ike Merz (Schiedsrichterin) und Tanja Kuttler (Schiedsrichterin), beide, Freude, freundlich, fröhlich, glücklich, strahlend, optimistisch (Foto: IMAGO, IMAGO Bildnummer: 1002510368)

Historischer WM-Einsatz

Zwei deutsche Frauen pfeifen erstmals bei den Handballern

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Anna Klär

Tanja Kuttler und Maike Merz sind einmalig: Als einziges deutsches Frauen-Duo leiten die beiden Schwestern Spiele in der Handball-Bundesliga der Männer. Jetzt folgt der nächste Karriereschritt.

"Wir haben sehr lange gekämpft, auch Männer-Spiele zu pfeifen. Da mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten", erinnert sich Maike Merz, "aber ganz viele Funktionäre haben uns das einfach nicht zugetraut". Die hat das Schiedsrichterinnen-Gespann aus Tettnang mittlerweile eines Besseren belehrt und wurde deswegen folgerichtig für die Handball-WM der Männer nominiert. Als erstes deutsches Frauen-Duo. "Es ist ein tolles Zeichen, dass es keine Rolle mehr spielt, welches Geschlecht man hat", freut sich Tanja Kuttler, "dass man einfach nach Leistung nominiert wird und dass wir die gleichen Chancen haben."

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Der schwere Weg bis zur Handball-WM

Das war nicht immer so, erinnern sich die Schwestern zurück, die selbst jahrelang aktive Handballerinnen waren: "Wir haben beide mit 16 unseren Schiedsrichterschein gemacht mit Kollegen, die teilweise noch nicht einmal aktiv Handball gespielt haben. Denen also Grundvoraussetzungen, die wir automatisch mitgebracht haben, gefehlt haben. Und es war danach ganz normal, dass sie die stärkeren Spiele bekommen haben als wir, nur weil sie Männer waren. Das Traurige ist eigentlich, dass es für uns zu der Zeit auch ganz normal war."

Aber die Zeiten haben sich geändert. Auch in anderen Ländern gibt es in in vielen Herren-Ligen mittlerweile Schiedsrichterinnen, und bereits 2017 pfiff ein rein weibliches Schiedsrichterinnen-Gespann aus Frankreich bei der Männer-WM. Aber deutsche Frauen als Unparteiische bei einem solchen Ereignis - das gab es noch nie.

WM-Nominierung ist ein Familienerfolg

"Die Nominierung kam relativ langweilig per Mail", erzählt Maike Merz, "aber wir haben uns natürlich trotzdem riesig gefreut. Das ist einfach eine Ehre". Schon vor der EM der Frauen im November, bei der die beiden im Einsatz waren, hätten sie davon erfahren. Gott sei dank so frühzeitig, sagt Maike Merz, denn so "konnten wir schon mal planen und unsere Babysitter organisieren".

Mama- und Schiedsrichterin-Sein, das funktioniert - aber nur mit viel Support und Planung: "Wären wir hintereinander schwanger geworden, wären wir so lange aus dem Geschäft raus gewesen, dass der Weg zurück sehr schwierig geworden wäre", sagt Tanja Kuttler, "unsere Eltern unterstützen uns schon seit Anbeginn unserer Karriere und ohne die würde es nicht gehen", ergänzt ihre Schwester.

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Gleichberechtigung auf und neben dem Feld

Zusammen haben sie es jetzt geschafft. Sie sind bei der WM der Männer dabei, die am Mittwoch in Polen beginnt. Beim Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Island am vergangenen Wochenende haben die beiden schon mal einen Vorgeschmack auf das bekommen, was sie dort erwartet: "Wir haben schon das Gefühl, dass wir genauso behandelt werden, wie unsere männlichen Kollegen", sagt Maike Merz, "es ist den Spielern egal, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Wir werden auch angeschrien, wie Männer und das ist auch gut so". "Was in den letzten Jahren in Deutschland passiert ist, ist hervorragend", findet auch ihre Schwester, "die Gleichberechtigung ist zu 100 Prozent umgesetzt worden." Jetzt müsse nur noch eins passieren: "Wir Frauen müssen beweisen, dass wir dabei bleiben und das Vertrauen zu Recht verdienen."

Wann die Schwestern ihr erstes WM-Spiel pfeifen werden, steht noch nicht fest. Die jeweiligen Nominierungen werden erst am Spieltag morgens um 10 Uhr veröffentlicht.

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Anna Klär