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Sport in Corona-Zeiten ist nicht nur für die Athleten, sondern auch für die Trainer eine große Herausforderung. Sie mussten im vergangenen Jahr innerhalb kürzester Zeit neue Formate entwickeln - und haben das teilweise bravourös gelöst.

Einer von ihnen ist Christian Stern vom Badminton-Nachwuchsstützpunkt (NSP) Kaiserslautern. Wie viele seiner Trainer-Kollegen hat er sehr schnell vom analogen zum digitalen Training umgeschaltet und Badminton-spezifische Trainingsangebote erstellt. Im Rahmen der Online-Aktion "Badminton im Wohnzimmer" profitierten nicht nur die talentierten Nachwuchssportler von Sterns Fachwissen, sondern auch viele Hobbyspieler konnten professionell trainieren. Um schon die Kleinsten zu erreichen, drehte er in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium Videos zur Lehre von Badminton in Grundschulen.

Mentale Stärke fördern

Das reichte Stern aber noch lange nicht aus. Zur Stärkung seiner Athleten in dieser sehr schwierigen Zeit rief er ein sportpsychologisches Angebot ins Leben. Er holte mit Claudia Reidick eine Sportpsychologin der TU Kaiserslautern in sein Team. Reidick, die 1988 Bronze bei den Olympischen Spielen in Seoul im Hürdenlauf gewann, steht dem Badminton-Team alle zwei Wochen zur Verfügung und gibt den Kindern praktische Anweisungen, die diese direkt umsetzen. "Badminton wird zum größten Teil im Kopf entschieden", weiß Stern, wie wichtig die mentale Stärke ist.

Durch Corona besser geworden

Konkretes Beispiel zum Thema Achtsamkeit: Die Kinder sollen auf ihre Atmung achten. Mit langsamem Atmen durch die Nase nach einem Ballwechsel kann man sich selbst regulieren, wieder ruhiger werden, Anspannung abbauen. "Das haben die Kinder dann direkt im Training umgesetzt, damit sie fühlen, wie es wirkt", erklärt Stern. Außerdem hat er Jochen Allebrand in sein Team geholt, der sich auf neuronale Trainingsinhalte konzentriert, und mit Frederik Weber einen Physiotherapeuten, der nicht nur bei Verletzungen, sondern vor allem bei der Leistungsoptimierung hilft. "Wenn Corona nicht wäre, dann wären meine Athleten nicht so weit, wie sie jetzt sind", lautet deshalb das Fazit Sterns.

Isomatten als Sparringspartner

Wie kreativ Trainer in dieser Zeit werden, um das Leistungsvermögen ihrer Athleten Aufrecht zu erhalten, hat auch Fechtcoach Gergö Bujdoso (MTV 1817 Mainz) gezeigt. Seine Trainingsvideos wurden nicht nur in Mainz oder Koblenz genutzt, sondern fanden Interessenten bis in die Niederlande. Damit die Fechter zuhause einen Trainingspartner hatten, bekamen sie eine Anleitung, wie man aus gekreuzten Isomatten eine Puppe bastelt. Sein Erfolg: Drei seiner Schützlinge schafften im vergangenen Jahr den Sprung in den Landeskader.

Training auf der Wiese statt im Wasser

Viel Einfallsreichtum war auch von Gerd Neuburger, Landestrainer Kunst- und Turmspringen, gefordert. Für die Wasserspringer war kaum Training möglich, weil ihr Trainingsbad an der Universität Mainz geschlossen war. Eine von Neuburgers Alternativen: Training im Park. Dazu gab es natürlich jede Menge Online- und Einzeltraining. Dabei konnte Neuburger seinen Athleten etwas ganz Besonderes vermitteln: Aus Krisen kann man gestärkt hervorgehen. "Gerd hat aus der Corona-Not eine Tugend gemacht, das Training an die Möglichkeiten angepasst beziehungsweise komplett umstrukturiert und viel Neues ausprobiert", lobt Jannick Grimmer seinen Coach. "Gerd lebt für den Sport und seine Athleten und zeigt uns das auch jeden Tag."

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