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Bis Montag gab es noch Hoffnung für die Freizeitsportler im Südwesten. Denn bis Montag konnte man sich im Glauben wiegen, dass es glimpflich ausgehen würde mit dem Breitensport.

Jetzt aber, nach der Ministerpräsidenten-Runde um Kanzlerin Angela Merkel, stellt sich heraus: Es droht spätestens an Ostern auch dem Breitensport ein Lockdown, wie wir ihn zuletzt im Frühjahr hatten. Kaum Freizeit- oder Breitensport, allenfalls einsames Joggen durch die Stadt und Training an der heimischen Hantel scheinen dann möglich.

Nach den am frühen Dienstag getroffenen Beschlüssen von Bund und Ländern stehen die Zeichen wieder auf Verschärfung. Für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz heißt das, dass die Telefonate zu den Sportverbänden nicht abreißen. Doch auch dort liegt derzeit keine klare Verordnung vor, aus der eindeutig und übersichtlich hervorgeht, was die Beschlüsse für die Freizeitsportler bedeuten. "Wir haben keinen Wissensvorsprung" so Thomas Müller, Sprecher des Württembergischen Landesportbundes. Seine Erfahrung sage ihm, dass "auch die Einzel-Verbände vieles erst aus den Medien erfahren werden".

Sport wird in den Beschlüssen nicht eigens erwähnt

Der Sport nämlich wird in den Beschlüssen erst gar nicht eigens erwähnt. Dabei hatte es vor drei Wochen noch die Aussicht auf weitere Öffnungen gegeben. So sollten bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern wieder bis zu zehn Personen in kleinen Gruppen unter freiem Himmel Sport treiben können. Von diesem Wert sind viele Regionen im Südwesten aber weit entfernt. Während des Oster-Lockdowns vom 1. bis 5. April soll nun stattdessen ein generelles "Ansammlungsverbot" im öffentlichen Raum gelten. Kontaktsport im Freien oder auch kontaktloser Sport im Innenbereich sind damit ausgeschlossen. In vielen Regionen droht im Amateurfußball, aber auch in anderen Sportarten, immer mehr der Abbruch der Saison.

In jedem Kreis anders

Aktuell müssen direkt benachbarte Landkreise mit unterschiedlichen Bedingungen klarkommen. Aus Rheinland-Pfalz kommt der Bericht über ein Brüderpaar: Der Vierzehnjährige macht bei der SG 03 Harxheim im Landkreis Mainz-Bingen (aktuelle Inzidenz laut RKI 42,6) in der C-Jugend weiter wie bisher. 15 Kilometer Luftlinie weiter, beim TSV Gau-Odernheim im Landkreis Alzey-Worms (tagesaktuelle Inzidenz laut RKI 102,6), durfte sein in der B-Jugend spielender, 17-jähriger Bruder zuletzt nur kontaktlos trainieren - nur um seit Anfang der Woche wieder das Training einstellen zu müssen. Sein Landkreis war wieder über die Inzidenz 50 gerutscht.

In Trier beispielsweise liegt der Inzidenzwert bei 62,8. Nach den Lockerungen Anfang März war auch beim Verbandsligisten FSV Trier-Tarforst Training für die Ü15-Jährigen, wenn auch kontaktlos, möglich. Nun ist nur noch Online-Training erlaubt. In der jüngeren Altersgruppe U15 darf noch trainiert werden – in Kleingruppen bis zu 20 Teilnehmern, kontaktlos. An einen Wettspielbetrieb ist nicht zu denken.

Bis zum harten Oster-Lockdown gelten derzeit noch untenstehende Regelungen. Im Einzelnen definiert der Landessportverband Baden-Württemberg die so:

Grundlegende Lockerungen seit dem 8. März 2021 bei einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100

  • Kontaktarme Sportausübung für den Freizeit- und Amateurindividualsport im Freien und in geschlossenen Räumen (ohne Schwimmbäder) mit maximal fünf Personen aus nicht mehr als zwei Haushalten. Kinder der jeweiligen Haushalte bis einschließlich 14 Jahren zählen dabei nicht mit. Paare, die nicht zusammenleben, gelten als ein Haushalt.
  • Auf weitläufigen öffentlichen und privaten Sportanlagen im Freien dürfen auch mehrere dieser Personenkonstellationen Sport treiben, sofern die Gruppen untereinander einen durchgängigen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten und keine Durchmischung der Gruppen stattfindet.
  • Der Trainings- und Übungsbetrieb im Freien kann mit einer Gruppe von bis zu 20 Kinder bis einschließlich 14 Jahren starten. Erwachsene Aufsichtspersonen zählen dabei nicht mit.
  • Grundsätzlich müssen Umkleiden, Duschen und Gemeinschaftsräume geschlossen bleiben.
  • Ansonsten sind öffentliche und private Sportstätten für den allgemeinen Publikumsverkehr geschlossen (z.B. Frei- und Hallenbäder). Ausgenommen ist die Nutzung für den Reha-Sport, Schulsport, Studienbetrieb, Profi- oder Spitzensport und für dienstliche Zwecke (etwa für die Polizei und Feuerwehr).

Zusätzliche Lockerungen in Land- und Stadtkreisen mit einer stabilen 7-Tage-Inzidenz unter 50

  • Betrieb von Sportanlagen und Sportstätten im Freien ist auch für Gruppen von bis zu 10 Personen zur kontaktarmen Sportausübung gestattet.
  • In Innenanlagen mit maximal 5 Personen aus nicht mehr als 2 Haushalten. Kinder der beiden Haushalte bis einschließlich 14 Jahre werden nicht mitgezählt. Paare, die nicht zusammenleben, zählen als einen Haushalt.

„Notbremse“ in Land- und Stadtkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz über 100

  • Nutzung von Sportanlagen für den Amateur- und Freizeitsport ist untersagt mit Ausnahme von weitläufigen Außensportanlagen.
  • Dort dürfen Angehörige des eigenen Haushalts plus eine weitere Person Sport treiben. Kinder bis einschließlich 14 Jahre zählen nicht dazu.
  • Auf weitläufigen Außensportanlagen dürfen mehrere dieser Personenkonstellationen Sport treiben, sofern der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird und die Gruppen nicht durchmischt werden.

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