Knochen sollten mit der Faszienrolle nicht oder nur unter physiotherapeutischer Anleitung bearbeitet werden. Sonst droht die Gefahr, dass sich die Verletzung verschlechtert und Mikrorisse auftreten können. Kritisch sind vor allem knöcherne Regionen, die direkt unter der Haut liegen: Schienbein, Wadenbein oder der Hüftknochen sind tabu. Vor der ersten Anwendung ist es deshalb ratsam, sich bei einem erfahrenen Therapeuten beraten zu lassen.

Vor allem für verkalkte Gefäße und thrombosegefärdete Anwender sollte der Einsatz der Rolle mit einem erfahrenen Physiotherapeuten abgesprochen werden. Denn bei falscher Anwendung können Gefäße beschädigt werden oder sich sogar Blutgerinsel lösen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man mit der Rolle ausschließlich in eine Richtung - zur Körpermitte hin - arbeiten. Auch der Druck der Rolle sollte schrittweise gesteigert werden. Lieber zu vorsichtig, als zu übermotiviert beginnen.

So fühlt sich die Rolle an

Mit einer Wellness-Massage hat die Faszienrolle nur wenig gemein. Sie ist dafür gedacht, Verspannungen zu lösen und tief in das Gewebe einzudringen. Deshalb kann sie auch etwas unangenehm sein, starke Schmerzen dürfen dabei jedoch nicht entstehen. Mit dem richtigen Druck sollte man spüren, dass auch tiefere Gewebeschichten erreicht werden. Ob man die Therapie als angenehm oder unangenehm empfindet, ist aber immer subjektiv.

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