Fechten | Karriereende

Gestrandet auf der Trauminsel - das neue Leben der Monika Sozanska

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Eigentlich wollte sie nur zehn Tage Urlaub auf Bali machen. Inzwischen ist Degenfechterin Monika Sozanska schon zehn Monate dort. Sie hat ihr Leben komplett verändert. Die Schorndorferin hat ihre erfolgreiche Karriere beendet und plant neue Projekte.

"Das Leben hier ist sehr frei. Alles ist offen, die Strände, die Restaurants, man kann reisen, es werden Partys veranstaltet. Beim Einkaufen trägt man natürlich eine Maske, aber sonst nicht." Monika Sozanska erzählt am Telefon von ihrem Leben auf Bali, als hätte es Corona nie gegeben. "Ich lebe hier wie im Traum," fügt sie hinzu und macht den Autor dieses Artikels zutiefst neidisch. Dabei hatte sie eigentlich alles anders geplant, als sie im März auf der Insel im Indischen Ozean angekommen war. Die 37-Jährige wollte einfach nur für zehn Tage entspannen und dann in ihre neue Fecht-Saison starten.

Keine Flüge mehr zurück

Aber dann kam die Corona-Pandemie - und das Leben der mehrmaligen WM-Medaillengewinnerin im Degenfechten änderte seinen Kurs. Sozanskas Rückflug nach Deutschland wurde gestrichen. Sie entschied sich kurz darauf, das von der Bundesregierung organisierte Flugzeug zurück nach Deutschland nicht zu nehmen. "Ich dachte, ich fliege einfach zwei Wochen später", erinnert sie sich. Doch plötzlich gab es keine Flüge mehr. Sie steckte fest auf der Insel, die zu Indonesien gehört.

Raus aus der Komfortzone

Sozanska nutzte die Zeit, um ihr Leben zu reflektieren. Zunächst fiel es ihr schwer, die Ruhe auszuhalten. Sie war es nicht gewohnt, plötzlich so viel Zeit und Muße zu haben. "Ich habe erst lernen müssen, ruhiger zu werden und kein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich nichts tue. Das hat ziemlich lange gedauert." Die Fechterin, die von 2004 bis 2013 für den SB Heidenheim startete, dachte viel nach, spürte viel in sich rein. Plötzlich kam ihr der Gedanke: Wie wäre es eigentlich, wenn ich mit dem Leistungssport aufhöre und aus meiner Komfortzone ausbreche? "Mein Leben als Profi-Sportlerin war sehr durchgetaktet. Du lebst wie in einem Hamsterrad. Trainingspläne, klarer Zeitplan, Wettkämpfe, Druck. Du lebst streng nach diesen Vorgaben und jagst den sportlichen Zielen nach. Es bleibt aber nicht viel Zeit, um über andere Möglichkeiten, die das Leben bietet, nachzudenken."

Tränen am Strand

Auf Bali tat sie genau dies und entschied im Juli, ihre Profikarriere als Sportlerin zu beenden. 26 Jahre hatte sie dem Fechtsport gewidmet. Sie wurde Deutsche Meisterin, holte Medaillen bei EM und WM, gewann 2005 ein Weltcup-Turnier. Ihre Bilanz ist durchweg positiv. "Auch wenn einige Situationen mit Schmerzen und Tränen verbunden waren, war es für mich eine lehrreiche und spannende Zeit. Ich konnte mein Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf machen. Ich habe viel von der Welt gesehen und meine Persönlichkeit weiterentwickelt. Wenn ich auf meine Karriere zurückdenke, bekomme ich Gänsehaut."

Der Abschied fiel ihr schwer. Am Strand flossen immer wieder Tränen. "Ich habe meine große Liebe aufgegeben. Es war, als wenn du in einer sehr langen Beziehung lebst, den Partner schätzt, aber du spürst, es ist Zeit zu gehen und etwas Neues zu wagen." Mitte Oktober machte sie ihren Entschluss öffentlich. Sie will jetzt einen anderen Weg gehen, obwohl sie nicht genau weiß, wohin diese Reise geht. Eins ist sicher: Sozanska, die mit 11 Jahren aus Polen nach Deutschland kam, will ihre eigene Schmucklinie "Mosiks" weiter vorantreiben. Vor drei Jahren hatte sie sie gegründet, nun will sie eine Bali-Kollektion hinzufügen. Außerdem hat sie noch andere Projekte im Kopf.

Weihnachten bei 27 Grad

Inspiriert wird sie auf Bali von vielen Menschen. Leute, die nicht aus der Sportwelt kommen und einen anderen Blick aufs Leben haben. Sie hat viele "digitale Nomaden" auf der Insel kennengelernt. Coole Typen, die mit ihrem Laptop ihre weltweiten Geschäfte abwickeln. In einer digitalisierten Welt ist dies auch von Canggu aus möglich. Der Ort liegt im Südwesten der Insel. Sozanska wohnt dort in einer Villa, nur 200 Meter vom Strand entfernt. Auch wenn momentan Regenzeit ist, liegen die Temperaturen bei 27 Grad. Ein Klima, das die Corona-Viren nicht mögen. Überhaupt sind die Infektionszahlen auf Bali sehr überschaubar. Mit seinen 4,2 Millionen Einwohnern hat die Insel bis heute nur knapp 14.000 Infektionen und 431 Todesfälle seit Beginn der Pandemie zu beklagen. Das Durchschnittsalter der Einwohner beträgt 27 Jahre.

180 Grad-Wende - und dabei glücklich

Eigentlich wollte Sozanska an Weihnachten zurück nach Deutschland zu ihrer Familie. Angesichts der Situation in der Heimat wird sie aber auf jeden Fall bis Jahresende auf Bali bleiben. Dann feiert sie eben mit ihren neu gewonnenen Freunden - womöglich auch mit dem Stuttgarter Rapper Cro, der ebenfalls seit Februar auf der Insel lebt.

Sozanska hat in den vergangenen Monaten gelernt, dass das Leben nicht immer planbar ist. Manchmal schüttelt es einen urplötzlich durch. Dann ist nichts mehr wie vorher. So wie bei Monika Sozanska. "Ich erlebe derzeit eine 180-Grad-Wende in meinem Leben", sagt sie und hört sich ziemlich glücklich an.

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