Matthias Jaissle auf dem Trainingsplatz (Foto: IMAGO, GEPA Pictures)

Fußball | Hintergrund

Matthias Jaissle bei RB Salzburg: Ein erfolgreicher Trainer mit schwäbischen Wurzeln

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Antonia Zollenkopf

Er galt als einer der besten Abwehrspieler seiner Generation, wurde in der Jugend des VfB Stuttgart ausgebildet. Doch die aktive Spielerkarriere endete für Matthias Jaissle früh. Seitdem ist er junger Cheftrainer - mit einer ganzen Menge Erfolg.

"Schaffe schaffe, Häusle baue". Nein, Matthias Jaissle ist kein Architekt und baut auch keine Häuser. Sein Wirkungsfeld ist die Seitenlinie des Fußballplatzes. Eines steht aber trotzdem fest: Matthias Jaissle trägt die schwäbische DNA in sich: ehrgeizig, aktiv, fleißig. Ein heute überaus erfolgreicher Trainer, dessen fußballerische Karriere beim VfB Stuttgart begann. Ein Rückblick.

Ein Junge, der früh auffällt

Mit vier Jahren beginnt Matthias Jaissle das Fußballspielen beim TSV Neckartailfingen. Sein Talent ist schnell erkennbar. So schnell, dass er von regionalen Scouts entdeckt wird und letztlich in der Jugendabteilung des VfB Stuttgart landet. Unter Thomas Tuchel spielt der geborene Nürtinger in der U15 der Schwaben.

Der große Schritt

Sein Weg beim VfB endet aber bereits bei der U19, denn: Hoffenheim-Trainer Ralf Rangnick ist auf das junge Abwehr-Talent aufmerksam geworden. Jaissle wechselt in Folge dessen im Jahr 2007 in den Kraichgau und spielt direkt für die erste Mannschaft. Diese befindet sich noch in der Regionalliga. Der Wechsel sorgt auch für Unverständnis und sieht für den einen oder anderen Kritiker wie ein karrieretechnischer Abstieg aus. Ein Jahr später allerdings das Debüt in der deutschen U-20-Nationalmannschaft.

Ein herber Rückschlag mit einschneidenden Folgen

Es sollte eine erfolgreiche Zeit bei der TSG werden. Hoffenheim schafft innerhalb von zwei Jahren den Sprung von der Regionalliga in die höchste deutsche Spielklasse. Matthias Jaissle entwickelt sich zum Stammspieler, bis ihn am 21. März 2009 ein echter Rückschlag trifft.

Diagnose Kreuzbandriss. Er kommt zwar zurück, spielt wieder, zieht sich jedoch neun Spiele später die nächste Verletzung an der Achillessehne zu. Die Gemengelage an Verletzungen zwingt ihn zum Karriereende - mit nur 26 Jahren.

Wie geht es weiter?

Es folgt eine schwierige Phase. Matthias Jaissle muss neu herausfinden, wie es für ihn weitergeht. Er kommt zu dem Entschluss, dem Fußball treu bleiben zu wollen. Zwar nicht als Spieler - aber in einer strategischen Tätigkeit.

So belegt er mehrere Studiengänge, darunter auch Sport Business Management. Er setzt sich mit dem Thema Scouting auseinander, interessiert sich stark für den Bereich der Spielanalyse. Seine erste Station als Co-Trainer im Nachwuchsbereich von RB Leipzig bestätigt ihm den eingeschlagenen Weg. Dort arbeitet er unter dem heutigen TSG-Cheftrainer Sebastian Hoeneß.

Ein Trainer mit Empathie und Nähe

Es folgen weitere Trainerstationen. Unter anderem assistiert er Alexander Zorniger bei Bröndby IF in Dänemark, wird Trainer der U18 von RB Salzburg und coacht bis Juni 2021 die Mannschaft des FC Liefering in Österreich. Als Jesse Marsch Cheftrainer bei RB Leipzig wird, bekommt er das Angebot der Cheftrainer-Stelle bei RB Salzburg und nimmt dieses an.

Ein ganz junger Trainer mit einer ganz jungen Mannschaft. Das hat Vorteile. Er ist nicht viel älter als seine Spieler und schafft dadurch eine Nähe zum Team und kennt die Perspektive seiner Jungs: "Ich weiß, welche Klamotten sie tragen, auch wenn mir das nicht alles gefällt (lacht). Ich habe viele Musiktitel aus der Kabine selbst auf der Playlist", verrät er gegenüber der "Sport Bild". Und: Was ihn als jungen Spieler genervt hat, erspart er seinen Spielern. Aufgezwungene Team-Building-Maßnahmen zum Beispiel.

Fußballerische Qualitäten - aber nicht nur

Jaissle zeichnet seine stark ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit aus. Er ist ehrgeizig, ambitioniert, strukturiert, ein Perfektionist und will sich ständig weiterentwickeln. In seiner Rolle als Trainer sieht er nicht nur die Aufgabe, seine Mannschaft taktisch nahezu perfekt einzustellen. Er gibt den jungen Spielern auch Werte wie Leistungsbereitschaft, Respekt, Kommunikation und das Vertrauen im Umgang miteinander mit auf den Weg.

Maximal stressen

Seine Art Fußball spielen zu lassen ist geprägt von einem schnellen Umschaltspiel, den Gegner unter Druck zu setzen, früh zu attackieren und "maximal zu stressen". Eine gute defensive Absicherung hat aber ebenfalls hohe Priorität für Matthias Jaissle.

Mit dieser Art und Weise hat er RB Salzburg auf Erfolgskurs gebracht. Die Österreicher belegen aktuell mit einem Abstand von 14 Punkten Platz eins der Österreichischen Fußball Bundesliga. Und: Jaissle hat seine Mannschaft auch ins Achtelfinale der Champions League geführt. Dort wartet jetzt der FC Bayern München und ein ehemaliger Teamkollege. Denn FCB-Keeper Sven Ulreich hat bereits mit Jaissle zusammen gekickt.

Nicht einschüchtern lassen

Natürlich weiß Jaissle, wen sie da vor der Brust haben. Einschüchtern lassen möchte er sich trotzdem nicht:

"Natürlich sind wir klar die Außenseiter. Aber wir wollen wieder mutig, frech und selbstbewusst auftreten und für einen geilen Champions-League-Abend sorgen."

Los geht es am Mittwoch um 21. Uhr.

Nürtingen

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