Der SC Sand will auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen.  (Foto: imago images, Eibner)

Fußballerinnen | Bundesliga

Spenden für Flutlicht: Wie der SC Sand um den Verbleib in der Bundesliga kämpft

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Die Fußballerinnen des SC Sand kämpfen nicht nur sportlich um den Klassenerhalt. Für die Bundesliga braucht der Klub eine Flutlichtanlage und will die mit einer besonderen Kampagne finanzieren.

In Sand im Ortenaukreis gibt es eine Bäckerei, eine Kneipe - und Bundesliga-Fußball. Also, wenn es hell ist. Denn eine Flutlichtanlage hat der SC Sand in seinem Stadion nicht, und deshalb auch keine Abendspiele. Das muss sich ändern, denn: "Ohne Flutlicht gibt es keine Bundesliga", erklärt Geschäftsstellenleiterin Jessica Prelle im Gespräch mit SWR Sport. Die Flutlichtanlage ist nur eine von vielen Lizenzierungsauflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die alle Vereine von München über Sand bis nach Potsdam erfüllen müssen.

Das Problem: Das Flutlicht kostet rund eine halbe Million Euro. Zwar wird der Klub dabei von der Gemeinde unterstützt, den größten Teil aber muss der SC selbst aufbringen. "Weil wir alles ein bisschen anders machen als alle anderen, haben wir eine Spendenkampagne ins Leben gerufen", sagt Prelle, die inzwischen auch Teil des Vorstandes, Ansprechpartnerin für Spielerinnen und Verantwortliche ist, kurz: den Laden zusammenhält. Und dann auch noch eine gute Idee für die Kampagne hatte.

Hoodies für das Flutlicht

"Wir wollen zu den Fans", erklärt sie und zeigt mit breitem Grinsen auf den strahlend blauen Hoodie, den sie trägt. Darauf prankt in weißen Lettern: "Licht für den SC Sand." Das Wort "ich" in "Licht" ist noch einmal farblich abgesetzt. Fans und Sponsoren können neben Geldspenden etwa auch den Hoodie kaufen, auf Wunsch und gegen Aufpreis gar mit der Unterschrift des Teams. "Jeder kann Teil dieses Projektes sein", sagt Prelle.

Für Trainer Alexander Fischinger ist das eine "Riesenidee". Auch er trägt den Hoodie mit dem angedeuteten Flutlicht, nicht ohne Stolz und legt Wert darauf, dass er den natürlich selbst bezahlt hat. "Ich hab' da also schon Anteil dran", sagt er und streicht den Schriftzug glatt. Das ist Fischinger wichtig. Dass alle darum kämpfen, dass es auch künftig in Sand Profifußball gibt.

Alle sammeln spenden

Fischinger, der bei seinem ersten Gastspiel als Trainer in Sand 2015 auch erst einmal herausfinden musste, wo der Ort genau liegt, ist angekommen. Im kleinen Dorf unweit der französischen Grenze, im Team und dem Verein. Und er wird nicht müde, für die Spendenkampagne zu werben. "Ich bin da schon sehr direkt, egal wo ich hinkomme", erzählt er, sanft, aber dennoch mit Nachdruck. Im Freundeskreis. Beim Besuch im Grünen Baum, der Kneipe im Ort. Oder nach den Heimspielen, wenn der Coach sich schon einmal unter die Fans mischt, die vor dem Stadion noch ein Bier trinken.

"Das ist auch wieder ein Stück Sand, das gibt es in anderen Vereinen nicht. Da gibt es eine eigene Abteilung, hier machen wir das alles selbst", sagt Fischinger. Und das ist nicht alles: "Ich kenne hier jeden Ordner persönlich." Das liegt auch daran, dass an Spieltagen das ganze Dorf im Stadion ist – entweder auf der Tribüne, beim Ordnungsdienst, im Getränkeverkauf oder der Ticketkontrolle. Der Begriff "Dorfverein" ist in Sand mehr Auszeichnung als Beleidigung. "Die Leute, die hier leben, helfen beim Umzug, fragen, ob jemand ein Fahrrad oder einen Fernseher braucht", verrät Geschäftsstellenleiterin Prelle. "Es ist sehr familiär. Das ist nicht unprofessionell, sondern etwas Besonderes."

Kampf um den Klassenerhalt

Der SC Sand ist aber nicht nur deshalb ein besonderer Bundesligist. "Die Dimensionen sind unglaublich im Vergleich zu anderen Bundesligisten, wo Herrenmannschaften hinten dran sind", findet Coach Fischinger. Damit bildet der Klub eine der wenigen Ausnahmen in der Bundesliga – und hätte ohne Flutlicht genau dort dennoch keine Zukunft. Dazu kommt die sportlich angespannte Situation. Drei Spieltage vor Schluss kann Sand den Klassenerhalt noch schaffen, muss dazu aber einen beachtlichen Endspurt hinlegen und die verbliebenen Partien allesamt gewinnen.

"Ohne Flutlicht gibt es keine Bundesliga."

"Wir sind immer noch dabei und können es noch schaffen. Und daraus ziehe ich meinen Glauben und den habe ich noch nie verloren", sagt Fischinger. Den Glauben ziehen der Coach und sein Team auch daraus, dass ihnen in der vergangenen Saison ein ähnlich spektakulärer Schlussspurt und damit auch der Klassenerhalt gelungen ist. Für Kapitänin Michaela Brandenburg ist genau das der Grund, warum alle noch fest an den Verbleib in der Liga glauben. "Die Stimmung ist gut und euphorisch. So positiv wie es eben geht", verrät sie. Anders, davon ist sie überzeugt, müsse das Team die letzten Spiele auch gar nicht angehen. "Wir müssen einfach optimistisch sein."

Abstieg wäre Einschnitt

Mit dieser Überzeugung sind die Spielerinnen nicht allein: "Ich will eigentlich gar nicht dran denken – Trainer, Team, wir glauben da auch noch alle dran", sagt auch Sascha Reiss. Er ist Sportlicher Leiter beim SC Sand. "Andererseits müssen wir aus sportlicher Sicht natürlich zweigleisig planen. Für die Bundesliga gibt es DFB-Gelder von 350.000 Euro, die würden zum größten Teil wegfallen. Für die 2. Liga gibt es nur ein Zehntel davon – und das müsste man kompensieren."

Zudem gibt es in der 2. Liga mehr Teams und damit mehr Spiele. Das erhöht noch einmal die Kosten. Und dann ist da ja auch noch das Flutlicht – das ist zwar nur in der Bundesliga Auflage für die Lizenzierung, nach dem Saisonende soll sie in Sand aber trotzdem entstehen, unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit. "Das ist ein Bekenntnis", so Reiss. Dass sie in Sand weiter professionellen Fußball spielen wollen. Mit Flutlicht – und in der Bundesliga.

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