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Nach den Corona-Einschränkungen im Frühjahr werden die Fitnessstudios im November wegen der Corona-Pandemie erneut geschlossen. Eine schwierige Situation für die Branche.

Alex Stampoulidis wirkt regelrecht schockiert. "Nein, damit haben wir nicht gerechnet", sagt der Fitnessstudio-Betreiber aus Schorndorf mit leiser Stimme gegenüber SWR Sport, "ich bin sehr geknickt, das ist unverständlich und wir können die Entscheidung auch nicht richtig nachvollziehen. Wir hätten nicht gedacht, dass das noch einmal passiert".

Auch bei Frank Fleischer vom Fitnessstudio Puls in Stuttgart-Vaihingen waren "Frust, Schock und Unverständnis" die ersten Reaktionen nach der politischen Entscheidung vom Mittwoch. Der erneute Lockdown mit der vorübergehenden Schließung aller Fitnessstudios im November hat alle Beteiligten bis ins Mark getroffen und macht jetzt allen schwer zu schaffen.

Fitnessstudios werden wie Spielhallen eingestuft

Alex Stampoulidis spricht in seiner Rolle als 1. Vorsitzender des Fitnessverbandes Baden-Württemberg für alle Studios im Land: "Bei allem Verständnis für die Corona-Maßnahmen im Sinne der Gesundheit", so Stampoulidis, "wir stehen mit dem Fitnesssport doch auch für Gesundheit, für Prävention und Rehabilitation. Das ist wichtig, da kann man doch nicht alle nach Hause schicken". Immerhin 9.000 Fitness-Clubs mit 12 Millionen Mitgliedern gibt es in ganz Deutschland, "und dann werden wir in der Rubrik Freizeit genauso wie Spielhallen eingestuft. Das darf doch nicht sein".

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Wichtige soziale Kontakte in den Studios

Es gehe auch nicht nur um die körperliche, sondern auch "um die psychische Gesundheit, die tagtäglichen sozialen Kontakte", verweist Frank Fleischer vom Fitnessstudio Puls aus Stuttgart-Vaihingen auf "das Fitnessstudio als zweites Wohnzimmer für viele unserer Mitglieder". Es gäbe auch zahlreiche Corona-Risikopatienten mit Bluthochdruck oder Diabetes, die sich in den Studios mit präventivem Training ihre gesundheitlichen Grundlagen erarbeiten "und die ihnen jetzt wieder genommen werden", so Fleischer im Gespräch mit SWR Sport.

Auch Birgit Schwarze, die Präsidentin des Deutschen Arbeitgeberverbands für Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) spricht von "Entsetzen in der Branche. Selbst das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt ja, auf Sport und Ernährung zu achten, um der Pandemie die Stirn zu bieten". Statt dessen werde man jetzt wieder komplett ausgeschlossen: "Wir sind restlos enttäuscht, dass sich das so entwickelt hat".

Wie lange wird der erneute Lockdown dauern?

Studiobetreiber Alex Stampoulidis erwartet große finanzielle Schäden: "Das wird viel schwieriger als im Frühjahr", prophezeit der Schorndorfer, der davon ausgeht, dass die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland so schnell nicht wieder nach unten gehen wird: "Im März war auch erst von vier Wochen Lockdown die Rede, am Ende waren es für unsere Studios in Baden-Württemberg zweieinhalb Monate".

Eine harte Zeit. Viele Unternehmen hätten seither viel Geld in Hygiene-Maßnahmen investiert, hätten Kredite aufgenommen, um die schweren Monate mit hohen Fixkosten zu überstehen. Und jetzt das erneute Horror-Szenario: "Vielleicht hätte man es bei uns erst einmal mit kleineren Einschnitten versuchen können", sagt der Fitness-Verbandsvorsitzende von Baden-Württemberg, "beispielsweise die Zahl der Trainierenden begrenzen, oder wie im Frühjahr Kabinen und Duschen schließen". Statt dessen werde jetzt "alles übers Knie gebrochen", zeigt sich Stampoulidis tief enttäuscht.

Viele Studios könnten Pleite gehen

Birgit Schwarze vom DSSV ("Das ist ein schwerer wirtschaftlicher Schaden") und Alex Stampoulidis befürchten, dass viele Fitnessstudios den zweiten Lockdown finanziell nicht überleben werden, zumal die Zahl der Kündigungen steigt, während es seit Monaten kaum noch neue Mitglieder gibt: "Viele haben Bedenken, dass sie die Beiträge längere Zeit umsonst zahlen, viele Mitglieder haben auch Angst, sich zu infizieren", so Stampoulidis.

"Fitnesssport kein Corona-Treiber"

Dabei hätten sich die Studios seit Ausbruch der Pandemie keinesfalls als Corona-Hotspots erwiesen. "Von unseren rund 1.000 Mitgliedern wurde kein einziger positiver Corona-Fall gemeldet", sagt Frank Fleischer von Puls in Stuttgart-Vaihingen. "Wir sind nicht Treiber der Zahlen", bestätigt Birgit Schwarze vom DSSV, "es ist erwiesen, dass die Fitnessstudios keinen Anlass zur Besorgnis bieten. Wir würden uns freuen, wenn man das mal begreifen würde".

Die Vorsitzende des Arbeitgeberverbands DSSV erwartet jetzt, "dass es die Politik mit den finanziellen Hilfen auch wirklich ernst meint und sie auch bei den Betrieben ankommen und man nicht nur vor den Mikrofonen alles mögliche verspricht". Immerhin gehe es im Fitness-Bereich auch um rund 250.000 Arbeitsplätze.

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