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Kleinere Sportvereine, die ausschließlich von Mitgliedsbeiträgen leben, kommen offenbar gut durch die Pandemie. Größeren Vereinen hingegen machen die erneuten Corona-Beschränkungen oftmals finanzielle Sorgen. Hilfe gibt es von Land und Bund.

Der Amateur- und Breitensport befindet sich erneut im Lockdown. Hier und da ist der Trainingsbetrieb unter Einhaltung strenger Hygiene-Vorschriften möglich, allerdings nur im Freien, kontaktlos, allein oder zu zweit. Leichtathleten dürften diesen November also relativ gut überstehen, fast alle anderen Sportler*innen hingegen müssen auf ihr liebgewonnenes Vereinsangebot verzichten: Bauch-Beine-Po, Kinderturnen, Handball, Fußball – all das findet nicht statt.

Aber auch wenn aufgrund der aktuellen Corona-Maßnahmen viele Kursangebote ausfallen müssen, verspürt Peter Hertel, Vorstand des Turnvereins im ASV Landau in der Pfalz, eine große Solidarität unter den Mitgliedern: "Das Verständnis war sehr groß im ASV. Da ist ein Zusammenschluss von 19 Landauer Sportvereinen. Das sind etwa viereinhalbtausend Mitglieder. Da sind mir jetzt fünf Fälle bekannt, die aufgrund von Corona gekündigt haben."

Diese Solidarität ist ein starkes Zeichen, hilft aber nicht allen Vereinen unbeschadet durch die Corona-Krise zu kommen. Insbesondere große, mitgliederstarke Vereine, die eigene Sportanlagen betreiben und hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigen, haben mit finanziellen Verlusten zu kämpfen. Beispielsweise der TSV Schott in Mainz. "Bei uns ist es dramatisch, was die Einnahmen betrifft", sagt Till Pleuger, Vorstand des TSV. Der größte Breitensportverein in Rheinland-Pfalz betreibt eine Fußballschule, eine Kindersportakademie, ein Fitnessstudio, bietet Feriencamps an. All diese Zusatzangebote können aktuell nicht stattfinden. Hinzu kommen fehlende Ticket-Einnahmen aus Spielen der Fußball-Regionalliga und der zweiten Hockey-Bundesliga.

Corona-Hilfsprogramm oftmals nicht beantragt

Die laufenden Kosten für die vereinseigenen Sportanlagen aber bleiben bestehen: Verbindlichkeiten in Höhe von 800.000 Euro im Jahr. Geld aus dem Corona-Hilfsprogramm für Vereine des Landes Rheinland-Pfalz hat der TSV Schott noch nicht beantragt. Um dieses Geld beantragen zu können, müssten zunächst alle Rücklagen aufgebraucht sein. "Um hier Geld zu bekommen, musst du praktisch kurz vor der Insolvenz stehen. Soweit ist es zum Glück noch nicht", sagt Pleuger.

Aber nicht nur sein TSV Schott Mainz hat von diesem sogenannten "Landesprogramm Schutzschild für in Not geratene Vereine" bisher kein Gebrauch gemacht. Von den etwa 6.000 Sportvereinen im Land gab es erst 151 Anträge, wovon 53 bewilligt wurden. An diese Vereine wurden 275.000 Euro ausgezahlt. Zwischen drei und vier Millionen Euro stehen laut Landessportbund Rheinland-Pfalz zur Verfügung. Das Programm sollte ursprünglich Ende des Jahres auslaufen, wird nun aber bis 31.12.2021 verlängert.

Kritik von vielen Vereinen

Die Kritik vieler Vereine, dass nur den Vereinen finanzielle Hilfe gewährt wird, die zuvor ihre Rücklagen restlos aufgebraucht haben, blieb von der Politik bislang ungehört. Auch Wolfgang Bärnwick, Präsident Landesportbund Rheinland-Pfalz, hofft auf Nachbesserung im Sinne der Vereine: "Da müssen wir drüber reden. Insgesamt muss das problemloser, schneller und unbürokratischer für die Vereine möglich sein."

Grund zur Hoffnung für Großsportvereine wie dem TSV Schott machen die neuen sogenannten "außerordentlichen Wirtschaftshilfen" des Bundesfinanzministeriums. Dieses insgesamt zehn Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm ermöglicht es Vereinen mit wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben und hauptamtlichen Personal, bis zu 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahr geltend zu machen. "Das hilft uns natürlich. Vorausgesetzt das Geld wird schnell und unbürokratisch ausgezahlt", ist Vereinsvorstand Pleuger zuversichtlich. Allerdings kündigt das Bundesfinanzministeriums auf seiner Homepage bereits an, dass es etwas dauern kann mit der Finanzspritze: "Da die Umsetzung der Einzelheiten einige Zeit in Anspruch nehmen wird, wird die Gewährung von Abschlagszahlungen geprüft", heißt es dort.

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