Kein Schnee im Schwarzwald (Foto: IMAGO, IMAGO / EIBNER)

Wintersport | Schneearmut

Karlsruher Klimaforscher: "Es sieht düster aus für den Wintersport im Südwesten"

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Kersten Eichhorn

Der Wintersport leidet in diesem Januar unter extremer Schneearmut. Im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb stehen die Lifte still. Und es wird nicht besser, prophezeit der Karlsruher Klimaforscher Dr. Hans Schipper vom Institut für Technologie im Gespräch mit SWR Sport.

SWR Sport: Herr Dr. Schipper vom Süddeutschen Klimabüro des Karlsruher Instituts für Technologie, grüne Hänge im Schwarzwald und auf der Alb, in allen Mittelgebirgen des Südwestens stehen die Lifte still. Ist das eher eine saisonale Schwankung oder vielmehr ein beängstigender Trend?

Dr. Hans Schipper: Auf jeden Fall steckt da ein Trend dahinter. Wenn man sich die Daten und Beobachtungen der letzten Jahre und Jahrzehnte anschaut, dann sieht man, dass es jedes Jahr immer weniger Schnee und immer weniger niedrige Temperaturen gibt. Das ist nicht jedes Jahr gleich, aber wenn man eine längere Periode anschaut, was man in der Klimatologie immer macht, dann sieht man, dass es jedes Jahr im Schnitt weniger Schnee und weniger tiefe Temperaturen gibt.

Waren früher die Winter hier im Südwesten tatsächlich weißer?

Ja, die waren tatsächlich weißer. Es ist schon so, dass es zwar im Winter in Folge des Klimawandels öfter regnet. Da könnte man jetzt denken, das ist schön, weil es dann mehr schneit. Aber in Kombination mit den höheren Temperaturen gibt es den Niederschlag als Regen und nicht als Schnee. Wir haben zwar nasse Winter, aber keine schneereichen Winter. Das war früher öfters der Fall. Über lange Zeit gesehen, erkennt man, dass die Winter inzwischen weniger weiß sind als früher.

Das heißt, die Schneearmut liegt nicht an fehlender Feuchtigkeit, sondern an den zu hohen Temperaturen?

Die Schneefallgrenze steigt mit den höheren Temperaturen an. Die Rheinebene wird wärmer, der Schwarzwald wird wärmer. Die Folge ist, dass generell die Temperatur über ganz Südwestdeutschland ansteigt und die Schneefallgrenze immer weiter nach oben geht. Es wird zwar noch kalte Jahre mit niedriger Schneefallgrenze und viel Feuchtigkeit geben. In Zukunft wird aber die Schneefallgrenze immer höher steigen, das zeigen die Messungen eindeutig. Damit wird es irgendwann selbst auf den Höhen des Schwarzwaldes keinen Schnee mehr geben.

Düstere Aussichten also für den Wintersport und die Wintersportler hierzulande?

Es sind sicherlich keine positiven Nachrichten. Es wird zwar immer wieder Winter geben, an denen Wintersport möglich ist. Die Langzeitplanung von Winterurlaub und Wintersport-Events wird aber immer schwieriger. Es wird eher dahingehen, den Wintersport kurzfristiger zu planen. Was aber für Events sehr schwierig ist. Man muss dann an andere Orte ausweichen oder eine andere Art von Sport ausüben.

Was bedeutet das für die Wintersportorte im Südwesten?

Die müssen umdenken. Die machen das aber auch schon, das ist keine neue Information, weil viele Wintersportorte bereits den Klimawandel spüren und darauf reagieren. Beispielsweise mit Schneekanonen und mit Kunstschnee. Aber das hat auch seine Grenzen, weil die Schneekanonen bei plus zehn Grad nicht mehr produzieren können. Ganz davon abgesehen, dass sie viel Strom und Wasser verbrauchen. Deshalb wird es künftig immer mehr Kurzfrist-Urlauber geben, die freitags schauen, wo kann man am Wochenende hinfahren, wo hat es Schnee. Die Orte müssen Alternativen anbieten, beispielsweise Wellness, um den Tourismus zu behalten. Der Schwarzwald kann sich nicht mehr hundertprozentig auf den Wintersport konzentrieren.

Apropos Schneekanone und Kunstschnee, wo liegen da die Grenzen für die Zukunft?

Wenn die Temperatur immer weiter hoch geht, hat das auch keine Zukunft. Auch Kunstschnee schmilzt über null Grad. Und bei der Erzeugung des Kunstschnees braucht man mindestens minus zwei, drei Grad Kälte, am besten noch weniger. Bei plus fünf Grad entsteht bei den Kanonen kein Schnee, denn es ist immer noch ein natürlicher Prozess.

Dr. Schipper, ab welcher Höhenlage lohnt es sich überhaupt noch für einen Wintersportort, in Lifte, Bahnen oder Schneekanonen zu investieren?

Langristig ist das im Schwarzwald sehr schwierig. Auf den hohen Gipfeln wie dem Feldberg könnte das in den nächsten Jahrzehnten vielleicht noch gehen. Aber die Bereiche werden immer weniger und kleiner, wo künftig Wintersport noch möglich ist. Es tummeln sich dort dann aber immer mehr Leute, das ist auch eine Umweltbelastung. Die Belastung für die einzelnen Betriebe im Hochschwarzwald wird immer höher. Für die niedriger gelegenen Skigebiete im Schwarzwald und im Südwesten Deutschlands wird es immer schwieriger, da muss man sich Alternativen überlegen.

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Gilt das auch für die Alpen, oder gibt es da günstigere klimatische Strömungen?

Die Alpen sind natürlich höher, da gibt es auch Gletscher, die aber immer kleiner werden. Zwischen 2.000 und 3.000 Meter wird es schon noch die Möglichkeit zum Skifahren geben. Es wird aber immer weniger Orte geben, die dadurch mit immer mehr Leuten auch immer stärker belastet werden. Auch in den Alpen wird es in den Tälern immer schneller und immer länger grün bleiben. Das wird für den ganzen Wintersport auch in den Alpen, mit Verzögerung im Vergleich zu Südwestdeutschland, in Zukunft eine ganz große Herausforderung werden.

Was ist die Höhenlage, in der Wintersport künftig noch gut betrieben werden kann?

Also man muss inzwischen schon über 1.500 Meter gehen, vielleicht sogar auf 2.000 Meter, um eine Schneesicherheit zu haben. Und dafür gibt es nicht sehr viele Orte.

Ist eine Trendumkehr in Sachen Wärme und Klima überhaupt denkbar und möglich?

Eine Trendwende ist leider nicht absehbar. Die Gegebenheiten, die für einen Temperaturanstieg gesorgt haben, zum Beispiel die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die zeigen alle nur in eine Richtung. Und das sorgt dann eben dafür, dass wir global einen Temperaturanstieg von 1,1 bis 1,2 Grad Celsius haben, was dann auch regional große Auswirkungen zeigt. Solange dieser Trend nicht geändert wird, wird sich auch nichts am Anstieg der Schneefallgrenze ändern. Und dann sieht es für den Schnee, den Wintersport und die Wintersport-Events im Südwesten in den nächsten Jahrzehnten leider sehr düster aus.

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Kersten Eichhorn