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Im Millionen-Geschäft Fußball können Transfers über Sieg und Niederlage entscheiden. Sind also die Vereine im Südwesten, die viel Geld in Spieler investieren, auch erfolgreicher? Die Ergebnisse unserer Analyse sind erstaunlich.

"Geld schießt keine Tore." Dieser Satz stammt von Otto Rehhagel, einem der erfolgreichsten Trainer des deutschen Fußballs. Gesagt hat er ihn 1995 ausgerechnet als Coach des finanziell auf Rosen gebetteten Rekordmeisters Bayern München. Drei Jahre später wurde der Satz Realität. Mit dem 1. FC Kaiserslautern und einem keineswegs luxuriös ausgestatteten Kader gewann Rehhagel 1998 den Meistertitel - als Aufsteiger. Ein bis heute einmaliger Vorgang. Vor 23 Jahren war das noch möglich.

Doch der Profifußball hat sich längst verändert. Insgesamt 938 Millionen Euro gaben die Erstligavereine in der Saison 19/20 für Transfers aus – mehr als vier Mal so viel wie zehn Jahre zuvor in der Saison 10/11.

Was ist aus dem Satz "Geld schießt keine Tore" geworden? Ist er längst widerlegt? Schießt Geld eben doch Tore? Bin ich automatisch erfolgreicher, wenn ich mehr in Spieler investiere? Was sieht das bei den Bundesligisten im Südwesten aus? Der SWR hat die Transferausgaben und die Erstliga-Platzierungen von Stuttgart, Freiburg, Mainz und Hoffenheim untersucht - über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Vergleich der Transferausgaben und sportlichen Platzierung der Bundesligisten vom März 2021 aus dem Südwesten. (Foto: Canva, Pixabay, transfermarkt.de)
Zu den Transferausgaben zählen auch Leihgebühren für Leihspieler. Die Ausgaben beziehen sich pro Saison immer auf die jeweilige Sommertransferperiode (vor und zu Beginn der Saison) sowie auf die jeweilige Wintertransferperiode im Januar (in der Mitte der Saison). Der Platzierungsschnitt von Freiburg und Stuttgart setzt sich nicht wie bei den anderen Mannschaften aus zehn Saisons zusammen, sondern nur durch die jeweilige Anzahl an Erstliga-Saisons. Quellen: transfermarkt.de, canva.com, pixabay Canva, Pixabay, transfermarkt.de

Die Grafik zeigt: Clubs, die mehr Geld für Spieler ausgaben, waren tendenziell erfolgreicher. Die von Mäzen Dietmar Hopp finanziell unterstützte TSG Hoffenheim hat von allen aktuellen Bundesligisten aus dem Südwesten am meisten Geld für Transfers ausgegeben (237 Millionen Euro). Gleichzeitig ist Hoffenheim auch die sportlich erfolgreichste Mannschaft in unserem Ranking (durchschnittliche Platzierung: 9,2). Drei Mal gehörten die Hoffenheimer im von uns beobachteten Zeitraum zu den Top 6-Teams der Bundesliga-Tabelle.

Auch die Mainzer, die mehr Geld in Spieler investiert haben als die Freiburger, waren im Schnitt erfolgreicher als der SC. In allen zehn Saisons gelang den Mainzern der Klassenerhalt. Zwei Mal befanden sich die Mainzer sogar unter den ersten sechs Mannschaften in der Tabelle.

Der VfB fällt aus der Reihe

Eine Ausnahme hingegen ist der VfB Stuttgart: Die Schwaben haben nach Hoffenheim am meisten Geld für Spieler ausgegeben (180 Millionen Euro). Trotzdem sind sie das Team in unserem Ranking, das in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt am schlechtesten abgeschnitten hat.

Von der Saison 12/13 bis zur Saison 18/19 gab der VfB Jahr für Jahr immer mehr Geld für Spieler aus. Besonders nach dem Millionen-Investment von Daimler im Zuge der Ausgliederung 2017 stiegen die Ausgaben signifikant an.

