DFB-Präsident Fritz Keller (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | Meinung

Das Stolpern des DFB-Präsidenten Fritz Keller

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DFB-Präsident Fritz Keller ist mit einem völlig missglückten Nazi-Vergleich über die eigenen Beine gestolpert. Man kann das Stolpern aber noch zu einem guten Ende bringen, meint SWR-Sportredakteur Günther Schroth.

Nazi-Vergleiche gehen nicht - das ist eine Mehrheitsmeinung, der ich mich in voller Überzeugung anschließe. Und Roland Freisler war von all den üblen Nazi-Verbrechern einer der übelsten. Ein sadistischer Geiferer, der Menschen massenhaft in den Tod schickte. Deswegen ist ein solcher Vergleich absolut nicht statthaft.

Aber ich wage an dieser Stelle, der Mehrheitsmeinung einen Umstand entgegen zu halten: Fritz Keller hat sich entschuldigt. Und zwar sofort und umstandslos. Man muss eine solche Entschuldigung einer solch üblen Entgleisung nicht annehmen. Auch der Beleidigte, Rainer Koch, muss das nicht. Ich finde aber, er sollte es.

Bloß nicht unter jeden Stein gucken?

Denn tut er es nicht, werde ich den begründbaren Verdacht nicht los, dass Rainer Koch, der bayerische Verbandspräsident, diese Entgleisung des Fritz Keller jetzt verbandspolitisch auch für die eigene Karriere nutzen will. Und auch, um einen aus dem Weg zu räumen, der mit einer besonderen Vorgabe beim DFB angetreten ist: dort nämlich jeden Stein umzudrehen und bei einem Verband, der von einem Skandal in den nächsten wankt, für Klarheit und Transparenz zu sorgen.

Dass die Landesverbände Kellers Entgleisung verurteilt haben, ist nachvollziehbar. Erkennbar ist aber auch, dass man auf diese Weise einen nachhaltig beschädigt, der, um im Bild zu bleiben, bloß nicht unter wirklich jeden Stein gucken soll.

Noch sind die Aufräumarbeiten beim DFB nicht zu Ende

Für solche Aufräumarbeiten braucht man neben guten Manieren eine Menge guter Nerven. Über die fehlenden Manieren ist Fritz Keller jetzt gestolpert. Daher wünsche ich ihm jetzt wenigstens gute Nerven. Auf Dauer wird Fritz Keller natürlich nicht zu halten sein. Aber er kann, wenn er dem Druck jetzt lange genug standhält, dafür sorgen, das jetzt endlich ganz genau auf den DFB geschaut wird. Auch auf Rainer Koch.

Im Fußball kann einer wie Fritz Keller schnell mal fallen. Er kann aber, während er fällt, noch ganz schnell den entscheidenden Ball zum Sieg reinstolpern. Dem DFB wäre ein solcher Sieg zu gönnen - es wäre endlich ein Sieg der Funktionäre über sich selbst.

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