Kraftraum des VfB Stuttgart  (Foto: IMAGO,  Pressefoto Baumann)

Sport | Hintergrund

Das Beispiel Karazor: Profisportler ohne Training, welche Auswirkungen hat das?

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Christina Menner

In den vergangenen Wochen wurde viel um VfB-Spieler Atakan Karazor spekuliert: Was macht es mit einem Profifußballer, wenn er über Wochen nicht trainieren kann? SWR Sport hat bei einem Sportmediziner nachgefragt.      

Wie sich ein Trainingsrückstand auf den Körper auswirkt, kommt immer auf die Länge der Pause an. Eine Woche habe so gut wie keinen Einfluss auf den Leistungsstand eines Profisportlers, so die wissenschaftliche Erkenntnis: "In der Regel macht es sich nach zwei bis drei Wochen bemerkbar", sagt der Sportmediziner Dr. Andreas Hoffmann vom Zentrum für Orthopädie und Neurochirurgie in Stuttgart.

Zuallererst nimmt bei fehlendem Training des Sportlers die Muskelmasse ab. Darüber hinaus geht auch die aerobe Leistungsfähigkeit verloren. Das heißt: Die langfristige Ausdauer nimmt ab. "Einfach gesagt: Ein Fußballspieler ist dann bei einem 90-minütigen Fußballspiel fünf Minuten früher platt", meint Hoffmann im Gespräch mit SWR Sport.

Bei Fußballern nimmt vor allem die Sprintfähigkeit ab

Nicht nur die aerobe, sondern auch die anaerobe Leistungsfähigkeit geht zurück. Beim Sprinten muss Laktat verstoffwechselt werden. Wenn man nicht regelmäßig auf einem bestimmten Level trainiert, wird nach einigen Wochen die Verstoffwechslung schlechter. Das heißt: Der Muskel wird schneller sauer und das Laktat staut sich an. Dadurch wird der Sprint langsamer und der Sportler kann nicht mehr so lange durchhalten.

Der Leistungssportler kommt von einem hohen Niveau. Wenn es ein bisschen abfällt, kann es auch schnell wieder eingeholt werden.

Trainingseinstieg nach einer Pause

Um nach einer Pause wieder ins Training einzusteigen, machen Profisportler normalerweise eine Leistungsdiagnostik. "Dabei wird beispielsweise getestet, wie viel CO² sie abatmen oder wie viel Laktat sie bei einer Watt-Erhöhung abbauen", erklärt der Sportmediziner Hoffmann. Dann wird auf eine präzise Steuerung des Trainings geachtet - keine Unterforderung oder Überforderung.

Der Fall des VfB-Spielers Atakan Karazor

Im Fall Atakan Karazor vom VfB Stuttgart fehlte das Konditionstraining sechs Wochen lang komplett. Die aerobe Ausdauer ist relativ einfach wieder aufzuholen. Hier ist eher die Sprintfähigkeit das Problem. Dafür hätte der VfB-Spieler auch nicht viel machen können. "Da helfen keine Liegestützen oder Kniebeugen, sondern man muss wirklich Sprints durchführen", sagt Mediziner Hoffmann aus Stuttgart. Somit ist es jetzt umso wichtiger, bestimmte Muskeln zu trainieren, damit diese nicht nur "stark" sind, sondern auch "spritzig" (sprintfähig) werden. Hoffmann sieht Atakan Karazor aber nicht vor Anfang oder Mitte September wieder im Spielbetrieb.

Karazor soll laut dem VfB diese Woche ins Training zurückkehren. Der Mittelfeldspieler mache einen guten Eindruck, so Trainer Pellegrino Matarazzo. Der Coach kündigte allerdings auch an, dass es bis zu einem Pflichtspiel-Einsatz des 25-Jährigen noch ein paar Wochen dauern werde.

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