Mit Ausnahme des siebten Platzes in der Saison 17/18 unter Trainer Tayfun Korkut brachte all das den Schwaben aber keinen Erfolg. 2016 und 2019 stiegen sie sogar in die zweite Bundesliga ab. Transfers wie der von Pablo Maffeo (9 Millionen) erzielten nicht die gewünschte Wirkung. Das Beispiel des VfB Stuttgart zeigt: Mehr Geld für Spieler auszugeben macht einen Verein nicht automatisch erfolgreicher als die Konkurrenz.

So viel kosteten die Rekordtransfers der Bundesligaclubs aus dem Südwesten

Samassékou im Trikot der TSG 1899 Hoffenheim.  (Foto: Imago, IMAGO / Avanti)
TSG 1899 Hoffenheim: Diadié Samassékou (14 Millionen Euro) . Hoffenheim verpflichtete den Mittelfeldspieler im August 2019 von RB Salzburg. Der Mann aus Mali ist im Mittelfeld der Kraichgauer gesetzt. Imago IMAGO / Avanti Bild in Detailansicht öffnen
VfB Stuttgart: Ozan Kabak (11 Millionen Euro). Michael Reschke verpflichtete den damals 18-jährigen Türken im Januar 2019 von Galatasaray Istanbul. Beim VfB überzeugte der Innenverteidiger auf Anhieb. Als der VfB im Sommer 2019 in die zweite Liga abstieg, wechselte Kabak zum FC Schalke 04. Heute spielt der Innenverteidiger unter Jürgen Klopp beim FC Liverpool. Imago IMAGO / Eibner Bild in Detailansicht öffnen
SC Freiburg: Baptiste Santamaria (10 Millionen Euro). Der französische Mittelfeldspieler kam im September 2020 vom französischen Erstligisten SCO Angers. Der 26-Jährige stand bisher in 22 von 23 Spielen des SC Freiburg in der Startelf (Stand: 22.03.21). Imago IMAGO / Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
FSV Mainz 05: Jeremiah St. Juste & Jean-Philippe Mateta (beide 8 Millionen). Der Holländer St. Juste (links) ist einer der schnellsten Verteidiger in der Bundesliga. Er wechselte im August 2019 von Feyenoord Rotterdam nach Mainz . Zu diesem Zeitpunkt hatte Stürmer Mateta (rechts) für die Mainzer bereits seine erste Saison gespielt - und 14 Bundesligatore geschossen. Im Januar 2021 mussten die Mainzer ihren Stürmer in die englische Premier-League ziehen lassen. Imago IMAGO / Martin Hoffmann Bild in Detailansicht öffnen

SC Freiburg: Wenig Geld, viel Ertrag

Ob ein Verein erfolgreich ist, hängt nicht nur von Transfers, sondern auch von Trainerentscheidungen und der Kontinuität auf Entscheiderpositionen ab. Das zeigt der SC Freiburg. Im Ranking ist der SC die Mannschaft, die mit Abstand am wenigsten Geld für neue Spieler ausgibt (105 Millionen). Doch der Ertrag ist vergleichsweise groß: Obwohl Hoffenheim mehr als doppelt so viel Geld in Spieler investiert hat, war der SC in den letzten Bundesligasaisons im Schnitt nur knapp zwei Tabellenplätze schlechter. Und das, obwohl der SC immer wieder Leistungsträger an größere Clubs verliert.

In der Saison 12/13 qualifizierten sich die Freiburger mit Platz fünf sogar für die Europa-League. Das Freiburger Erfolgsrezept: Kontinuität. Sportdirektor Klemens Hartenbach und Sportvorstand Jochen Saier stellen seit acht Jahren den Kader zusammen, Christian Streich arbeitet seit neun Jahren als Cheftrainer mit den Spielern – daran hat auch der Abstieg in die zweite Liga im Jahr 2015 nichts geändert.

"Geld schießt keine Tore" - oder doch?

Eine Erfolgsgeschichte, die Otto Rehhagels Spruch recht gibt – zumindest teilweise: Nicht immer bringt Geld in Form von Neuzugängen sportlichen Erfolg. Obwohl die derzeitigen Bundesligavereine aus dem Südwesten in den letzten zehn Saisons unterschiedlich viel Geld in Spieler investierten (höchste Differenz: 132 Millionen), trennten sie in der Tabelle im Schnitt nur drei Plätze. Doch zur Wahrheit gehört auch: Im Millionen-Geschäft Fußball ist das Beispiel des SC Freiburg eher Ausnahme als Regel.

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