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Eine verschärfte Maskenpflicht, Sperrstunden und eingeschränkte Ansammlungen: Seit Montag gilt die Pandemiestufe 3 in Baden-Württemberg. Doch was bedeuten die neuen Maßnahmen für die Fitnessstudios im Land? 

Seit dieser Woche gibt es eine neue Corona-Verordnung in Baden-Württemberg. Auf die Fitnessstudios im Land habe das aber vorerst keine konkreten Auswirkungen, zeigt sich Katia Flore erleichtert. Seit acht Jahren leitet sie ein Fitnessstudio in der Stuttgarter Innenstadt. Für die Studios gelten vorerst weiterhin die Verordnungen des Kultusministeriums und des Sozialministeriums über die Sportausübung vom 8. Oktober. Auch damals habe sich nicht viel verändert, erzählt Flore im Gespräch mit SWR Sport. Die Gruppenkurse seien momentan auf 20 Personen beschränkt, seit Anfang Oktober eben "unter Einhaltung des Mindestabstandes, vorher war es ohne Einhaltung des Abstandes“. Je nach Größe des Raumes werde die Teilnehmerzahl angepasst.

Pumpen unter Hygieneauflagen

Auf der Trainingsfläche des Fitnessclubs sind aktuell einige Geräte gesperrt, damit die Abstände gewährleistet werden können. Katia Flore ist als Clubleiterin gleichzeitig auch die Hygienebeauftragte in ihrem Studio. "Im Großen und Ganzen funktioniert es ganz gut“, zieht sie eine positive Bilanz. Die Kursgeräte würden stündlich desinfiziert und nach jeder Benutzung gereinigt. Ein modernes Lüftungssystem helfe dabei, die Luft im Raum ständig auszutauschen.

In allen Fitnessstudios in der Region gelten nach wie vor auch die allgemeinen Hygienemaßnahmen des Gesundheitsamtes: Dazu zählen unter anderem regelmäßiges Händewaschen und -desinfizieren, die Nies- und Hustenetikette sowie das Einhalten des Mindestabstandes. Eine allgemeine Maskenpflicht existiert hier nicht, Kontakte mit anderen Sportlern sollten auf ein Minimum begrenzt werden. Auch Umkleiden und Saunen sind teilweise wieder geöffnet.

Treue Stammkunden, ausgedünnte Stoßzeiten

Wie überall sonst bekommen auch Katia Flore und ihre Mitarbeiter die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren. Die Sorge vor einem erneuten Shutdown ist groß: "Wir sind darauf vorbereitet, hoffen es aber natürlich nicht“, sagt Flore. Die Stammkundschaft sei größtenteils erhalten geblieben, allgemein kämen aber weniger Besucher zum Training. "Die Besuche zu klassischen Stoßzeiten sind deutlich weniger geworden“, Kurzarbeit und Homeoffice entzerren die Trainingszeiten.

Stephan Zimmer kommt trotz Corona gerne in den Club, er fühlt sich hier "total sicher.“ Der gelernte Purser macht sich bei seinem Besuch "wenig Gedanken, solange sich jeder an die Maßnahmen hält.“ Von Seiten des Fitnessstudios sieht er "ein großes Entgegenkommen."

Sportler, die sich aufgrund der Krise unsicher fühlen und nicht zum Training kommen möchten, haben in dem Studio jedoch zwei Möglichkeiten: Entweder, sie "kündigen die Mitgliedschaft zum nächstmöglichen Termin oder die Mitgliedschaft kann auf eine andere Person übertragen werden“, erklärt die Studioleitung.

"Ein Stück weit das normale Leben erhalten"

Durch die gestiegenen Infektionszahlen fühlen sich viele an die Zeit zwischen März und Mai zurück erinnert: Der Shutdown von nicht systemrelevanten Unternehmen machte den Gang ins Fitnessstudio für neun Wochen unmöglich. Für Alexandros Stampoulidis, erster Vorsitzender des Fitnessverbandes Baden-Württemberg, darf sich dieses Szenario nicht wiederholen: "Wir müssen Möglichkeiten finden, ein Stück weit das normale Leben zu erhalten“, sagt Stampoulidis im Gespräch mit SWR Sport.

Ein erneuter Shutdown? Für den Verband eine ständige Bedrohung

Die erneute Schließung der Studios würde nicht nur die Fitness vieler Kunden bedrohen, sondern auch die Existenz vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fitnesscenter. "Es haben sich noch nicht alle Studios vom ersten Shutdown erholt“, sagt Stampoulidis, der mit seinem Verband Fitnessstudios aus ganz Baden-Württemberg repräsentiert. "Einige mussten aufgeben“, merkt er mit Blick auf die Einrichtungen an, die im Laufe des Jahres ihre Pforten schließen mussten.

Natürlich könnten Studios mit einer "guten Marktsituation“ auch einen zweiten Shutdown überstehen, letztendlich wäre diese Situation aber "nicht mehr tragbar“ für die meisten Fitnesseinrichtungen. Für Stampoulidis wäre ein erneuter Shutdown nicht nur deshalb ein Schritt in die falsche Richtung. "Es ist wichtig zu verstehen, dass die Studios systemrelevant sind“, sagt der Vorsitzende des Fitnessverbands Baden-Württemberg. Regelmäßiges Training könne das "Immunsystem stärken" und somit aktiv Corona entgegenwirken.

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