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Die Corona-Krise hat die Ligen im deutschen Profisport hart getroffen. Von wem sind die Clubs abhängig? Wie wichtig sind Zuschauer? Im Vergleich: Die Finanzierung der Männer-Ligen von Fußball bis Volleyball.

Zahlenspiele zu Profiligen (Foto: Getty Images, getty image/ iStockphoto)
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Die Finanzierung - woher kommt das Geld?

Die Sportveranstaltungen in vielen deutschen Profi-Ligen sind oder waren ausgesetzt. Saisons wurden unterbrochen oder abgebrochen. Den Vereinen oder Gesellschaften wurde teilweise die Geschäftsgrundlage genommen. Ohne Zuschauer im Stadion oder in der Halle. Ohne TV-Übertragungen. Ohne Menschen, die die Werbung von Sponsoren 'honorieren'.

Die Ausgangslage in den großen Team-Sportarten ist extrem unterschiedlich. Vom Krösus Fußball bis zum Volleyball. Das zeigt auch der Blick auf die Zahlen aus der Saison 2018/2019. Bei den gesammelten Umsätzen der Clubs erkennt man den drastischen Unterschied.

Wie wichtig sind Zuschauer für die Ligen?

Um die Dominanz des Fußballs zu veranschaulichen sind auch die Werte der 2. Bundesliga aufgeführt. Eishockey, Handball und Basketball bewegen sich in etwa auf Augenhöhe. Die Volleyball-Bundesliga spielt finanziell in einer eigenen Liga. Auch wenn die Anzahl der Teams beim Volleyball (14) geringer ist, bleiben die Unterschiede extrem. Ein Baustein zur Finanzierung sind die Einnahmen durch Zuschauer.

Der Zuschauerschnitt der verschiedenen Ligen überrascht wenig. Verhalten sich die Zahlen doch sehr ähnlich wie der weiter oben aufgeführte Umsatz. Die Fußball-Ligen (Bundesliga: 42.738 / 2. Liga: 18.980) dominieren, Eishockey (6.215), Handball (4.808) und Basketball (4.336) liegen im Verfolgerfeld dicht beieinander. Volleyball (1.612) kann nicht mithalten.

Eishockey ohne Zuschauer? Undenkbar!

Spannend wird es, wenn man diese Zuschauereinnahmen mit dem gesamten Liga-Etat ins Verhältnis setzt. Dort zeigt sich, dass die DEL (32,2%) und die HBL (26,0%) am stärksten von Zuschauern in ihren Arenen leben. Der Fußball am wenigsten. Spiele ohne Zuschauer machen für die Sportarten mit hoher Abhängigkeit in diesem Bereich kaum Sinn. So hat man bei der Eishockey-Liga sehr früh entschieden, die Saison abzubrechen.

Geisterspiele nur für Fußball attraktiv

Beim Blick auf die gesammelten Einnahme-Strukturen der sechs Ligen wird klar, warum Geisterspiele für den Fußball attraktiv, für die anderen Ligen aber unwirtschaftlich sind. Die Fußball-Bundesliga kassiert 66% ihrer Umsätze aus dem Bereich 'TV und Sonstiges', wobei die Fernsehgelder alleine fast 40% ausmachen. Weitere Posten sind Transfereinnahmen oder Fanartikel. Die Handball-Liga zieht aus dem Bereich 'TV und Sonstiges' gerade einmal 3% des Umsatzes.

Volleyball hängt am Tropf der Sponsoren

Der Bereich Sponsoring spielt bei den Vereinen aus der VBL (79%), HBL (71%) und BBL (66%) eine extrem große Rolle. Selbst beim Eishockey (53%) kommen mehr als die Hälfte der Einnahmen von Unternehmen, die die Vereine unterstützen. In der aktuellen Corona-Krise und der daraus folgenden Rezession eine gefährliche Abhängigkeit.

Die Fußball-Bundesliga zieht nur 12,9% der Einnahmen aus diesem Bereich. Beim finanziellen Krösus geht der Blick zu den TV-Partnern. Wenn die, wie zuletzt öffentlich bestätigt, tatsächlich ihren Zahlungen weiter nachkommen, dann überleben die Clubs in den beiden Fußball-Ligen. Selbst dann, wenn im Stadion nur Geister zuschauen. Trotz der hohen Zuschauer-Zahlen ist der Fußball von Zuschauern schlichtweg nicht abhängig.

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