STAND
REDAKTEUR/IN

Gabriel Clemens hat bei der Darts-WM in London den Weltmeister aus dem Turnier befördert und steht im Achtelfinale. Sein Bundesliga-Klub, der Dartverein Kaiserslautern fiebert mit.

Nach seinem sensationellen Triumph gegen Weltmeister Peter Wright kämpfte Gabriel Clemens noch auf der Bühne im legendären Ally Pally mit den Freudentränen. "Ich fühle mich ziemlich leer, bin aber total glücklich", sagte der "German Giant", der deutsche Riese, mit knallroten Wangen und feuchten Augen völlig überwältigt. Erster Deutscher im Achtelfinale einer Darts-WM, dazu den haushoch favorisierten Titelverteidiger eliminiert. In Kaiserslautern freut man sich über den Erfolg des Teamkameraden aus der Bundesliga-Mannschaft.

"Wir drücken ihm alle die Daumen. Schade ist nur, dass es nicht wie im vergangenen Jahr ein Public Viewing in der Kneipe geben kann, sondern jeder für sich vorm Fernseher mitfiebert."

Präsident des Dartvereins Kaiserslautern Ralf Brisch

Größter Sieg der Karriere

In einem hochklassigen Duell, das einer Achterbahn der Gefühle glich, schaltete "Gaga" den Paradiesvogel aus Schottland mit 4:3 aus und schrieb in seinem zweiten Profijahr bereits deutsche Darts-Geschichte. Ein Millionenpublikum war im TV live dabei, als Clemens im entscheidenden Satz die Nerven behielt und den entscheidenden, letzten Dart in der Doppel-16 versenkte

"Er war der Weltmeister, ich war der Außenseiter. Für mich war die dritte Runde schon ein Erfolg."

Gabriel Clemens geschockt nach seinem Sieg gegen Wright

An ein solches Ergebnis hatte Clemens, als er zu "Wonderwall" von Oasis in die weitgehend verwaiste Arena einmarschierte, kaum zu glauben gewagt. Nun feierte der fast zwei Meter große "Gigant" vom Dartverein Kaiserslautern den größten Sieg seiner Karriere, nachdem er Heiligabend mit seiner Freundin Lisa gefangen in einem Londoner Hotel verbringen musste - und eine Trainingseinheit mit seinem österreichischen Kumpel Mensur Suljovic eingelegt hatte.

Schub für den Darts-Sport

Der unerwartete Erfolg von Clemens, der in den vergangenen beiden Jahren nie über die zweite Runde hinausgekommen war, wird auch dem deutschen Darts-Sport einen Schub geben. Bereits das erste deutsche WM-Duell gegen Talent Nico Kurz (23) konnte sich vom Niveau her sehen lassen. "Respekt, fettes Ausrufezeichen für dich und Darts-Deutschland", gratulierte auch Max Hopp, den Clemens zuletzt als deutsche Nummer eins abgelöst hatte. Gegen Wright überzeugte er vor allem mit seiner Quote auf die Doppelfelder, fast die Hälfte seiner geworfenen Pfeile fanden den Weg ins Ziel, beim Weltmeister waren es nur 32 Prozent. Der Erfolg von Gabriel Clemens ist gut für den Dartsport in Deutschland, glaubt auch Ralf Brisch, der allerdings auch ein wenig einschränkt:

"In Deutschland kann man als Profi nicht von dem Sport leben. In der Bundesliga spielt Gabriel Clemens deshalb nur noch, wenn er Zeit hat und nicht im Ausland auf der Profitour unterwegs ist."

Präsident des Dartvereins Kaiserslautern Ralf Brisch

Achtelfinale muss noch nicht der Schlusspunkt sein

Die wundersame WM-Reise von Clemens könnte indes weitergehen. Jetzt trifft der gebürtige Saarländer, der noch immer beim Darts-Bundesligisten DV Kaiserslautern gemeldet ist, auf Krzysztof Ratajski aus Polen. Auch die Nummer 15 der Welt ist unangenehm zu bespielen - und nicht unschlagbar. Im Juli zog Clemens beim World Matchplay in Milton Keynes gegen Ratajski allerdings den Kürzeren. Sicher ist dem saarländischen Sportler des Jahres aber schon jetzt ein Preisgeld von umgerechnet knapp 39.000 Euro. Damit belohnte sich Clemens mit einem verspäteten Weihnachtsgeschenk, nachdem er auf den geplanten Blitzbesuch bei den Eltern in Saarlouis aufgrund des Corona-Lockdowns verzichten musste.

STAND
REDAKTEUR/IN