Bera Wierhake in den Startlöchern (Foto: Julian Tschamke)

Hintergrund | Sporthelden

Weltmeisterin mit Spenderleber

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Bera Wierhake ist Läuferin. Eine sehr erfolgreiche Läuferin. Die 20-Jährige ist vierfache Weltmeisterin über die Mittel - und Langdistanz. Bera wer? Man kennt sie kaum, denn Bera Wierhake ist Weltmeisterin bei den Transplantierten und die laufen leider eher abseits der Öffentlichkeit.

Das Schicksal schlägt schon früh zu

Bereits wenige Wochen nach ihrer Geburt war klar, ohne neue Leber wird Bera Wierhake früh sterben. Sie litt an einer Gallengangatresie, einer seltenen Erkrankung bei Neugeborenen. Unbehandelt führt diese Erkrankung zu einer Leberzirrhose und meist zum Tod innerhalb der ersten Lebensjahre. Ihre Eltern konnten nicht helfen, die Blutgruppe passte nicht. Es dauerte gut neun Monate bis eine passende Spenderleber für Bera Wierhake gefunden wurde.

Mit 15 kam sie zur Leichtathletik

Bis heute lebt die 20-Jährige Öhringerin gut damit. Bis auf die tägliche Einnahme zahlreicher Tabletten hat die lebensfrohe Studentin quasi kaum Einschränkungen.

Sportlich war sie schon immer. Turnen, Ballett, Reiten und auch Fußball spielte sie in ihrer Kindheit. Doch mit 15 veränderte eine Ferienfreizeit für Transplantierte ihre sportliche Laufbahn. Eine Krankenschwester erzählte ihr von Leichtathletik - Meisterschaften für Transplantierte. Bera Wierhake war sofort fasziniert und begann mit dem Training. Nur ein Jahr später gewann sie bei den deutschen Meisterschaften gleich vier Titel. Über 100 m, 200 m, 1500 m und 3000 Meter war sie die Schnellste.

Bei den World Transplant Games 2017 in Malaga hoffte sie insgesamt auf zumindest einen Titel. Am Ende stand Bera Wierhake über 400 m, 800 m, 1500 m und 3000 Meter ganz oben auf dem Treppchen. Dazu zweimal Silber und einmal Bronze. Was für ein Erfolg!

Organspende hat nicht nur ihr Leben gerettet

Inzwischen studiert die Weltmeisterin im dritten Semester an der Deutschen Dualen Hochschule Heilbronn Handel - und Fashion Management und schreibt gerade ihre Zwischenprüfungen. Mit ihrer Spenderleber geht sie offen um. Doch außerhalb von Wettkämpfen hat sie kaum Kontakt zu anderen Transplantierten. Das will sie ändern. Im kommenden Jahr will Bera Wierhake regelmäßig die Uniklinik Essen besuchen, dort hatte auch ihr neues Leben begonnen. Sie will anderen transplantierten Kindern Mut machen, ihnen Hoffnung schenken und ihnen an ihrem Schicksal zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen.

Und sie will auf Organspende in der Gesellschaft aufmerksam machen, denn jedes Mal, wenn sie bei einem Wettkampf der Transplantierten teilnimmt, denkt sie, ohne Organspender wäre das Stadion jetzt leer!

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